Leseprobe: Sherlock Holmes

Es ist einer der merkwürdigsten Fälle, die der englische Detektiv Sherlock Holmes jemals lösen musste. Auf der Suche nach einem Patienten trifft Dr. Watson in einer Opium-Höhle auf - Sherlock Holmes! Der ist in geheimer Mission unterwegs, auf der Suche nach einem verschwundenen Ehemann. Während Watson und der Leser lange Zeit im Dunkeln tappen, scheint Sherlock Holmes gleich zu spüren, wo des Rätsels Lösung zu suchen ist. Eine Leseprobe in Einfacher Sprache.
 

Opium

Opium ist ein Rauschgift, eine Droge.

Man kann süchtig werden, wenn man es raucht.

Zu Zeiten von Sherlock Holmes konnte man Opium einfach bekommen.

Man ging in sogenannte Opium-Höhlen oder Opium-Keller.

Das waren dunkle Räume.

Dort rauchten die Süchtigen im Liegen ihre Opium-Pfeife.

Watson ist der Freund von Sherlock Holmes.

Früher wohnte er im selben Haus wie Holmes.

Aber jetzt nicht mehr.

Er hat inzwischen geheiratet.

Und er arbeitet als Hausarzt.

In seine Praxis kommen viele Patienten.

Einige von ihnen sind süchtig.

Sie können nicht mehr vom Opium loskommen.

 

Auch Herr Isa Whitney ist süchtig nach dem Opium.

Er ist früher ein starker Mann gewesen.

Immer fröhlich und immer hilfsbereit.

Und glücklich mit seiner lieben Frau.

Aber dann begann Isa Whitney Opium zu rauchen.

Es ging ihm immer schlechter.

Nichts interessierte ihn mehr.

Opium ist das Einzige, was für ihn noch zählt.

Und durch Isa Whitney kommt Watson in so einen Opium-Keller.

 

Isa Whitney

Watson und seine Frau sind gerade fertig mit dem Abendessen.

Da klingelt es an der Tür.

Vor der Tür steht Kate.

Sie ist die Frau von Isa Whitney.

Watson weiß sofort, was los ist.

Kate schaut ihn voller Angst an.

„Ist etwas mit Isa?“, fragt Watson.

Die Frau nickt.

Tränen strömen über ihr Gesicht.

„Kommen Sie herein und erzählen Sie, was los ist.“

Kate weint erst noch eine Weile.

Dann beginnt sie zu sprechen.

„Herr Doktor, ich habe solche Angst.

Sie kennen meinen Mann?“

„Ja, er ist schon seit vielen Jahren mein Patient.“

„Und Sie wissen, dass er Opium raucht?“

„Das weiß ich.

Er ist süchtig danach.“

„Gestern Morgen hat er das Haus ganz früh verlassen.

Um sieben Uhr ist er weggegangen.

Wieder in so einen schrecklichen Opium-Keller.

Ich habe ihn angefleht, nicht dorthin zu gehen.

Ich habe alles versucht, Herr Doktor.

Aber ich konnte ihn nicht abhalten.

Ich verstehe ihn einfach nicht.

Er ist so ein lieber Mann.

Aber dieses verhexte Opium …“

Und wieder muss Kate weinen.

„Es ist nicht Ihre Schuld, Kate.

 

Sie können nichts dafür“, tröstet Watson die Frau.

Kate beruhigt sich etwas.

„Erzählen Sie weiter, Kate.“

Die Frau nickt und spricht zögernd weiter.

„Isa ist seitdem nicht nach Hause gekommen.

Er ist jetzt zwei Tage und eine Nacht fort.

Da muss etwas passiert sein.

So lange ist er noch nie weggeblieben.“

„Hm, zwei Tage in einem Opium-Keller?“, murmelt Watson.

„Das ist tatsächlich lang.“

„Und wissen Sie, Herr Doktor, was so schlimm daran ist?“

„Was denn?“

„Ich habe nicht den Mut, in so einen Opium-Keller zu gehen.

Ich traue mich einfach nicht.“

Auf einmal begreift Watson, warum Kate zu ihm gekommen ist.

„Möchten Sie, dass ich Sie begleite?“, fragt Watson.

„Herr Doktor, es wäre schön, wenn Sie mir helfen könnten!“

Kate, wissen Sie, wohin er gegangen ist?“

„Nein.

Ich weiß nur, dass es im Osten der Stadt ist.“

 

Watson denkt eine Weile nach.

Im Osten der Stadt gibt es tatsächlich einen Opium-Keller.

Es ist ein übler Ort, der sich Gold Bar nennt.

Das ist nichts für die arme Frau.

Sie kann nicht mitkommen.

Dazu ist es viel zu gefährlich.

Kate, wissen Sie was?“, meint Watson.

„Sie bleiben solange bei meiner Frau.

Ich glaube, ich weiß, wohin Isa gegangen ist.

Wenn er noch dort ist, bin ich in zwei Stunden wieder hier.

Zusammen mit Isa.“

Mit diesen Worten verlässt Watson das Haus.

Und macht sich auf die Suche nach Isa Whitney.

 

Im Opium-Keller

Watson fährt mit einer Kutsche zur Gold Bar.

