"In 80 Tagen um die Welt" in Einfacher Sprache

In 80 Tagen um die Welt - ist das so unmöglich? In diesem Buch, welches vor 150 Jahren spielt, scheint es allen so. Außer Phileas Fogg. Er will es schaffen, obwohl es kaum Züge gibt, geschweige denn Flugzeuge. Durch eine Wette, dass er es schafft, setzt er alles aufs Spiel und könnte alles verlieren. Wird er es schaffen, rechtzeitig wieder da zu sein? Eine Leseprobe in Einfacher Sprache.
 

Reich

Phileas Fogg ist ein eigenartiger Mann.

Er ist sehr reich.

Aber niemand weiß, woher er das Geld hat.

Er hat nämlich keine Arbeit.

Trotzdem wohnt er in einem großen Haus.

Mitten in London.

Ganz allein.

Fogg bekommt nie Besuch.

Denn er hat keine Familie, keine Freunde.

Er hat nur einen Diener.

Der kocht für ihn und hilft im Haushalt.

Fogg ist Mitglied in einem vornehmen Club.

Ihm gehören nur reiche Männer an.

Dieser Club hat ein schönes Gebäude in London.

Dort treffen sich die Herren jeden Tag.

Sie reden über alles Mögliche oder sie spielen Karten.

Und sie trinken was.

Auch Fogg ist jeden Mittag im Club zu finden.

Er liebt Kartenspiele.

Dabei wird immer um etwas Geld gespielt.

Wenn Fogg gewinnt, verschenkt er das Geld

an Bettler.

 

Neuer Diener

Eines Morgens ist Fogg böse auf seinen Diener.

Fogg findet, dass er nicht sorgfältig genug arbeitet.

„Du bist eine Minute zu spät mit dem Frühstück!“, sagt Fogg.

„Das ist ein grober Fehler.

Du bist gefeuert!“

Bei Fogg muss immer alles pünktlich geschehen.

Fogg macht sich auf die Suche nach einem

anderen Diener.

Mittags spricht er mit einem Mann, der für ihn arbeiten möchte.

Der Mann ist 30 Jahre alt und kommt aus Frankreich.

„Ich heiße Jean Passepartout“, sagt er.

„Merkwürdiger Nachname“, meint Fogg.

„Das ist ein Spitzname“, sagt der Mann.

„Nicht mein echter Name.

Meine Freunde nennen mich so.“

„Aha“, sagt Fogg.

„Was bedeutet Passepartout?“

„Das ist Französisch“, sagt der Mann.

„Frei übersetzt bedeutet es: Alle Probleme lösen.

Das kann ich nämlich sehr gut.“

Fogg nickt.

Er mag es, wenn Probleme gelöst werden.

„Gut, dann nenne ich dich Passepartout“, sagt Fogg.

„Sie können mich auch Pas nennen“, erwidert der Mann.

„Das ist kürzer.“

Nun möchte Fogg von Pas wissen, wie spät es ist.

Pas guckt auf seine Taschenuhr.

„Es ist fünf Minuten vor zwölf“, antwortet er.

„Deine Uhr geht nach“, sagt Fogg.

„Aber das ist nicht schlimm.

Hier im Haus gibt es viele Uhren.

Und die stimmen ganz genau.“

Pas stellt auf seiner Uhr die richtige Zeit ein.

Dann sagt Fogg: „Du bist mein neuer Diener.

Ab sofort.

Es ist jetzt eine Minute vor zwölf.

Am Mittwoch, den 2. Oktober 1872.“

Pas spaziert durchs Haus.

In jedem Zimmer ist eine Uhr.

Alle Uhren laufen gleich.

In der Küche hängt ein Zettel an der Wand.

„Aha!“, sagt Pas.

„Hier steht die Zeit fürs Frühstück.

Und wann mein Herr zu Bett geht.“

Pas gefällt das.

Ich muss nur die Zeit genau einhalten, denkt er.

Was für eine gute Arbeitsstelle.

Schön ruhig. Wunderbar!

 

Die Wette

Fogg und die anderen Männer im Club spielen Karten.

Sie sprechen über den Raubüberfall auf die Bank von England.

55.000 Pfund hat der Dieb mitgenommen.

So viel Geld ist noch nie geraubt worden.

„Der Dieb ist weg“, sagt Andrew, einer der Herren.

„Die Polizei wird ihn nicht finden.

Die Welt ist so groß.“

Fogg erwidert: „Die Welt ist gar nicht mehr so groß.“

„Wie meinen Sie das?“, fragt Andrew.

„Die Welt wird doch nicht kleiner?“

„Aber ja!“, sagt Fogg.

„Weil man heute so schnell um die Erde reisen kann.

Zehnmal schneller als vor 100 Jahren!

Es steht sogar in der Zeitung!“

Fogg erhebt sich und holt die Zeitung.

„Hier steht es“, sagt er.

