Städte im Aufbruch

Die Vereinten Nationen (UN) haben sich im Oktober 2016 in Ecuador getroffen, um über die Zukunft der Städte nachzudenken. Die UN ist eine Organisation, die sich für Frieden, Menschenrechte und eine gerechtere Welt einsetzt. 193 Länder aus aller Welt sind Mitglieder der UN. Zum ersten Mal hat die UN das Thema Inklusion in eine UN-Abschluss-Erklärung geschrieben Inklusion bedeutet, dass alle Menschen überall dabei sein können.
 

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Text: Stefanie Wulff

Die UN-Abschluss-Erklärung soll eine Art Gebrauchsanleitung für Architekten, Politiker und Stadt-Planer sein. In der Erklärung stehen Regeln, wie man Städte baut. Zum Beispiel so, dass Menschen mit und ohne Behinderung, alte und junge Menschen gut zusammenleben können. Jeder Mensch soll ohne Barrieren machen können, was er will. Die UN-Abschluss-Erklärung hat den Namen „New Urban Agenda“. Das ist Englisch und bedeutet etwa „Neuer Plan für Städte“.

Auf der ganzen Welt verändern sich Städte sehr stark. Der Grund: Viele Menschen ziehen vom Land in die Städte. Heute ziehen viel mehr Menschen um, als früher. Manche ziehen um, weil sie einen Job an einem anderen Ort gefunden haben. Oder sie möchten näher beim Partner leben. Andere flüchten aus ihrer Heimat, weil dort Krieg oder Gewalt herrscht. Viele dieser Menschen ziehen vor allem in die Städte.  Schon jetzt lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. 2050 könnte es nach Schätzungen der Vereinten Nationen schon Zweidrittel der Menschheit sein. Damit steigt auch der Anteil der Städtebewohner mit Behinderung.

Da so viele Menschen in die Städte ziehen wollen, entstehen viele Probleme: zu wenig Wohnraum, zu teure Mieten, zu viel Verkehr, zu viele Abgase, zu viel Müll oder zu wenig Barrierefreiheit. Viele Stadt-Planer fragen sich, wie sie diese Probleme lösen können. Die UN hat schon 2015 einen Plan für die Zukunft geschrieben: Die Agenda 2030. Ein Ziel in dieser Agenda: Die Städte sollen inklusiv, sicher und nachhaltig sein. Das heißt, alle Menschen sollen überall dabei sein können. Und dass zum Beispiel Rohstoffe wie Holz, Wasser, Beton oder Zement nicht verschwendet werden sollen. Oder dass Baufirmen keine umwelt-schädlichen Rohstoffe benutzen. Nachhaltig bedeutet also, dass man so wenig wie möglich kaputt macht und dass man die Umwelt schützt.

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In den armen Vororten von Rio de Janeiro, Brasilien, ist es schwer sauberes Wasser zu bekommen. Auch Toiletten oder Badezimmer gibt es selten. Dieses Problem gibt es in vielen Entwicklungsländern. Wer zu wenig Essen, sauberes Wasser oder kein Geld für einen Arztbesuch hat, kann eine Behinderung bekommen. 80 Prozent der Menschen mit Behinderung leben in Entwicklungsländern.

Das Recht auf Stadt

In Ecuador wollten die Vereinten Nationen genauer entscheiden, wie Städte inklusiv, sicher und nachhaltig werden können. 40.000 Menschen kamen zu dieser Konferenz. Darunter waren Politiker, Stadtplaner, UN-Mitglieder und zum ersten Mal auch Bürgermeister aus aller Welt. Sie alle haben daran gearbeitet, die Anleitung zu schreiben, wie man bessere Städte bauen kann. Sie haben in die Abschluss-Erklärung auch das „Recht auf Stadt“ für alle Menschen geschrieben.

Die UN hat in der Abschluss-Erklärung (New Urban Agenda) auch öfters an Menschen mit Behinderung gedacht. Dafür haben Menschen gesorgt, die sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung einsetzen. In der Abschluss-Erklärung gibt es jetzt insgesamt 15 Paragrafen, wo Menschen mit Behinderung erwähnt werden. In einem Paragrafen steht sogar, dass die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung immer beachtet werden sollen.

