Jetzt wird alles anders!

Kolumnistin Ninia Binias ist ein sportlicher Typ – phasenweise. Davon zeugt ihr Kleiderschrank, der vor lauter Sportausrüstung aus allen Nähten platzt.

  Mein Schrank ist voll. Gefüllt mit Kleidung, die ich in einem Anfall von Motivation und Enthusiasmus kaufte, dann vorübergehend stolz trug. Es handelt sich um Sportklamotten und sämtliches Zubehör für diverse Sportarten.

Ich wäre gerne sportlich – das ist die korrekte Bezeichnung zu meiner Beziehung zum regelmäßigen Schwitzen. Ich wäre wirklich gerne einer von diesen Menschen, die samstags um 7 Uhr aufstehen, weil sie das Gefühl haben, sich bewegen zu müssen. Und dann trinken sie ein warmes Glas Wasser (Ayurveda!), schnüren ihre Profilaufschuhe und rennen los. Wenn sie nach Hause kommen, posten sie bei Facebook ein Bild der Laufstrecke und schreiben so Sachen wie: „Heute nur zehn Kilometer, aber dafür jetzt fit für den Tag“. Nur zehn. Ich sitze dann weinend davor, nur um einige Minuten später irgendein neues Fitness- oder Yogastudio in der Nähe ausfindig zu machen und mich, total motiviert, dort anzumelden.

Nach dem ersten Training: Shoppen!

Die erste Trainingsstunde ist immer super. Wow, was für ein Feeling! Ich schwitze, alles tut weh, ich bin die Schlechteste im ganzen Kurs, aber das ist egal, ich bin euphorisiert. Direkt danach kaufe ich drei weitere Leggins in verschiedenen Farben und fünf Shirts. Und vielleicht noch so ein Springseil oder diese schicke Yogamatte oder das Tracking-Armband.

Dann erzähle ich allen, dass ich jetzt Yogi bin oder Karatekämpferin oder einfach nur in Kürze wahnsinnig fit. Ich kann mich gut an diese Floskeln anpassen: „Ach, ich weiß gar nicht, wie ich das vorher ausgehalten habe! Jetzt wird alles anders!“ Zehn Tage lang trinke ich nur noch Smoothies und ernähre mich vegan.

Zwei Wochen später. Ich war dreimal beim Training. Irgendwie ist immer was dazwischen gekommen und heute kommt ja auch ein Fußball-Länderspiel im Fernsehen. Ach, ich geh vielleicht am Wochenende oder nächste Woche. Doch dann ist das Wetter plötzlich so schön, und die Fenster wollte ich ja auch mal wieder putzen. Wieder zwei Wochen später gestehe ich mir ein, dass es nichts wird mit mir und dem Yoga oder dem Karate oder dem Schwimmen oder dem Fitnesstraining. Bis zum nächsten Motivations- und Shoppinganfall.


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