Aus der Zukunft lernen

Wie werden wir in der Stadt der Zukunft leben? Diese Frage beschäftigt seit jeher Autoren, Filmemacher und bildende Künstler. Ihre Arbeiten sind teils als Ideale zu verstehen, teils als Warnungen. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat sich in einer Studie mit Stadtvisionen beschäftigt.
Fünf Beispiele daraus.

 

Text  Saskia Kaufhold

© The estate of Absalon

Modell von Absalon • 1992–1993

CELLULES

Wohnungsmangel ist in urbanen Räumen zum Problem geworden. Der israelische Künstler Absalon entwarf schon vor über 20 Jahren Zellen (Cellules): blendend weiße, modellhafte Wohneinheiten, kaum mehr als neun Quadratmeter groß. Sie sollten auf zentralen Plätzen in Großstädten aufgestellt und bewohnt werden. Der Bewohner wäre nach Absalons Überzeugung mitten im Leben: Er würde Privates öffentlich in Szene setzen. Wie es sich in den spartanischen Zellen tatsächlich lebt, hat bisher niemand getestet. Es blieb beim Modell.


New-Babylon-Utopie

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele historische Bauten zerstört – oder man riss sie ab, um Altes hinter sich zu lassen. Es war Zeit für neue Visionen. Der niederländische Maler und Bildhauer Constant entwarf über mehrere Jahre hinweg das Modell einer Stadt, die sich über die gesamte Erdoberfläche erstreckt, deren Bewohner ständig in Bewegung sind und keinen festen Wohnsitz haben. Der Bezug zur Heimat, das Verwurzelt-sein haben in diesem Modell eines lebendigen Beziehungsnetzes keine Bedeutung.

© Tom Haartsen für Fondation Constant

Projekt von Constant • 1959–1974


© Generali Foundation

Objekt von Walter Pichler • 1967

TV-Helm

Schützt dieser Helm? Kann ich noch sehen, wem oder was ich begegne? Walter Pichlers „tragbares Wohn-zimmer“ steht für Isolation durch Medienkonsum: Er kapselt den Träger völlig ab, Medien können zu jeder Zeit und an jedem Ort konsumiert werden. Somit kann das Objekt auch als Vorreiter von Smartphones und Smartglasses eingeordnet werden. Walter Pichler stieß mit dem TV-Helm eine Diskussion an, die in den 1990er-Jahren zur Frage führte: Brauchen wir überhaupt noch öffentliche Räume, wenn wir uns immer mehr in Medien zurückziehen?


Logan’s Run

Im 23. Jahrhundert steuert ein allmächtiges Computersystem die Existenz der Menschen. Sie leben in einer Stadt unter der Erde, die von einer Glaskuppel umgeben ist, und führen dort ein vergnügungsorientiertes Singleleben. Im Alter von 30 Jahren werden sie allerdings vom System „erneuert“, also durch Neugeborene ersetzt, um das Bevölkerungswachstum zu verhindern. Außerhalb der Kuppel liegt die „Zuflucht“, das vergessene Gebiet auf der Erdoberfläche, wo sich die Natur ungehindert ausbreiten konnte. Die letzten dort verbliebenen Menschen leben und altern wie früher.

© Alamy Stock Photo

Film von Michael Anderson • 1976


© VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Titelbild der ersten Ausgabe des literarischen Werks von Thomas Morus • 1516

Utopia

Der englische Staatsmann Thomas Morus beschrieb die gesellschaftliche Ordnung eines erfundenen Inselreichs namens Utopia. Sie ist geprägt vom Gleichheits- und Gemeinschaftsgedanken. Privatbesitz gibt es nicht, Bildung ist allen zugänglich und die Macht liegt in den Händen des Volks. Eine Werbung für Aufklärung und Demokratie, lange vor der Französischen Revolution, und ein Gegenentwurf zum England zur Zeit von Morus. Das Werk gab dem Genre der literarischen Utopie seinen Namen.


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