„In genau 80 Tagen kann man um die Erde reisen.“

Dann liest er vor:

„Mit Zug und Schiff von London nach Suez:

7 Tage.

Mit dem Schiff von Suez nach Mumbai in Indien:

13 Tage.

Mit dem Zug von Mumbai nach Kalkutta in Indien:

3 Tage.

Mit dem Schiff von Kalkutta nach Hongkong in China:

13 Tage.

Mit dem Schiff von Hongkong nach Yokohama in Japan:

6 Tage.

Mit dem Schiff von Yokohama nach San Francisco in Amerika:

22 Tage.

Mit dem Zug von San Francisco nach New York:

7 Tage.

Und das Schiff von New York nach London braucht 9 Tage.“

Fogg legt die Zeitung weg.

„Insgesamt sind das 80 Tage“, sagt er.

„Das ist doch nicht möglich“, entgegnen die anderen Herren.

„Was ist, wenn das Wetter schlecht ist?

Ein Schiff fährt dann viel langsamer …“

Fogg schüttelt den Kopf.

„Es stimmt, meine Herren“, sagt er.

In 80 Tagen kann man es schaffen.“

„Ich wette um 4000 Pfund, dass es in 80 Tagen nicht gelingt“, sagt Andrew.

Gut“, antwortet Fogg. „Ich nehme die Wette an!

Ich wette, dass ich in 80 Tagen einmal um die Erde reisen kann.

Ich werde noch heute losfahren.“

„Was?“, rufen die anderen.

„Das kann nicht Ihr Ernst sein!“

Aber Fogg meint, was er sagt.

„Auf meinem Konto stehen 20.000 Pfund“, sagt er.

„Um dieses Geld wette ich mit Ihnen.“

„Oh nein!“, ruft John, ein anderer Herr aus dem Club.

„Wenn Sie ein Schiff verpassen, verlieren Sie alles!“

„Aber nein“, beruhigt Fogg ihn.

„Ich verpasse kein Schiff.“

„Sie machen Witze“, sagt John.

„Ganz und gar nicht“, erwidert Fogg.

„Ich wette um 20.000 Pfund, dass ich es schaffe.

Dass ich in 80 Tagen einmal um die Erde reise.

Wer macht bei der Wette mit?“

Die anderen fünf Männer machen mit.

Jeder von ihnen setzt 4000 Pfund ein.

Alle denken, dass Fogg es nicht schaffen wird.

Niemand glaubt, dass er in 80 Tagen um die Erde reisen kann.

„Ich steige heute Abend um 8.45 Uhr in den Zug“, sagt Fogg.

Er schaut in seinen Kalender.

„Heute ist der 2. Oktober.

Am 21. Dezember werde ich zur selben Zeit wieder hier sein.“

Die Uhr des Clubs schlägt 7 Uhr.

„Was ist mit unserem Kartenspiel?“, fragt Sullivan.

Er ist auch ein Mitglied im Club.

„Sie müssen jetzt doch Koffer packen, Fogg.

Ihr Zug fährt um 8.45 Uhr.“

„Nein“, sagt Fogg. „Ich habe genug Zeit.

Ich möchte noch ein bisschen weiterspielen.“

 

Mit dem Zug

Pas wundert sich.

Sein Herr kommt viel früher als erwartet.

„In zehn Minuten fahren wir los“, sagt Fogg.

„Sie fahren weg?“, fragt Pas.

„Ja“, antwortet Fogg. „Und du auch.

Wir machen eine Reise um die Erde.“

„Wie … wie meinen Sie das?“, fragt Pas.

„Eine Reise um die Erde in 80 Tagen, Pas.

Wir müssen uns beeilen.“

„Müssen wir keine Koffer packen?“, will Pas wissen.

„Brauchen wir nicht“, sagt Fogg.

„Eine Reisetasche mit etwas Kleidung reicht.“

Das kann doch nicht wahr sein, denkt Pas.

Ist mein Herr verrückt geworden?

Eine ruhige Arbeitsstelle ist das hier also nicht!

Pas packt schnell eine Reisetasche.

Sein Herr steckt noch ein Bündel Geldscheine dazu.

„Die werde ich brauchen“, sagt Fogg.

Auf dem Weg zum Bahnhof sehen sie eine Bettlerin.

Fogg gibt ihr 100 Pfund.

Er sagt: „Gnädige Frau!

Ich freue mich, dass ich Sie treffe!“

Am Bahnhof sieht Fogg die Männer aus dem Club.

Mit ihnen hat er die Wette abgeschlossen.

Sie wollen sehen, ob Fogg wirklich losfährt.

„Meine Herren, es geht los“, sagt er.

„In jedem Land bekomme ich einen Stempel in meinen Pass.

So können Sie später sehen, dass ich wirklich dort war.“

„Und Sie kommen tatsächlich in 80 Tagen wieder?“, fragt einer der Männer.

„Natürlich“, antwortet Fogg.

„Am Samstag, den 21. Dezember.

Abends um 8.45 Uhr.

Auf Wiedersehen!“

Fogg und Pas steigen in den Zug.

