TOUCHDOWN in Bonn

Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland präsentiert die erste umfassende Ausstellung über die Kulturgeschichte des Downsyndroms.
 

Hanna Witte

Menschen mit Downsyndrom erzählen in TOUCHDOWN ihre Geschichte. Unser Bild zeigt Ohrenkuss-Autor Ansgar Peters beim Besuch einer anderen Kunstausstellung.

Text: Sascha Stienen

Am 29. Oktober 2016 landet in der Bonner Bundeskunsthalle ein Raumschiff mit einer fremden Intelligenz. Die Crew der „Second Mission“ begibt sich in der Ostgalerie des Museums auf eine Forschungsreise durch die Geschichte des Downsyndroms – beginnend bei den Spuren der ersten Siedler mit Downsyndrom vor vielen Hundert Jahren. Die sieben Raumfahrer und ein Hund nehmen die Besucher mit durch die einzigartige Ausstellung TOUCHDOWN.

Martin Langhorst

Johanna von Schönfeld bei einem  Fotoshoot der  Ohrenkuss-Redaktion.

Es sind coole Comicfiguren aus der Feder des Zeichners Vincent Burmeister. Bis zum 12. März 2017 ist die 470 Quadratmeter große Schau zu sehen. In sieben Räumen folgen die Zuschauer den Raumfahrern durch Vergangenheit und Gegenwart von Menschen mit Downsyndrom. Gemeinsam reisen sie ins frühe Mittelalter und in die Zeit des englischen Arztes Dr. John Langdon Down (1828–1896), nach dem das Downsyndrom benannt ist.

Die Besucher der Ausstellung erleben auch die furchtbare Auslöschung von Menschen mit Behinderung durch Euthanasie zur Zeit des Nationalsozialismus. Sie erfahren, was die Wissenschaft über Menschen mit Trisomie 21 bis heute herausgefunden hat. Vor allem erfahren sie, wie Menschen mit und ohne Downsyndrom miteinander lebten, leben und in Zukunft leben wollen. Die Ausstellung endet in einem Dialograum, in dem die Crew der „Second Mission“ auf die heutige Generation der Menschen mit Downsyndrom trifft.

Ausstellungsleiterin Henriette Pleiger erläutert, dass TOUCHDOWN eine kulturhistorische Ausstellung ist: „Wir haben Kunstwerke von Menschen mit Downsyndrom ausgewählt, die klare und selbstbewusste Statements innerhalb der Geschichte zum Ausdruck bringen.“ So gibt es viele schriftliche Äußerungen, aber auch Arbeiten wie die der amerikanischen Künstlerin Judith Scott (1943–2005) oder der Künstler des belgischen Ateliers La „S“. Zeichnungen, Landkarten, Fotos, Skulpturen und Arrangements machen die Welt von Menschen mit Downsyndrom erfahrbar. Alles, was man in der Ausstellung lesen kann, wird in klarer Sprache präsentiert.

Sandra Stein

Ohrenkuss-Autoren bereiten die Ausstellung vor.

Mitarbeiter mit Downsyndrom

An der Vorbereitung der Ausstellung waren – unter der Leitung der Ausstellungskuratorin Katja de Bragança – viele Mitarbeiter mit Downsyndrom beteiligt, darunter auch Autoren des Bonner Magazins „Ohrenkuss ... da rein, da raus“. Anna-Lisa Plettenberg und Julia Bertmann etwa waren als „Expertinnen in eigener Sache“ ein sehr wichtiger Teil des Teams.

Dreimal in der Woche führen Menschen mit und ohne Downsyndrom als Tandems durch die Ausstellung. „So etwas hat es noch nicht gegeben“, sagt Henriette Pleiger. Ein Rahmenprogramm begleitet die Schau, am Eröffnungswochenende treten das Berliner Theater „RambaZamba“ und die Hip-Hop-Band „The Choolers“ auf.

Die Ausstellung ist angebunden an das partizipative Forschungsprojekt TOUCHDOWN 21. Auf dem Portal www.touchdown21.info berichten Menschen mit Downsyndrom über ihren Alltag. Die Seite macht in klarer Sprache Informationen über Forschung, Genetik und Geschichte des Downsyndroms für jedermann zugänglich. Der neueste Bereich der Website ist der „Globus“ – eine Weltkarte, auf der hervorgehobene Landmarken für besondere Geschichten von Menschen mit Downsyndrom stehen. Zum Beispiel führen Markierungen zu einer Studienabsolventin in Südafrika und zu einem 18-jährigen Amerikaner, der soeben seinen Führerschein bestanden hat. So widerlegen die Globus-Geschichten eine ganze Reihe von Vorurteilen über Menschen mit Downsyndrom. Sie können nämlich sehr wohl studieren, einen Führerschein machen, Fahrrad fahren, heiraten – und eine Ausstellung für die Bundeskunsthalle gestalten.


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