Der Kutscher kennt den Opium-Keller.

„Das ist beim Hafen, Herr Doktor.

Keine gute Gegend.

Ich fahre nicht gerne hin.

Meine Kutsche kommt kaum durch die engen Gassen.

Außerdem gibt’s keine Straßenlaternen.

Es ist da ziemlich düster.

Aber für Sie, Herr Doktor, mache ich eine Ausnahme.“

Zum Glück geht alles gut.

Die Kutsche hält in einer schmalen Gasse.

Watson sieht eine Treppe.

Sie führt hinunter in einen Keller.

Über der Kellertür brennt eine Lampe.

Neben der Lampe hängt ein Holzbrett mit der

Aufschrift: Gold Bar.

 

„Passen Sie gut auf sich auf, Herr Doktor“, sagt

der Kutscher.

Watson antwortet: „Ja, danke.“

Er wirkt ruhig und gelassen.

Aber das Herz klopft ihm bis zum Hals.

„Warten Sie hier auf mich, Kutscher.

In einer halben Stunde bin ich wieder da.“

„Hoffentlich lebend, Herr Doktor“, antwortet der Kutscher.

Watson steigt die Treppe hinunter.

Er kommt in einen Gang.

Von dort gelangt er in einen niedrigen Raum.

Auf beiden Seiten stehen Holzbänke an den Wänden.

Es riecht stark nach Opium.

Der halbdunkle Raum ist voller Rauch.

Watson sieht nur die Umrisse von Menschen.

Sie liegen mit ihren Pfeifen auf den Bänken.

Ab und zu leuchten kleine rote Punkte auf.

Einmal schwach, dann wieder stärker.

Das sind wohl die Pfeifen, denkt Watson.

Und in denen befindet sich das giftige Opium.

 

Zögernd steht Watson im Raum.

Er schaut suchend um sich.

Da kommt ein Mann auf ihn zu.

In der Hand hat er eine mit Opium gefüllte Pfeife.

Er macht eine einladende Bewegung und zeigt auf eine leere Holzbank.

„Nein, vielen Dank“, sagt Watson.

„Ich komme nicht zum Rauchen.

Ich suche einen Freund.

Er heißt Isa Whitney.“

Rechts neben Watson rührt sich etwas.

Er hört, dass jemand etwas murmelt.

Watson sieht sich in dem halbdunklen Raum um.

Endlich entdeckt er Isa.

Er liegt auf einer Holzbank.

„Mein Gott, der Doktor!“, ruft Isa erstaunt.

Watson geht zu ihm hin.

Er erschrickt.

Denn Isa Whitney sieht sehr schlecht aus.

„Wie spät ist es?“, fragt Isa.

„Neun Uhr. Abends“, antwortet Watson.

„Es ist Freitag, neun Uhr abends.“

„Was? Freitag? Das ist nicht möglich.

Wir haben doch Mittwoch!

Heute ist Mittwoch!“, ruft Isa.

„Nein Isa, es ist wirklich Freitag.

Deine Frau wartet seit zwei Tagen auf dich.

Du solltest dich schämen.“

„Das tue ich auch.

Aber warum ist heute Freitag?“, jammert Isa.

„Ich bin doch erst seit ein paar Stunden hier.

Drei oder vier Pfeifen habe ich geraucht …“

„Ach, Isa, rede keinen Blödsinn.

Es ist wirklich Freitag.

Steh auf und komm mit.

Wir gehen jetzt zu deiner Frau.

Sie macht sich Sorgen.“

„Ja, ich komme mit.

Meine liebe Kate soll nicht länger warten.

Können Sie mir bitte beim Aufstehen helfen?

Ich habe keine Kraft.“

Watson zieht Isa hoch.

Er legt schnell einen Arm um ihn, damit er

nicht umfällt.

 

„Ich muss noch zahlen, Herr Doktor.

Können Sie für mich bezahlen?

Mir fehlt die Kraft dazu.

Ich fühle mich irgendwie komisch.

Das Geld steckt in meiner Hosentasche.“

„Ja, in Ordnung“, meint Watson.

Er schaut sich nach dem Wirt um.

Aber er sieht ihn nicht.

Langsam begeben sich die beiden Männer zur Tür.

Isa kann sich kaum auf den Beinen halten.

Auf einmal zupft jemand an Watsons Jacke.

Watson hört eine leise Stimme:

„Gehen Sie an mir vorbei und schauen Sie sich dann um.“

Watson hat es deutlich gehört.

Er schaut nach unten.

Auf einer Bank sitzt ein Mann.

Er scheint ganz benommen vom Opium.

Wie im Schlaf wiegt er sich langsam hin und her.

In seinem Mund steckt eine Pfeife.

Das muss der Mann sein, der an seiner Jacke gezupft hat.

 

Watson begreift das Ganze nicht.

Warum sagte der Mann, dass er sich umschauen soll?

Doch Watson tut, was der Mann gesagt hat.

Er geht zwei Schritte weiter und dreht sich dann um.

Watson ist völlig durcheinander.

Gerade noch rechtzeitig unterdrückt er einen Aufschrei.

Der Mann, der ihn angrinst, ist kein anderer als …

Sherlock Holmes!


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