„Ein großer Erfolg“, sagt Victor Pineda. Er ist einer der Menschen, die sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung einsetzen. Er freut sich sehr darüber, dass die „New Urban Agenda“ Vielfalt unterstützt. Vielfalt bedeutet hier, dass alle Menschen, egal wie verschieden sie sind, dazugehören. Die UN-Mitglieder haben die „New Urban Agenda“ unterschrieben. Damit haben sich die UN-Mitglieds-Länder verpflichtet, diese Regeln zu erfüllen: zum Beispiel Barrierefreiheit in Straßen, Parks, Bussen, Bahnen, beim Arzt oder im Krankenhaus. Auch Texte, Informationen und Technik müssen in Zukunft barrierefrei sein.

Doch das Leben der meisten Menschen mit Behinderung ist im Moment ganz anders. Es gibt weltweit rund eine Milliarde Menschen mit Behinderung. 80 Prozent davon leben in Entwicklungsländern. In Entwicklungsländern leben viele Menschen in schlechten Verhältnissen. Oft fehlt es dort an den wichtigsten Dingen zum Leben: Essen, frisches Wasser, Kleidung, Geld, Wohnraum, Toiletten. Das ist auch der Grund, warum so viele Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern leben. Bekommen die Menschen zu wenig zum Essen, haben kein frisches Wasser oder können sie nicht zum Arzt gehen, können Behinderungen entstehen. Oft ist es für Menschen mit Behinderung besonders schwierig zur Schule zu gehen oder einen Job zu finden. Aber auch in Industrieländern wie Deutschland fällt es Menschen mit Behinderung sehr schwer, einen Job zu finden. In Deutschland sind Menschen mit Behinderung viel öfter arm, als Menschen ohne Behinderung. Auch in Deutschland gibt es Barrieren beim Arzt, in den Schulen, in Bussen und Bahnen und bei der Jobsuche. Internationale Erklärungen, wie die Agenda 2030 oder die „New Urban Agenda“, ändern an diesen Problemen erst einmal wenig.

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In Mexiko-Stadt wohnen sehr viele Menschen, sehr nah beieinander. Wegen Fabrikgebäuden, Wohnhäusern und Straßen ist kaum Platz für Bäume oder Rasenflächen. Unbebaute Flächen in der Stadt werden jetzt zu Freizeit-Anlagen umfunktioniert. Das ist wichtig, denn jeder neue Baum oder Park bietet Entspannung für die Stadt-Bewohner.

Inklusion und Nachhaltigkeit gehören zusammen

Internationale Erklärungen sind trotzdem sehr wichtig. Gabriele Weigt vom Verein bezev (Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V.) sagt: „Wer nicht erwähnt wird, kann leichter vergessen werden.“ Der Verein bezev hat zusammen mit Vereinen und Gruppen aus aller Welt dafür gekämpft, dass Menschen mit Behinderung nicht vergessen werden. Die Vereinten Nationen haben dafür gesorgt, dass diese Vereine und Gruppen ihre Forderungen vortragen konnten. „Das war nicht so leicht, aber wir haben die Möglichkeiten genutzt“, sagt Weigt. Inklusion und nachhaltige Planung in den Städten gehören zusammen, sagt sie. Die UN-Behindertenrechtskonvention von 2008 und die New Urban Agenda sind sehr wichtige Verträge. Denn damit kann man den Politikern und der Gesellschaft Druck machen: „Deutschland hat diese Erklärungen unterschrieben. Jetzt stehen wir in der Pflicht, unsere Städte und Gemeinden nachhaltig und inklusiv zu bauen.“ Der Verein bezev reist deswegen durch Deutschland. Die Vereinsmitglieder wollen mit Politikern und Stadt-Planern über die Rechte von Menschen mit Behinderung sprechen.

Die UN-Abschluss-Erklärung (New Urban Agenda) ist eine wichtige Voraussetzung für die Planung von Städten. In den kommenden Jahren wird es darum gehen, das Ziel in die Tat umzusetzen: Eine inklusive Stadt für alle.

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