Hey Siri!

Ohne Handy ist das Leben ziemlich sinnlos, findet Ninia Binias. Denn es hilft, Freundschaften zu pflegen und zu knüpfen.
 

Illustration Nadine Magner

 Neulich hat ein Freund zu mir gesagt: „Man kann sich drei Stunden intensiv mit dir unterhalten und später merkt man, dass du währenddessen fünf Tweets, drei Statusupdates und zwei Selfies mit deiner Ananas gepostet hast.“ Leider musste ich ihm uneingeschränkt zustimmen. Meine „Ananas“ (mein Handy steckt in dieser fruchtigen Hülle) ist mein verlängerter Arm. Sie hält mich auf dem Laufenden, loggt mich überall ein, teilt mir mit, was meine Freundinnen machen und spielt meine Lieblingsmusik. Sollte ich sie irgendwann mal verlieren, wäre mein Leben vorbei. Selbst Aufstehen wäre dann nicht mehr möglich, weil meine Bitte „Hey Siri, weck mich morgen um acht Uhr!“ ungehört verhallen würde.

Ich habe eine Girlgang – die Mitglieder sind über ganz Deutschland verteilt. Wir können uns nicht mal eben zum Mittagessen in einem Café treffen. Also treffen wir uns bei Whatsapp – jeden Tag. Wir schreiben uns Kleinigkeiten und große Ereignisse, wir tauschen uns aus, regen uns auf und supporten uns gegenseitig. Ohne das Internet und neue Technologien wären wir nicht so eng befreundet. Wir könnten nie alle gleichzeitig miteinander sprechen. Diese kleine „Online-WG“ ist mein Anker an schlechten Tagen. Überhaupt: Freundschaften! Wie viele tolle Menschen habe ich bis jetzt online kennengelernt, die ich sonst vielleicht niemals getroffen hätte? Allein dafür hat sich die Erfindung des Internets gelohnt.

Inzwischen versuche ich, meine Freunde auch über Snapchat mit durch den Tag zu nehmen. Obwohl ich mir schon ziemlich dusselig dabei vorkomme, auf offener Straße mit dem Handy vor meinem Gesicht zu quatschen. Gleichzeitig schaue ich mir selbst unheimlich gerne die kleinen Geschichten an, die andere in ihren Snaps erzählen. Allerdings brauchte ich erst Unterstützung, um zu verstehen, wie die App funktioniert. Da habe ich das erste Mal gedacht: „Jetzt ist es so weit. Du bist raus. Du bist zu alt und verstehst diesen neuen technischen Kram nicht mehr. Schade, war eine schöne Zeit!“ Und dann habe ich meine Oma angerufen und bin mit ihr ein Eis essen gegangen, ganz offline. Wie früher.


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