Unbekannte Wesen

Wenn sich Menschen mit und ohne Behinderung treffen, kann es haarig werden. Martin Fromme gibt Tipps für den Ernstfall.

Zeichnung zeigt Mann und Frau beim Candellightdinner
Zeichnung zeigt Mann, der einer Kleinwüchsigen ein Kindereis serviert


 

Kolumne Martin Fromme
Illustration Nadine Magner

Es gibt sie immer wieder. Unheimliche Begegnungen der dritten Art. Das Ding aus einer anderen Welt trifft friedliche Erdbewohner oder anders gesagt: Nichtbehinderte begegnen Behinderten. Beide Spezies sind Menschen und müssen sich beim Aufeinandertreffen auf das Unbekannte einlassen, um miteinander kommunizieren zu können. Für den Ernstfall hier die wichtigsten Verhaltens- und Kommunikationsregeln.

Um den Erstkontakt herzustellen, gibt es verschiedene Möglichkeiten: das Anlächeln, das Anstarren, das Wegschauen und das Aufpicken von Körnern als Übersprunghandlung. Damit es danach flüssig weitergeht, sollten Sie einige Dinge unbedingt vermeiden.

Nähern Sie sich niemals einem Kleinwüchsigen und singen dabei „Hei ho, hei ho, wir sind vergnügt und froh“. Unterlassen Sie auch das ständige Überreichen von Schultüten oder Speisekarten mit Gerichten wie „Pinocchio-Teller“ oder „Pumuckl-Torte“.

Entblößen Sie niemals den Rücken eines Behinderten, um zu schauen, ob sich dort ein Geldschlitz befindet, sondern geben Sie ihr komplettes Portemonnaie direkt in die Hand des Bedürftigen.

Zeichnung zeigt Mantel mit abgeschnittenen Armen

Vorsicht, wenn Sie einen Einarmigen im Fußballstadion zum gemeinsamen Klatschen auffordern! Es könnte sein, dass Sie dann geklatscht werden. Gehörlose sollten Sie dagegen nie mit der Edvard-Munch-Geste „Der Schrei“ anbrüllen. Denn das hieße in Gebärdensprache: „Verdammte Hacke, ich hör nix mehr, weil ich meine Ohren zuhalte.“

Sie haben für Ihr Rendezvous mit einem Blinden Kerzen angezündet? Dann verkneifen Sie sich die Bemerkung: „Ich habe jetzt Kerzen angemacht. Das ist romantisch. Du hast zwar nicht viel davon, aber ich.“

Wenn Sie zufällig in ein Helene-Fischer-Konzert geraten sind, seien Sie nett zu Ihrem Nebenmann. Menschen mit geistigen Einschränkungen können unberechenbar sein. Wenn Sie im Textileinzelhandel tätig sind, gilt: Schneiden Sie nie einem contergangeschädigten Kunden ungefragt die Ärmel des neu erworbenen Wintermantels ab!

Sie sehen: Es ist verdammt schwierig, miteinander in Kontakt zu treten. Belassen wir es also beim jährlichen Weihnachtsbesuch in der Behindertenwerkstatt oder bei zufälligen Begegnungen.

Und entschuldigen Sie, wenn ich immer laut lachend an Ihnen vorbeigehe. Das sieht aber auch wirklich bescheuert aus – zwei Arme.


Weitere Artikel

Ran an die Bouletten

Auch Behinderte können auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich sein. Sie müssen nur ihre Talente nutzen. Hier ein paar Ideen von Martin Fromme.

Kolumne Arbeitsmarkt
Schön ist die Welt

Spannende Reiseländer für Menschen mit Behinderung gibt es zuhauf. Der Kolumnist Martin Fromme stellt ein paar Traumziele vor.

Kolumne Reiseziele
Verbrechen lohnt sich

Der Fall Pistorius hat auch sein Gutes, findet Martin Fromme. Denn Gewalt macht Behindertensport erst sexy.

Kolumne Sport

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

MENSCHEN. das magazin

Autoren MENSCHEN. das magazin im ZDF

Noch kein
Geschenk?