Äffchen im Land der Wunder

Ninia LaGrande ist körperlich nicht die größte. Gelegentlich träumt sie davon, Superheldin zu sein.
 

© Nadine Magner

Ich bin 32 Jahre alt, 140 Zentimeter lang, Moderatorin und Autorin. Eigentlich hätte ich Profikletterin werden müssen. In meiner Kindheit gab es kein Möbelstück, das nicht mit riskanten Klettermanövern von mir überwunden werden konnte. Es passierte mehrfach, dass meine Mutter nichtsahnend in die Küche kam und mich, wie ein kleines Äffchen, an einem der Küchenschränke hängend vorfand. Klettern war meine Art zu sagen: „Geh weg, ich brauche keine Hilfe!“

Da mein Vater im Gegensatz zu mir besonders groß ist, haben meine Eltern nach meinem Auszug und ihrem Umzug viele Möbel höher als normal bauen lassen: die Arbeitsplatte in der Küche, die Toilettensitze und manches mehr. Wenn ich jetzt nach Hause komme, fühle ich mich wie Alice im Wunderland. Dann mache ich es wie in Kindertagen und schwing mich auf.

Um gesund zu leben, brauche ich keinen Ernährungsplan oder aufwendige Sportprogramme. Es reicht ein Besuch im Supermarkt! Die Tiefkühlpizzen liegen ja in der Regel so weit unten, dass ich in die Truhe reinklettern muss. Mit etwas Glück schaffe ich’s auch wieder raus. Im Sommer kann so eine Abkühlung ja herrlich sein, aber meistens nehme ich dann doch lieber etwas vom besser erreichbaren Gemüse- und Obstregal. Wie sehr beneide ich Elastigirl! Die kennen Sie nicht? Das ist die Superheldin aus Disneys „Die Unglaublichen“. Elastigirl ist superelastisch wie sonst niemand. Die Pizza liegt zu tief? Kein Problem – wäre ich Elastigirl würde ich bloß meinen Arm verlängern und mir eine rausangeln.

Alles wäre einfacher, wenn ich Superheldin wäre. So könnte ich auch diversen Freunden helfen, die ebenfalls ungewollt von Barrieren gestoppt werden. Meine Freundin kann nicht zur Party kommen, weil die im vierten Stock ohne Fahrstuhl stattfindet? Kein Problem, Elastigirl­ Ninia brauchte sich nur oben hinzustellen und ihre Fahrstuhlarme nach unten auszustrecken.

Aber wäre ich Superheldin, wäre ich wohl so viel beschäftigt, dass ich keine Zeit mehr für anderes hätte. Ist die eine Barriere überwunden, ploppt ja schon die nächste auf. Nee, nee, dann lieber die Barrieren direkt abschaffen! Und bis dahin esse ich selbst gemachte Pizza, belegt mit frischem Gemüse.

 


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