Humor mit Köpfchen

Sie nehmen sich selbst nicht ganz so ernst und sind damit ziemlich erfolgreich: PU und Hany von RebellComedy und der Stand-Up-Comedian Tan Caglar über ihre Teilnahme bei „I challenge you“, Gemeinsamkeiten und Humor für mehr Inklusion.
 

Ganz entspannt nach den Dreharbeiten für " I challenge you": Tan Caglar und die "RebellComedy" Künstler Hany und PU (v.l.).

Interview: Saskia Kaufhold
Fotos: Sandra Stein

Aktion Mensch: Bälle werfen, Gebärden raten, Tabu – eure Challenges waren ganz schön tough. Habt ihr damit gerechnet?

Tan: Ich war super gespannt. Vor allem auf PU und Hany. Sehr sympathische Jungs. Jedoch konnte ich in der Challenge darauf keine Rücksicht nehmen.

Hany: Als die Anfrage kam und ich wusste, dass PU und ich gegen Tan antreten, haben wir sofort zugesagt! Der Typ kann was.

Tan Caglar

AM: Tan, du bist eigentlich Profi-Basketballer. Wie hast du dein Talent für Comedy entdeckt?

Tan: Meine Mama hat mir immer erzählt, dass ich bereits als Kind dafür gesorgt habe, dass mein gesamtes Umfeld unterhalten wird (lacht). Als ich dann Seminare zum Thema Inklusion gegeben habe, stand schnell fest: Wenn die Leute lachen, macht es am meisten Spaß. Also klopfte ich bei einer Agentur an, erklärte was ich machen will – und jetzt mach ich seit kurzem mein erstes eigenes Stand-Up-Comedy-Programm!

AM: PU und Hany, ihr seid fester Bestandteil des Kollektivs RebellComedy. Wie lang seid ihr schon im Business?

Hany: Nachdem ich bei kleineren Veranstaltungen „geübt“ hatte, hab ich mich einfach bei den Jungs von RebellComedy beworben. Die haben das Talent in mir erkannt. Seit fünf Jahren bin ich mit dabei.

PU: Bei mir sind es mittlerweile acht Jahre mit RebellComedy. Vorher hab ich Kommunikationswissenschaften studiert. Da hätte ich bestimmt auch einen coolen Job mit bekommen, aber Comedy macht einfach mehr Spaß (lacht).

AM: Comedians mit sichtbarer Behinderung gibt es nur wenige. Wie reagiert dein Publikum, wenn du mit dem Rollstuhl auf die Bühne kommst, Tan?

Hany

Tan: Bisher war das Feedback überwiegend positiv. Ich bekomme viele Mails von Rollstuhlfahrern, dass es sie freut, ihre täglichen Situationen in einem unterhaltsamen Stil auf der Bühne und im TV zu sehen. Ich greife das Thema Behinderung ja im Programm auf – aber nicht nur. Mir ist es wichtig, dass ich nicht bis ans Ende Witze über Menschen mit Behinderung mache. Man muss in der Branche allerdings auch einstecken können. Wenn mich jemand kritisiert, dann ist für mich ein Stück Inklusion erreicht. Kritik ist für mich das Zeichen, als Künstler akzeptiert zu sein.

AM: Apropos Inklusion: Darf jeder Witze über Randgruppen und Minderheiten machen?

Hany: Jeder sollte über jeden Witze machen! Es gibt nur eine Bedingung: Der Witz muss gut sein. Man darf sich nicht über jemanden lustig machen, sondern sollte mit ihm lachen. Nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe.

PU: Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, dass man sich selbst auf die Schippe nimmt. Wer nicht über sich selbst lachen kann, hat in der Comedy nichts verloren.

Tan: Sehe ich genauso. Auch über Menschen mit Behinderung sollte man Witze machen. Wenn Comedians denken: „Nein, ich mache keinen Witz mit Behinderung, es könnte sich ja jemand angegriffen fühlen“, dann ist das für mich Diskriminierung. Meiner Meinung nach sollte es noch mehr Witze über Minderheiten und Randgruppen geben.

PU

AM: Gibt es bei euch eine Grenze des guten Humors?

Hany: Lass mich überlegen... Nein! Ich mache über jedes Thema und zu allem Witze. Viele lachen gerne über andere und fühlen sich bei Witzen über sie selbst sofort angegriffen. Das ist nicht cool. Wichtig ist, dass man das Publikum mit ins Boot holt und dass die Betroffenen auch über den Gag lachen können.

Tan: Geschmacklose Witze gehen gar nicht. Alles andere: Klar!

AM: Steckt immer eine Message in eurem Programm?

Tan: Ich versuche schon, die Menschen in gewisser Weise aufzuklären. So dass sie sich an den Kopf fassen und denken: „Oh, stimmt, das hab ich auch schon mal zu einem Rollstuhlfahrer gesagt.“ So gehen sie aus der Show und denken vielleicht an mich und mein Programm, wenn sie das nächste Mal einen Menschen mit Behinderung treffen. Aber auch das Thema Migration spielt bei mir eine Rolle, da ich ja nicht nur im Rollstuhl sitze, sondern auch noch Türke bin. Ich bin quasi das Schweizer Taschenmesser der Minderheiten (lacht).

Hany: Comedy kann, muss aber keine Message haben. Unterhalten sollte sie jedoch immer. Thematisch lege ich mich da nicht fest, aber was immer geht, sind Witze über Ethnizität. Das kommt beim RebellComedy-Publikum gut an.


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