„Erst fahren wir nach Liverpool“, sagt Fogg.

„Und von dort weiter mit dem Schiff.

Nach Ägypten.“

Pas guckt verwundert.

„Mit dem Schiff nach Ägypten?“

„Natürlich“, sagt Fogg.

„Und noch viel weiter.

Einmal um die Erde.“

Schon bald berichten Zeitungen über die Wette.

„Fogg wird verlieren“, schreibt eine Zeitung.

„Schiffe fahren oft später los als geplant.

Und in Indien sind viele Zugstrecken noch nicht ausgebaut.

Niemand kann in 80 Tagen um die Erde reisen.“

Die Zeitungen schreiben auch über den Raub bei der Bank von England.

Es gibt Neuigkeiten.

Denn die Polizei weiß, wie der Dieb aussieht.

Man hat eine Zeichnung von ihm anfertigen lassen.

Jetzt suchen Detektive überall nach dem Räuber.

In den Städten und auf dem Land.

Und in den Häfen.

 

Detektiv Fix

Am 9. Oktober kommen Fogg und Pas mit dem Schiff in Ägypten an.

Sie wissen nicht, dass im Hafen ein Detektiv wartet.

Er ist von der Polizei in London.

Und er heißt Fix.

In seiner Hand hält er die Zeichnung des Bankräubers.

Fix sieht Fogg und denkt: Das ist er!

Das ist der Mann auf der Zeichnung!

Er hat die Bank von England ausgeraubt!

Aber beweisen kann ich es nicht, überlegt Fix.

Weil es viele Männer gibt, die Ähnlichkeit mit der Zeichnung haben.

Dann bemerkt er Pas.

Fix denkt: Das ist bestimmt der Diener des Räubers.

Mit dem werde ich mich unterhalten.

Kurz darauf reden die beiden über das schöne Wetter.

Und über das schöne Land.

„Wo fährt dein Herr denn hin?“, möchte Fix wissen.

„Immer geradeaus!

Er will in 80 Tagen einmal um die Erde reisen.“

„Ach, wirklich?

Dann fährt er jetzt wohl nach Indien?“, fragt Fix.

Pas nickt.

„Es ist eine Wette“, sagt er.

„Aber vielleicht steckt noch mehr dahinter.

Ich weiß es nicht.

Er ist irgendwie ein eigenartiger Mann.“

„Aha“, sagt Fix. „Dein Herr ist ein

eigenartiger Mann?“

„Ich kenne ihn nicht gut“, antwortet Pas.

„Er erzählt nichts über sich.“

„Ist er reich?“, möchte Fix wissen.

„Sehr reich“, sagt Pas.

„Er hat viel Geld mitgenommen.

Lauter frisch gedruckte Geldscheine.“

Nach diesem Gespräch weiß Fix sicher, dass Fogg der Bankräuber ist.

Woher hat Fogg sonst so viel Geld?

Er muss es gestohlen haben.

Fix schickt der Polizei in London ein Telegramm.

In dem Telegramm steht:

„Der Bankräuber heißt Fogg.

Schicken Sie einen Haftbefehl nach Indien!“

Denn Fix braucht den Haftbefehl.

Sonst kann er Fogg nicht festnehmen.

 

Nach Mumbai

Fogg und Pas fahren mit dem Schiff nach Indien.

Auch Detektiv Fix ist an Bord.

Damit er Fogg heimlich beobachten kann.

Er denkt: Warte nur, bis wir in Indien sind.

Dort bekomme ich den Haftbefehl.

Und dann habe ich dich, du gemeiner Dieb!

Pas gefällt die Reise.

Das Essen auf dem Schiff schmeckt ihm.

Sein Bett ist schön weich.

Bestimmt fahren wir von Indien aus wieder zurück nach London, denkt er.

Sein Herr wird doch nicht wirklich um die Erde reisen!

Und schon gar nicht in 80 Tagen!

Das ist doch gar nicht möglich!

Plötzlich sieht er Fix, den Detektiv.

„Kennen wir uns nicht?“, fragt Pas.

„Du bist doch der Diener von diesem eigenartigen Mann!

Wir haben uns neulich unterhalten.“

„Ja, das stimmt“, antwortet Pas.

„Mein Name ist Pas.“

„Aha, ich heiße Fix.“

Der Detektiv erkundigt sich nach Fogg.

„Herr Fogg ist sehr froh“, sagt Pas.

„Denn das Schiff fährt schnell.“

„Warum fährt es so schnell?“, möchte Fix wissen.

„Weil mein Herr dem Kapitän 300 Pfund gegeben hat“, antwortet Pas.

Sieh nur, denkt Fix.

Dieser Fogg gibt haufenweise Geld aus.

Wirklich sehr interessant.

Am 20. Oktober kommt das Schiff in Mumbai an.

Das ist eine Stadt in Indien.

„Sehr gut“, sagt Fogg. „Wir sind schon da!

Zwei Tage früher als geplant!

Nun haben wir einen Vorsprung.“


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