Eine runde Sache

Jeder der drei Utz-Brüder ist in einem anderen Feld aktiv und erfolgreich. Roland als Sozialarbeiter, Stefan beim E-Rollstuhlhockey und Oswald in der Münchner Kommunalpolitik. Seit zehn Jahren ist er der Behindertenbeauftragte der Bayerischen Landeshauptstadt. Vor wenigen Wochen hat er bei der Kommunalwahl ein kleines Wunder geschafft. Der 49-Jährige gewann als Direktkandidat der Grünen in seinem Wahlkreis und zog in den Stadtrat ein.

Susanne Böllert, MENSCHEN. das magazin

Oswald Utz in seinem Büro des Münchener Behindertenbeauftragten

Text: Susanne Böllert

„Ich bin noch ganz baff“, sagt Oswald Utz über das, was er bei den Kommunalwahlen im Frühjahr geschafft hat: Auf Anhieb gelang ihm, der erst vor zwei Jahren den Grünen beigetreten ist, der Einzug in den Münchener Stadtrat. Utz weiß nach einem Jahrzehnt als Behindertenbeauftragter ganz gut, wie der Hase in Politik und Verwaltung so läuft. Doch mehr noch als seine Erfahrung mit kommunalen Entscheidungsprozessen wird den Wähler die Persönlichkeit des 49-Jährigen überzeugt haben. Denn nur mit diesem ganz speziellen Utz-Humor lässt sich der Wahlkampfslogan „Oswald Utz – eine runde Sache“ vertreten, den er sich auf den kugeligen Leib geschneidert hat. Um noch eins draufzusetzen, hat Utz wochenlang etliche mit seinem runden Gesicht bedruckte Bierdeckel in der Stadt verteilt. Diese bei Politikern selten anzutreffende Selbstironie kam an. „Viele Menschen, die mich am Wahlkampfstand oder auf der Straße angesprochen haben, wollten eigentlich gar nicht wählen gehen oder hätten nicht unbedingt Grün gewählt. Aber mich wollten sie wählen“, erzählt Utz noch immer hocherfreut. Die Verpflichtung, die dieser Vertrauensvorschuss bedeutet, ist dem Sympathieträger bewusst. 

Bürgernah will er seine Politik gestalten, eigens eine Bürgersprechstunde für Klagen und Anregungen der Münchner einrichten. Und er will ihnen Teilhabe garantieren, sowohl den Alten, die sich in einer boomenden Stadt wie München an den Rand gedrängt fühlen könnten, als auch den Armen, die es garantiert sind. „Es ist für mich nicht hinnehmbar, dass in einer so reichen Stadt so viele Menschen in Armut leben müssen“, schimpft Utz in Zimmer 23 des Kulturreferates, dem Büro des Behindertenbeauftragten.  Auch, was das Thema Behinderung angeht, sieht der Kommunalpolitiker noch Nachholbedarf bei Politik und Verwaltung: „Barrierefreiheit beschränkt sich nicht auf Rampen für Rollstühle. Blinde und Hörgeschädigte, aber auch die wachsende Gruppe der seelisch Behinderten müssen immer mitgedacht werden.“

Er wisse, dass es nicht leicht sei, diese heterogene Gruppe unter einen Hut zu bringen, aber genau das werde er versuchen, erklärt Utz kämpferisch. Fest auf die Fahnen geschrieben hat sich Utz eine Sache: In den nächsten sechs Jahre soll nicht mehr jedes Schreiben, auf dem das Wort „Behinderung“ steht, automatisch beim Sozialreferat landen, sondern beim Kulturreferat oder Sportamt, je nachdem wo es hingehört. Behinderung zum Querschnittsthema zu machen und Menschen mit Handicap die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, so wie sie sich die Utz-Brüder erkämpft haben, zu erleichtern –  das ist das Ziel des neuen Stadtrats, der am 2. Mai zur Vereidigung ins Münchner Rathaus gerollt ist. Klein, rund und kein bisschen zerbrechlich.


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