Verliebt sein ist ein gefährlicher Zustand

Der Nachttalker Jürgen Domian verrät den Ohrenkuss-Redakteuren, was er an seinem Geburtstag überhaupt nicht mag und weshalb er beim Wandern im Urlaub eine Trillerpfeife dabei hat.
 

Nach dem Gespräch zog es die Beteiligten ins Freie: Jürgen Domian mit drei Redakteuren der Zeitschrift Ohrenkuss auf dem Brüsseler Platz in Köln

Interview  Anne-Lisa Plettenberg, Johanna von Schönfeld, Paul Spitzeck
Fotos  Ayse Tasci-Steinebach

 

Das Gespräch fand um Halb-Fünf-Uhr nachmittags statt, für Domian ist dann Vormittag.

Herr Domian, normalerweise siezen wir unsere Interviewpartner. In Ihrer Sendung duzen Sie die Leute. Sollen wir das auch so machen?

Sehr gerne.

Du bist mit Hella von Sinnen zur Schule gegangen. Ihr seid befreundet. Du warst auch mit Dirk Bach befreundet. Woher kanntest du ihn?

In Köln hatte Hella Kontakt zur Theatergruppe der Universität. Dort hat sie Dirk kennengelernt, und so habe ich ihn getroffen. Damals, als ihn noch niemand kannte, fand ich ihn schon sehr ungewöhnlich und schräg und habe mir gedacht: Er wird es schaffen. Obwohl er mehrfach von Schauspielschulen abgelehnt wurde. Aber er hat seinen Weg gemacht. Und er war nicht nur Spaßvogel. Was mich sehr beeindruckt hat, war, als er an einem kleinen Kölner Theater einen Menschen mit Behinderung gespielt hat. Er hat zwei Stunden ganz alleine auf der Bühne im Rollstuhl gesessen und einen Monolog gehalten. Er konnte auch sehr ernst sein.

Du wohnst in Köln. Warum lebst du hier? Was gefällt dir besonders?

Ich mag die Mentalität der Kölner sehr. Das Freie, das Offene, das Unkonventionelle. Aber wenn ich nicht beruflich und familiär gebunden wäre, würde ich in Berlin wohnen. Das hat auch persönliche Hintergründe. Meine Familie stammt aus der Nähe von Danzig. Ein Teil der Familie landete nach dem Krieg leider in Gummersbach, wo ich geboren wurde, der andere Teil in Berlin. Wir hatten früher kein Geld, um in Urlaub zu fahren, daher haben wir die Verwandten in Berlin besucht. Die Stadt ist für mich ein Stück Heimat. Aber Köln ist für mich Klein-Berlin, insofern fühle ich mich hier sehr wohl.

Wie lange arbeitest du schon für den WDR?

Ungefähr 30 Jahre. Ich habe als Kabelträger beim Fernsehen angefangen, ein Studentenjob zu einer Zeit, als ich noch nicht wusste, was ich werden wollte. Da war ich dann bei großen Fernsehsendungen mit berühmten Leuten dabei, wie Alfred Biolek, Rudi Carrell, oder bei der Sportschau. Aber quasi als letztes Rädchen im Getriebe. Da habe ich Blut geleckt und gedacht: Irgendwas in der Richtung möchtest du mal machen.

In deiner Sendung telefonierst du viel. Telefonierst du in deiner Freizeit auch, oder hast du dann keine Lust mehr dazu?

Gute Frage. Ich telefoniere nicht viel in meiner Freizeit, sondern treffe mich lieber direkt mit den Leuten und unterhalte mich unter vier Augen im persönlichen Gespräch.

Ende 2016 willst du mit deiner Sendung „Domian“ aufhören. Was glaubst du, was wird dir am meisten fehlen?

Mit so vielen Menschen aus so vielen Bereichen sprechen zu können und von ihnen zu lernen, wie man mit schweren Schicksalen umgeht. Ich bewundere manchmal Menschen, die sehr krank sind, die bald sterben werden oder die gerade jemanden verloren haben, wie die ihr Leben meistern. Bei jedem Gespräch bleibt ein wenig für mich hängen, von dem ich profitieren kann und das mir Kraft gibt für mein Leben. Das wird mir definitiv fehlen.

Worauf freust du dich am meisten, wenn alles vorbei ist?

Ich gehe immer erst morgens um fünf, halb sechs ins Bett. Für mich ist jetzt um fünf Uhr nachmittags eigentlich Vormittag. Das ist krass, wenn man es 20 Jahre macht. Dann ist das ganze Leben verdreht. Ich freue mich darauf, wieder früh aufzustehen und einen normalen Tagesrhythmus zu haben.

Was hast du an Plänen für die Zeit danach? Was wünschst du dir?

Ich würde schon gerne weiter fürs Fernsehen arbeiten, vielleicht eine wöchentliche Talkshow moderieren. Gerne auch mit unbekannten Gästen, nicht mit Prominenten. Weil ich finde, dass gerade Nichtprominente sehr viel zu erzählen haben. Aber das ist alles noch offen.

Du findest das Thema Sterbehilfe wichtig. Kannst du uns kurz erklären: Was ist das genau?

Ich vertrete die Meinung, dass man sterbenskranken Menschen, wenn sie den Wunsch haben, etwas früher zu sterben, also nicht ihren Leidensweg bis zum bitteren Ende gehen zu müssen, dass man ihnen diesen Wunsch auch erfüllen sollte. Natürlich müssen dafür klare Voraussetzungen gegeben sein: Der Betroffene muss sich in der Endphase seines Lebens befinden, alle Möglichkeiten zur Heilung oder Leidensbegrenzung müssen ausgeschöpft oder angeboten worden sein, und der Kranke sollte im Besitz seiner vollen geistigen Fähigkeiten sein. Wenn dieser Mensch den Arzt bittet, früher sterben zu dürfen, soll der Arzt das auch ermöglichen dürfen. Zurzeit darf er das nicht. Er darf dem Patienten kein Medikament geben, an dem er stirbt. Im Herbst wird der Bundestag sich damit befassen. Mal sehen, was daraus wird.

Johanna von Schönfeld, Paul Spitzeck und Jürgen Domian (v. l.)

Wenn du den Wunsch frei hättest: Würdest du in die Zukunft oder in die Vergangenheit reisen?

Das hab ich mich auch schon oft gefragt. Ich bin da so ein bisschen hin- und hergerissen. Aber da mich der Fortschritt und die Entwicklungen in der Welt so beeindrucken, würde ich gerne in die Zukunft reisen und schauen, was in 100 Jahren ist. Oder in 1.000 Jahren, wenn es in 1.000 Jahren überhaupt noch Menschen gibt.

Was findest du schlimmer: Bügeln oder Aufräumen?

Bügeln. Meine Dienstkleidung nachts sind Hemden, relativ schicke Hemden. Und die zu bügeln, das mache ich nicht so gerne.

Gibt es ein Tier vor dem du Angst hast?

In Ländern, in denen es Schlangen gibt, ist mir sehr mulmig. Das sind für mich gruselige Tiere. Wenn es meine Zeit erlaubt, reise ich gerne nach Nordfinnland, Lappland. Da gibt es Bären. Beim Wandern habe ich stets eine Trillerpfeife bei mir, denn vor der lauten Trillerpfeife hat der Bär Angst. Gott sei Dank ist mir aber noch nie einer begegnet.

Wofür hast du zuletzt viel Geld ausgegeben?

Für mein Auto. Ich habe einen Autotick. Und das verbinde ich mit meiner Reiseleidenschaft. Mit meinem Geländewagen kann man über Stock und Stein fahren. Bis nach Lappland sind es von Köln aus ungefähr 3.000 Kilometer. Und dort, wo ich mich aufhalte, gibt es oftmals keine befestigten Straßen, sondern Waldwege, Feldwege. Da ist es gut, ein robustes Auto zu haben.

Was ist dir peinlich?

Gelobt zu werden. Und mir ist es ausgesprochen peinlich, wenn ich Geburtstag habe und man für mich singt. Da möchte ich rauslaufen. Das kann ich überhaupt nicht leiden. Wenn ich Geburtstag habe, bitte, bitte, bitte nicht Happy Birthday singen.

Bist du gerade verliebt?

Ich bin derzeit nicht verliebt. Aber es ist schon ein schöner Gefühlszustand, allerdings auch ein gefährlicher: Wenn man verliebt ist, sieht man den anderen unter Umständen gar nicht so, wie er wirklich ist. Das merkt man dann erst später. Es macht einen ein bisschen verrückt im Kopf, wenn man verliebt ist, obwohl es sehr schön ist.

Lieber Jürgen Domian, danke für das Gespräch.


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