Blindentennis: Ein Schnupperkurs macht Lust auf mehr

Wer blind oder sehbehindert ist, konnte kürzlich erstmals in Deutschland in die Sportart Blindentennis hineinschnuppern. Unsere Autorin Ute Stephanie Mansion hat mitgemacht.

Amanda Green erklärt drei sehbehinderten Workshop-Teilnehmern, worauf es beim Blindentennis ankommt. Sie ist eine von zwei englischen Trainerinnen, die eigens für den Schnupperkurs nach Köln gekommen waren.

Text: Ute Stephanie Mansion
Fotos: Michael Bause

Ball und Schläger vor dem Körper zusammenbringen, den Schläger am Körper vorbei und nach hinten führen, mit der anderen Hand den Ball heben und – zack – mit dem Schläger den Ball treffen und übers Netz befördern. Aha, so geht also der Aufschlag beim Tennis. Nur, dass der Ball bei mir meistens im Netz landet. Ich bin nicht die einzige, der es so geht, denn die wenigstens von uns haben schon einmal Tennis gespielt.

Ertastbarer Plan eines Blindentennis-Spielfelds.

Es ist eine Premiere für uns und eine Premiere im Sport: Wir, eine Gruppe von rund 25 Blinden und Menschen mit Sehbehinderung, nehmen am ersten Blindentennis-Workshop in Deutschland teil. Veranstalter ist die Gold-Kraemer-Stiftung, die mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband kooperiert. Sie hat eine Tennishalle in Köln gemietet und zwei Trainerinnen aus England eingeladen, denn hierzulande gibt es noch keine. Trainerin Amanda Green, selbst sehbehindert, erklärt, dass ein blinder Japaner die Sportart in den Neunzigerjahren erfunden habe. In Japan ist sie mittlerweile etabliert, und durch das Engagement von Green und Odette Battarel, unserer anderen Trainerin, auch in England. Dort werden inzwischen Wettkämpfe auf nationaler Ebene ausgetragen, organisiert vom britischen Tennisverband, also nicht von einem Behinderten-Sportverband.

Bevor wir an Turniere denken, heißt es erst einmal üben. Die Trainerinnen teilen uns ein in die Gruppe der Blinden, die die Mehrheit bilden, und eine Handvoll Spieler mit Seheinschränkungen. Die aufgeklebten, leicht erhöhten Linien, die das Spielfeld begrenzen, sind für viele eine Orientierungshilfe, die sie mit den Füßen ertasten.

Ballübungen: Autorin Ute Stephanie Mansion (links) im Einsatz.

Der Ball rasselt

Der Ball ist weicher und leichter als ein normaler Tennisball und rasselt. Trotzdem ist es nicht einfach, ihn zu orten und dann auch noch mit dem Schläger zu treffen. Auch für Sehbehinderte nicht: Es gibt gelbe und schwarze Bälle. Für die einen hebt sich der schwarze Ball besser vom Hallenboden ab, für die anderen der gelbe. Für meine Augen verschwindet der schwarze in der Luft im Dunkel des Daches, sodass ich ihn erst erkenne, wenn er wieder den Boden berührt. Dann aber – wie gemein –  immer dort, wo ich ihn nicht vermutet habe. Dennoch gelingen uns nach einiger Zeit ein paar Ballwechsel.

Auch der Aufschlag klappt besser, nachdem Amanda erklärt hat, ich könne den Ball auch leicht hochwerfen, bevor ich ihn schlage. Zum Glück sehe ich ihn dabei noch am Rande meines Gesichtsfelds – und schlage ihn nun meistens über die Linie des gegnerischen Feldes ins Aus. Ich werte das dennoch als Erfolg.

Amanda Green (links) führt blinde Teilnehmer an das Netz in der Spielfeldmitte heran.
 

Mein Mitspieler, Jan Adam (35), freut sich ebenfalls über kleine Erfolge. „Selbst Tennis zu spielen, war für mich undenkbar“, sagt er. Jetzt kann er sich vorstellen, weiterzuspielen, möchte aber den Workshop erst einmal „auf sich wirken lassen“. Blindentennis sei anstrengend, aber gut, lautet sein Fazit.

Aus Istanbul ist Bekir Besen (45) für den Workshop angereist. Erste Erfahrungen mit Blindentennis hat er während eines Workshops in Italien gesammelt. Als Vertreter der noch jungen „International Blind Tennis Association“ möchte er Blindentennis in der Türkei einführen. Auch dort ist die Sportart bisher unbekannt.

Völlig neu ist Blindentennis für Christine Baden (57). Gerne würde sie in Braunschweig, wo sie wohnt, weiterspielen, wenn sich ein Trainer findet. Schwierig am Blindentennis sei, dass man laufen müsse, um den Ball zu bekommen, sagt sie. Dennoch ist es für Christine „eine tolle Sache“. Vor allem, weil man keine Gruppe braucht, sondern im Notfall auch zu zweit loslegen kann.

Wie sie sind auch viele andere Workshop-Teilnehmer begeistert von der Sportart. „Ich bin richtig euphorisch“, meint ein Mann am Ende des Tages.


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