Schön ist die Welt

Spannende Reiseländer für Menschen mit Behinderung gibt es jede Menge. Martin Fromme stellt ein paar Traumziele vor.

Wir überqueren die Alpen mit dem Handbike, wir „gehen“ im Rollstuhl in Kanada auf Bärenjagd, wir könnten in die USA jetten und in Iowa blind herumballern. Wir haben alle Möglichkeiten. Lasst uns die Welt bereisen und das Leben genießen!

Warum nicht mal nach China fliegen und die erste Babyklappe, die wegen Überfüllung geschlossen werden musste, wieder öffnen? Wir kümmern uns um die Altlasten. Dazu brauchen wir Umzugskartons für 110-mal Kinderlähmung, 39-mal Downsyndrom und 32-mal angeborene Herzfehler. Aber diese bitte in unterschiedlichen Größen, denn es müssen nicht nur Babys, sondern auch einige Vorschulkinder entsorgt werden. Machen wir den Chinesen aber bitte keine Vorwürfe: In den westlichen Industrieländern lässt man kleine Mangelmenschen oft nicht mal das Licht einer Babyklappe erblicken.

Wie wär’s mit einem Trip in den Sudan? Wir nehmen Taschenlampen mit und erkunden die Häuser der Einheimischen. Oft werden wir dabei auf Behinderte stoßen, die versteckt in dunklen Ecken hocken. „Verflucht nochmal“, werden die Angehörigen sagen, uns die Taschenlampen wegnehmen und die Behinderten woanders im Haus verstauen.

Oder lasst uns nach Russland fahren und die traditionelle Unterbringung behinderter Kinder und Erwachsener in spartanischen Heimen bestaunen. Bewundern wir die Paralympicsplakate der Schwimmerin Olesya Vladykina, die ihren rechten Arm jubelnd in die Höhe reckt. Sie ist so positioniert, dass man ihre Amputation auf der linken Seite nicht erkennt, aber egal. Dafür sehen wir sicher irgendwo den nackten Oberkörper von Wladimir Putin.

Setzen wir uns in Italien in den Klassenraum einer Schule. Und stellen fest, dass wir da gar nicht auffallen. In „Bella Italia“ ist das gemeinsame Lernen seit über 35 Jahren kein Problem. Das einzige Problem, dass wir haben werden, ist die bittere Einsicht, die binomischen Formeln schon wieder vergessen zu haben. Nordkorea lassen wir als Reiseziel mal außen vor. Wer weiß schon, ob man nicht mit großen Netzen eingefangen und in abgelegene Lager transportiert würde. Vielleicht geht es auch gleich in die braune Tonne.

Ich bin gerade in die Niederlande gefahren. Dort gibt es die von mir so lange ersehnten Kondome, die man mit einer Hand überziehen kann. Ich hoffe, sie sind nicht für Linkshänder.


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