Mode aus der Werkstatt

Inklusion passiert, wenn man sie einfach macht. Davon sind Roselyne Rogg, Geschäftsführerin der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung, und ihre Mitarbeiter überzeugt. Mit ihrem eigenen Modelabel treten sie erneut den Beweis an.

Klares Design: Mitarbeiter und Freunde der Werkstatt in den außergewöhnlichen Modellen von Esthétique.

Text  Dagmar Puh

Fotos  Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung gGmbH

Wenn ich durch die Werkstatt laufe, sehe ich sofort, wer bei unserer Modenschau als Model dabei war“, sagt Roselyne Rogg und lacht. „Alle haben noch diesen Catwalk-Gang.“ Rogg ist Geschäftsführerin der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung gGmbH. Im Oktober hat die Einrichtung unter dem Namen „Esthétique“ ein eigenes Modelabel auf den Markt gebracht. Die erste Kollektion präsentierten Mitarbeiter mit und ohne Behinderung im Rahmen einer professionellen und sehr glamourösen Show der Öffentlichkeit. Seitdem laufen in der Näherei die Maschinen heiß. Denn die außergewöhnlichen Kleidungsstücke und Accessoires in Schwarz und Weiß verkaufen sich ausgezeichnet.

Ungewöhnlich aber tragbar: das Markenzeichen von Esthétique, so auch bei diesem Cape.

Schönheit und Eleganz sind bei Esthétique entscheidende Stichworte

Eine Werkstatt mit einem eigenen Modelabel? „Warum denn nicht?“, fragt Roselyne Rogg. Ungewöhnliche Ideen sind typisch für die gebürtige Freiburgerin. Seit sie vor knapp sieben Jahren die Geschäftsführung der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung übernahm, sind Projekte entstanden, die auch überregional für Aufmerksamkeit sorgen. So das Tanzfestival Taktgefühl, zu dem 2014 internationale Größen des Tanzsports an den Niederrhein kamen, unter anderem die Weltmeister im Rollstuhltanz aus Russland. Das inklusive Restaurant Ziegenpeter am Rheinpark und die Ladengalerie Ars Vivendi, in der Werkstattprodukte in elegantem Rahmen verkauft werden, sind weitere Leuchtturmprojekte.

Schönheit und Eleganz sind auch bei Esthétique entscheidende Stichworte, gerade weil sie von einer breiten Öffentlichkeit häufig nicht mit Menschen mit Behinderung verbunden werden. „An solchen Stellen setze ich am liebsten an, weil sich am eindrücklichsten zeigen lässt, dass Menschen mit Behinderung in allen Bereichen aktiv und erfolgreich sein können“, sagt Roselyne Rogg. „Und dass sie die gleichen Wünsche haben wie alle anderen – eben auch nach modischer Kleidung, in der man richtig gut aussieht.“

Roselyne Rogg (links, mit Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes) bei der Präsentation von Esthétique in der Duisburger Gebläsehalle.

Mitte Oktober dann der Höhepunkt: die große Modenschau.

Im Frühjahr 2015 wurde im Team die Idee für die Modelinie geboren. Dann ging alles ganz schnell. In einem Kreativworkshop entwickelten Mitarbeiter Muster und Modelle. Die Vielfalt der Entwürfe übertraf alle Erwartungen. Zwei junge Modedesigner berieten die Werkstatt bei der Auswahl von Schnitten und nachhaltigen Stoffen und halfen bei der Umsetzung in tragbare Mode. Hergestellt wurden alle Modelle in der eigenen Näherei.

Mitte Oktober der Höhepunkt: die große Modenschau. In der Duisburger Gebläsehalle präsentierten 69 Models – alles Mitarbeiter und Freunde der Werkstatt – die erste Esthétique-Kollektion. „Gleich am Abend war alles ausverkauft“, sagt Roselyne Rogg und lacht. „Damit hatte keiner gerechnet.“ Inzwischen haben zahlreiche Medien, auch internationale Fach- und Publikumszeitschriften, über Esthétique berichtet. Die Auftragsbücher sind voll, und die Arbeit an der nächsten Kollektion hat begonnen.


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