Trendhobby Cosplay

Elfen, Monster, Superhelden, Feen oder Roboter. Menschen aus aller Welt finden beim Cosplay zusammen, tauschen sich aus, treffen sich auf Messen oder bei Wettbewerben.
 

Koelnmesse

Text: Conny Lopez

Cosplayer kleiden sich wie ihre Helden und versuchen, sie in Gestik und Mimik nachzuahmen. „Dabei ist es egal, woher der Charakter stammt. Jack Sparrow aus dem Film Fluch der Karibik ist genauso erlaubt, wie Pikachu aus dem Videospiel Pokemon“, sagt Nadine Metzner, eine der Organisatorinnen des Cosplay-Village auf der Kölner Gamescom, eine der größten und wichtigsten Messen für Computer- und Videospiele weltweit. Bei der letzten Gamescom im August haben die Aktion Mensch und der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware gemeinsam für mehr digitale Barrierefreiheit und Inklusion geworben.

Conny Lopez

Christian Meyer ist neu in der Szene, aber auf der Gamescom gleich mittendrin.

Von Japan nach Europa

Nadine Metzner ist seit den 90er Jahren Fan von japanischen Comics und Zeichentrickfilmen. Zu dieser Zeit schwappte der Trend erstmalig aus Japan nach Europa. Doch vor zehn Jahren galten Cosplayer in Deutschland als Außenseiter und seltsame Gestalten, fern jeder Realität. Ein privater Fernsehsender hatte einen üblen Beitrag gezeigt, in dem er Cosplayer als „stinkende Freaks“ abstempelte. „Heute würde sich das keiner mehr trauen“, sagt Andreas Degen, Chef der Düsseldorfer DoKomi, einer der größten Messen für Animee, Manga und Japan-Kultur in Deutschland. „Ich kenne Cosplayer, die sind Ärzte, Anwälte oder Kauffrauen. Angesehene Leute, die einfach ein gemeinsames Hobby teilen.“ Früher sei die Cosplay-Szene eher jung und weiblich gewesen, so Degen, doch mittlerweile gebe es fast genauso viel männliche wie weibliche Cosplayer. Auch das Alter habe sich etwas verschoben. "Einige Cosplayer der ersten Stunde sind Mitte der Dreißig und noch immer aktiv."

Das Besondere in der Cosplay-Szene ist der Zusammenhalt und das soziale Miteinander. Jeder kann mitmachen und wird so akzeptiert, wie er oder sie ist. So wie Nadine Metzner. Die Cosplayerin hat sich früher eher zurückgezogen, war schüchtern und hatte einfach nicht die gleichen Mainstream-Hobbys wie alle anderen. Vielleicht spielte auch ihre chronische Erkrankung eine Rolle, die Grand Mal Epilepsie. „Doch in der Cosplay-Szene zählt nur dein Kostüm, dein Können und dein Charakter, den du spielst. Nicht wer du im normalen Leben bist, ob du eine Behinderung hast, woher du kommst oder welche Hautfarbe du trägst.“

Die freundliche und offene Atmosphäre unter den Cosplayern hat sich herumgesprochen. „Die Szene wächst seit Jahren“, sagt Andreas Degen. „Letztes Jahr hatten wir auf unserer Japan- und Cosplay-Messe in Düsseldorf über drei Tage 19.000 Besucher, dieses Jahr waren es schon über 30.000. Für nächstes Jahr planen wir mit noch mehr Besuchern."

Conny Lopez

Vielfalt erwünscht: Jeder kommt im Kostüm seiner Lieblingsfigur.

Professionelle Kostüme

Auch die Gamescom hat den Trend erkannt. Seit 2012 gibt es bei der Computer- und Videospielmesse das Cosplay-Village. Dort können sich die als Monster, Superhelden oder Amazonen verkleideten Menschen eine Auszeit gönnen oder schnell einen Flügel reparieren lassen. In der Cosplay-Schmiede reparieren ehrenamtliche Helfer mit Heißklebepistole, Haarspray, Klebeband und Sicherheitsnadeln Kostüm-Notfälle. Seit Jahren werden die Kostüme immer professioneller. „Früher mussten wir Pappmaschee oder Fimo nehmen, weil es einfach nichts Anderes gab“, erinnert sich Andreas Degen.

Heute gibt es Worbla, ein thermoplastisches Material, mit dem Cosplayer ihre Kostüme herstellen. Man kann die etwa ein Zentimeter dicken Platten mit der Schere zuschneiden, dann erhitzen und in jede erdenkliche Form biegen. „Cosplay ist ein sehr kreatives Hobby“, sagt Nadine Metzner. Bevor sie damit angefangen hat, konnte sie kaum ein Sockenloch stopfen. Heute entwirft und schneidert sie ihre Kostüme selbst. Vieles hat sie sich selbst beigebracht, Bücher gelesen und befreundete Schneider um Rat gefragt. YouTube-Tutorials zeigen, wie sich das Worbla etwa zu einer Amazonen-Rüstung verarbeiten lässt.

Auch Christian Meyer ist begeisterter Cosplayer und Gamer. Auf der Gamescom hat er sich zum ersten Mal verkleidet. „Es ist egal, ob ich im Rollstuhl sitze“, sagt der 28-Jährige. „Man schlüpft in eine andere Rolle und da zählt nur der Charakter, den man spielt.“ Meyer schätzt die Cosplay-Gemeinschaft sehr, denn unter Gleichgesinnten finde man schnell Freunde.

Und wer doch etwas schüchtern ist, kann beim meet-the-people mitmachen. Leute, die gerne andere Menschen kennenlernen möchten, können sich am meet-the-people-Stand eine Nummer besorgen. Diese kleben sie sich gut sichtbar auf das Kostüm oder die Kleidung. Andere können sich die Nummer merken und am meet-the-people-Stand eine Nachricht hinterlassen. Vielleicht treffen sie sich dann auf der nächsten Messe wieder.

Die schönsten Kostüme auf der Gamescom

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