Kaffeemekka Zollernalb

Kaffeetrinker in Deutschland werden immer anspruchsvoller. Diesen Trend macht sich die Lebenshilfe Zollernalb zunutze. Und ist mit einer eigenen Rösterei auf Erfolgskurs.
 

Seine Produkte vertreibt das Kaffeewerk Zollernalb auch online:
www.kaffeewerk-zollernalb.de

Text:  Samanta Siegfried
Fotos:  Éric Vazzoler

 

Salvatore Sicilia mag Kaffee und kennt sich mit der Röstung bestens aus.

Montagvormittag in der Rösterei des Kaffeewerks Zollernalb. Der Röster brummt und rasselt, eine massive Trommel aus Stahl. Ein würziger Duft steht im Raum: weniger Kaffeearoma, mehr geröstetes Brot. Wer jetzt die Ohren spitzt, kann die Bohnen leise knacken hören. Für den Röstmeister das entscheidende Geräusch. Salvatore Sicilia, 25, dichtes schwarzes Haar, zieht ein kleines Glasröhrchen mit braunen Bohnen aus der Trommel, inspiziert sie mit geschultem Blick. „Die sind fast gut.“ Er wartet kurz, dann öffnet er die Luke. „Man muss immer die Zeit im Blick haben“, erklärt er, während die Bohnen in das Kühlsieb prasseln.

Die Kaffeequalität muss stimmen

„Rösten ist ein komplexer Vorgang“, sagt Holger Klein, Geschäftsführer der Lebenshilfe Zollernalb. „Konzentration und Gefühl sind gleichermaßen gefragt.“ Ein Röstvorgang dauert je nach Sorte zwischen 15 und 20 Minuten bei einer Temperatur von rund 200 Grad. Zum Vergleich: Eine industrielle Röstung dauert drei bis fünf Minuten bei etwa 800 Grad. „Da können sich die Aromen nicht entfalten“, so Klein. Bis zu 800 Geschmacksnuancen verstecken sich in einer Bohne, Sekunden in der Trommel können über die Qualität der Röstung entscheiden. Rund drei Tonnen Bohnen rösten Salvatore Sicilia und das Team pro Monat.

Holger Klein gründete die Rösterei 2009.

Mit dem Kaffeewerk folgt die Lebenshilfe einem Trend: Das Bedürfnis nach Transparenz und Qualität beim Kaffeekonsum wächst, Kleinröstereien erleben einen Aufschwung – auch als integrative Arbeitsplätze. Um den Mitarbeitern eine möglichst große Vielfalt an Arbeitsmöglichkeiten zu bieten, gründete Klein 2009 das Kaffeewerk. Es liegt im Gewerbegebiet von Albstadt, auf halbem Weg zwischen Stuttgart und Bodensee. Die Mitarbeiter rösten den Kaffee nicht nur, sie schenken ihn auch aus. Hohe Fenster lassen viel Licht in den modernen Gastraum, man sitzt an massiven Holztischen. Fast die komplette Einrichtung wurde in den Werkstätten der Lebenshilfe hergestellt: Korblampen, Pflanzenkübel, selbst das Vordach aus Glas. „Bei uns werden nicht nur einfache Produkte hergestellt“, sagt Klein. „Wir wollen zeigen, dass Menschen mit Behinderung komplexe Qualitätsprodukte herstellen können.“ Das Kaffeewerk unterliegt den strengen Qualitätskontrollen der Deutschen Röstergilde. Und denen der Kundschaft: Durch eine Glasscheibe können die Gäste des Cafés direkt in die Rösterei blicken. Salvatore Sicilia röstet den Kaffee, seine Kollegen mahlen ihn und bereiten ihn für den Verkauf vor.

Exzellente Qualität ist im Kaffeewerk selbstverständlich. Der Betrieb unterliegt den Richtlinien der Deutschen Röstergilde.

In der GenießBAR

Der Duft der frisch gemahlenen Bohnen erfüllt den Raum. Die Lebenshilfe Zollernalb beliefert Restaurants, Hotels, Supermärkte und die genießBAR der Lebenshilfe im Zentrum von Balingen. Das gemütliche Café in der ehemaligen Rathausstube eröffnete 2011. Im Service arbeiten auch Menschen mit Beeinträchtigung. In einer deutschen Fußgängerzone ist das eine Seltenheit. „Wir kommen vor allem wegen der freundlichen Bedienung hierher“, sagen drei Stammgäste, die an einem Holztisch vor dem grünen Kachelofen sitzen. Das freut Geschäftsführer Holger Klein. „Hier können sich die Gäste davon überzeugen, was unsere Mitarbeiter alles leisten“, sagt er. „Es gibt keine bessere Werbung für unsere Arbeit als dieses Café.“


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