Die Wegbereiter

Mit guten Ideen, Engagement und Biss kann jeder den Alltag ein bisschen inklusiver machen. Diese drei Menschen zeigen, wie das geht.

Text: Leonie Demmer

Illustration: Nadine Magner

Alexandra Cremer

Damit’s in Deutschland stärker ruckelt

Alexandra Cremer
Die Organisatorin vom Netzwerk Inklusion Frankfurt kämpft um Aufmerksamkeit.

 

Über 50.000 Klicks erhielt der Song „Inklusion“ seit Erscheinen im November 2013 auf YouTube – zur großen Freude von ­Alexandra Cremer. Im inklusiven  Musikvideo, das die Initiatorin und Songschreiberin zusammen mit den teils blinden Musikern der Band Blind Foundation aufnahm, treten über 100 Protagonisten mit und ohne Behinderung auf. Der Gebärdenchor Lukas14 übersetzt simultan in ­Gebärdensprache. Cremer, selbst Mutter einer schwerbehinderten Tochter, möchte das Thema Inklusion so stärker ins öffentliche Bewusstsein bringen. Ganz so wie es im Song heißt: „Inklusion, lass einen Ruck jetzt endlich auch durch Deutschland gehen.“ Beim Wettbewerb „Respekt! Kein Platz für Rassismus!“ landete sie mit ihrem Lied prompt auf Platz zwei und erhielt den Publikumspreis.

Martin Keune

Kämpfer gegen den Behördenwahnsinn

Martin Keune
Der Unternehmer aus Berlin engagiert sich für einen inklusiven Arbeitsmarkt.

 

Intelligent, engagiert, sympathisch. So empfand Martin Keune, Inhaber der Berliner Werbeagentur Zitrusblau, den jungen Mann, der sich bei ihm um eine Grafikerausbildung bewarb – und stellte ihn ein. Dass der neue Azubi eine Tetraspastik hat, war für Keune Nebensache. „Einfach die Türen verbreitern, eine Rollstuhlrampe einbauen – fertig. So hatte ich mir das vorgestellt“, sagt der Unternehmer. Tatsächlich musste er erst einen langen Kampf mit diversen Behörden führen, bevor Azubi Alex endlich anfangen konnte. „Alle fanden es toll, dass wir einen Schwerbehinderten einstellen und legten uns dann Steine in den Weg.“ Keune engagiert sich dafür, dass es für Firmen einfacher wird, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Unter www.aktion-mensch.de/m/keune erklärt er, wie und wieso.

Inge Paare-Renkhoff

Freie Fahrt für ehrenamtliche Helfer

Inge Paare-Renkhoff
Die Rollstuhlfahrerin ging für ein behindertengerechtes Auto bis vors Bundessozialgericht.

 

Inge Paare-Renkhoff engagiert sich beim Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e. V. Für ihr Ehrenamt braucht sie ein behindertengerechtes Auto, das der 67-Jährigen nach Austritt aus dem Berufsleben aber eigentlich nicht zusteht. Ihr Antrag auf Kostenübernahme wurde vom zuständigen Träger deshalb abgelehnt. Sie gab sich damit nicht zufrieden und klagte. Der Fall ging über mehrere Instanzen bis vors Bundessozialgericht. Das stellte im August 2013 fest, dass „die aktive Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft auch ein gesellschaftliches Engagement“ umfasst und der Umbau des Fahrzeugs eine größere Teilhabe ermöglicht. Der Fall wird nun abschließend vorm Landessozialgericht verhandelt. Einen Beitrag zu einer inklusiveren Gesellschaft hat sie schon jetzt geleistet.


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