Bitte einmal in die Luft gehen

Leichter gesagt als getan wenn man eine starke Behinderung hat. Die Bestimmungen der Fluggesellschaften und auch die Flughäfen sind alles andere als behindertengerecht. Tipps, wie man dennoch in die Luft kommt, hat Oliver Tolmein zusammengestellt.

Fluzeugflügel im Abendhimmel Petra Schneider / Pixelio, Aktion Mensch

Menschen mit Behinderungen, die Flugzeuge nutzen wollen, sollten ihre Reise gut vorbereiten. Vor allem ist es wichtig, ab dem Buchungszeitpunkt die eigenen Erfordernisse gegenüber dem Reisebüro (oder im Onlineportal) und der Fluglinie ausdrücklich und schriftlich (nachweisbar) zu benennen und eine (schriftliche) Zusage zu verlangen, dass auch zur Verfügung gestellt wird, was nötig ist.

Die deutschsprachigen Webseiten von Fluglinien wie Lufthansa, Air Berlin, KLM und Ryanair oder auch von Flugportalen wie Opodo oder billigflug.de sind allesamt nicht barrierefrei. Seiten in Leichter Sprache oder Informationen in Gebärdensprache gibt es gar nicht. Auch für Sehbehinderte und Menschen mit Bewegungseinschränkungen bereitet die Navigation auf den Seiten Probleme.

Selbst die Checkliste der Lufthansa für „Fluggäste mit eingeschränkter Mobilität“ ist leider nicht barrierefrei. Sie enthält aber wichtige Hinweise: Was erwarten Fluglinien von Passagieren mit Behinderungen und was bieten sie ihnen? Unter anderem finden sich darin Informationen zu den Themen Assistenzhunde, Elektrorollstühle im Flugzeug und Begleitpersonen.

Allerdings versuchen die Fluglinien – auch die Lufthansa – ihre Pflichten möglichst kleinzureden. Deswegen ist es sinnvoll, sich auch woanders umzuschauen.

Eine alternative Checkliste gibt es im Blog „Recht auf Klo“, die allerdings speziell auf die Rechte von Rollstuhlnutzerinnen und Rollstuhlnutzer zugeschnitten ist: www.rechtaufklo.de/fliegen-mit-rollstuhl.

Besondere Schwierigkeiten haben Menschen mit Behinderungen, die während eines Fluges mit medizinischem Sauerstoff versorgt werden müssen. Ratschläge dazu gibt es (in englischer Sprache) auf der Seite der Europäischen Föderation der Patientenvereinigungen für Allergien und Atemwegserkrankungen EFA und in dem von der EFA herausgegebenen Buch Enabling Air Travel with Oxygen in Europe aus dem Jahr 2013. Wichtige Informationen zu dem Thema in Kürze und auf Deutsch finden sich in einem Artikel des „Aerotelegraph“.

Probleme bekommen Menschen mit psychischen oder geistigen Beeinträchtigungen wenn sie ohne Begleitperson fliegen wollen. Auch Rollstuhlnutzer, die in ihrem eigenen Rolli bis zum Flugzeug kommen wollen, stoßen auf wenig Unterstützung. Ebenso ergeht es Menschen, die Informationen in Gebärdensprache benötigen oder die akustische Signale oder Brailleschrift-Hinweise benötigen. Ein dauerhaftes Streitthema ist auch die Bereitstellung von Bordrollstühlen auf Kurz- und Mittelstrecken.

Welche Unterstützung es im Flughafen selbst gibt, erfahren Sie auf den Seiten der Flughäfen. Auch die sind in der Regel leider nicht barrierefrei. Aber Sie finden meist das Stichwort „Barrierefreies Reisen“ mit hilfreichen Informationen.

Im Zweifelsfall sollte man sich individuell rechtlich beraten lassen von Experten, die sich mit Luftverkehrsrecht und Behinderung auskennen.

Das sind zum Beispiel:

  • Tourismus für Alle Deutschland e.V. (der von zehn großen Mitgliedsverbänden getragen wird)
  • Mobility International USA (für internationale Flüge, insbesondere mit USA-Bezug, auf Englisch)
  • Informationen gibt es auch beim Luftfahrt-Bundesamt, das auch die nationale Beschwerdestelle für Vorkommnisse an deutschen Flughäfen, bei deutschen Luftfahrtunternehmen oder bei nicht europäischen Airlines ist, die von Deutschland abfliegen. Allerdings können Sie hier keine eingehende individuelle Beratung erhalten. Es gibt aber eine Auskunftsstelle (besetzt von Montag bis Donnerstag von 10 bis 13 Uhr).
  • Wenn Sie sich wegen Ihrer Behinderung bei der Buchung oder Durchführung eines Fluges benachteiligt fühlen, können Sie sich auch an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden.

Wenn Sie Ihre Rechte, zum Beispiel auf einen Bordrollstuhl, im Vorfeld einer Flugreise sicherstellen möchten und die Fluglinie sich sträubt, kann es sinnvoll sein, über eine einstweilige Verfügung eine gerichtliche Entscheidung zu erwirken. Das ist allerdings rechtlich kompliziert und schwierig. Hierfür sollte man sich eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt suchen, die im Bereich Behinderung und Fluggastrechte Erfahrung hat.

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

MENSCHEN. das magazin

Autoren MENSCHEN. das magazin im ZDF

Noch kein
Geschenk?