Besser gemeinschaftlich wohnen

Gemeinsam ist man weniger allein. Das gilt auch fürs Wohnen. Wer sich mit anderen die Miete teilt, spart nicht nur Geld, sondern lebt vielleicht auch glücklicher. Modelle gibt es viele.
 

Text: Stefanie Wulff
Illustrationen: Gabrielle Seemann

Wohngemeinschaften

Schon Sherlock Holmes und Dr. Watson taten es: Sie teilten sich eine Wohnung, obwohl sie nicht miteinander verwandt waren. Ein eigenes Zimmer, gemeinschaftliche Nutzung von Bad, Küche und Gemeinschaftsräumen: Was spätestens seit den 1970er-Jahren bei Studenten beliebt ist – da günstig und zweckmäßig –, liegt inzwischen bei ganz unterschiedlichen Personengruppen im Trend. Von „Plus-WGs“ zwischen älteren Menschen, die selbstständig und ohne externe Hilfe zusammenleben, über inklusive Wohngemeinschaften, in denen es Mitbewohner mit und ohne Behinderung gibt, bis zu „Pflege-WGs“, in denen Pflegebedürftige familiär zusammenwohnen und von externen Pflegekräften versorgt werden. Auch viele Pendler, die am Wochenende zurück nach Hause fahren, schätzen die Vorteile eines WG-Zimmers. Neben finanziellen Gründen ist für das Ja zur WG meist das Leben in der Gemeinschaft ausschlaggebend.

Mehrgenerationenwohnen

Heute ist es selten geworden, dass mehrere Generationen einer Familie gemeinsam unter einem Dach wohnen. Aber das Interesse daran steigt wieder. Das belegt die wachsende Zahl an generationsübergreifenden Wohnprojekten. Mehrgenerationenhäuser kommen diesem Trend entgegen. Hier leben Senioren zusammen mit Familien und Kindern, mit Singles, verheirateten und unverheirateten Paaren. Zwar hat jeder in seiner eigenen Wohnung die nötige Privatsphäre. Ziel ist aber, sich gemeinsam zu organisieren und gegenseitig zu helfen. Ein Beispiel für ein solches Projekt, das gleichzeitig inklusiv und nachhaltig gestaltet ist, ist die Amaryllis eG in Bonn.

Selbstverwaltete Häuser

Nach Angaben des Mietshäuser-Syndikats gibt es bundesweit rund 120 selbstverwaltete Hausprojekte. Meistens versuchen örtliche Initiativen, leer stehende Häuser oder vermietete Objekte, die verkauft werden sollen, zu erwerben und gemeinschaftlich zu finanzieren. Neben dem politischen Statement gegen Immobilienspekulation geht es ums kreative Zusammenleben im eigenen Haus. Häufig gehören auch Räume für öffentliche Veranstaltungen, Kultur und Projekte zu einem selbstverwalteten Haus dazu. Das Mietshäuser-Syndikat berät und unterstützt solche Projekte seit 1992. Bis 2017 konnte sich das Syndikat nach eigenen Angaben an Wohnprojekten mit über 2.800 Bewohnern beteiligen. Das kleinste Objekt ist ein Einfamilienhaus für sechs Personen, das größte sind vier Gebäude einer ehemaligen Kaserne mit 260 Bewohnern aller Altersstufen.

Hilfe gegen Wohnraum

Ein Beispiel für diese Idee ist der Duisburger Verein „Tausche Bildung für Wohnen e. V.“ Er stellt im Stadtteil Marxloh kostenlosen Wohnraum für junge Bildungspaten zur Verfügung. Diese kümmern sich im Gegenzug intensiv um benachteiligte Kinder des Stadtteils. Aber nicht nur für Bildung, auch als Gegenleistung für Haushaltshilfe, Gartenpflege, Einkäufe, gemeinsame Spaziergänge und vieles mehr bieten manche Wohnungs- oder Hausbewohner kostenlosen oder günstigen Wohnraum an. In der Regel gilt die Faustregel: Pro Quadratmeter Wohnraum leistet der „Mieter“ eine Stunde Hilfe pro Monat. Stimmt die Chemie, ist das eine klassische Win-win-Situation – nicht nur für Studenten mit wenig Geld. 


Das könnte Sie auch interessieren

Hallo, Nachbar!

Fünf soziale Vernetzungs-Projekte zeigen, wie Bürger mit und ohne Behinderung auf unterschiedliche Weise ihr Lebensumfeld gestalten.

Gemeinsam aktiv werden
Städte im Aufbruch

Wie können sich Städte nachhaltig und inklusiv entwickeln, statt nur notdürftig Symptome zu bekämpfen? Die New Urban Agenda zeigt ihnen Wege auf.

globale Entwicklungen

Raus in die Metropole

Umzug vom Hochschwarzwald in eine rheinische Metropole ins betreute Wohnen. Ein Paar erzählt von seinem gelungenen Neustart.

Ein verwirklichter Traum

Was du tun kannst

Gutes tun und gewinnen

Mit einem Los der Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen