„Teilhabe im Sport ist ein Menschenrecht“

Wer trotz Behinderung Sport treiben möchte, stößt oft an finanzielle Grenzen. Denn spezielle Sportgeräte werden selten finanziert. Ein Bundesteilhabegesetz könnte das ändern, meint Rechtsexperte Dr. Oliver Tolmein.

Paragraphenzeichen

Kommen sie mit Goldmedaillen behängt von internationalen Wettkämpfen nach Hause, werden mittlerweile auch die Sportlerinnen und Sportler, die nicht sehen können, im Rollstuhl sitzen oder geistige Behinderungen haben, gefeiert. Den Aktiven des Behindertenbreitensports hilft das wenig: Benötigen sie Sportprothesen, Spezialrollstühle oder können sie hohe Fahrtkosten nur mit Mühe tragen, werden sie weitgehend alleingelassen. Die beachtlichen Kosten der Versorgung mit den erforderlichen Hilfsmitteln trägt nämlich meistens oft niemand.

Grundsätzlich sind für Hilfsmittel zwar die gesetzlichen Krankenkassen zuständig. Die müssen aber nur bezahlen, wenn es um allgemeine Grundbedürfnisse des täglichen Lebens geht. Das Bundessozialgericht zählt dazu: „Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen, Greifen, Sehen, Hören“ – und noch ein bisschen mehr, wie das Erschließen eines „gewissen körperlichen und geistigen Freiraums.“ Wird sonst allenthalben beklagt, dass sich die Menschen zu wenig bewegen, gilt das für Menschen mit Behinderungen offensichtlich nicht. Die Krankenkassen haben „die Versicherten so auszustatten, dass sie sich nach Möglichkeit in der eigenen Wohnung bewegen und sie Wohnung verlassen können, um bei einem kurzen Spaziergang „an die frische Luft zu kommen“, meinen die obersten Sozialrichter der Republik. Und wenn sie mehr Bewegung wollen, sich aber den Rollstuhl für ein paar tausend Euro und sich die auch nicht preiswertere Laufprothese nicht leisten können, bleibt allenfalls die Sozialhilfe. Dafür aber sind viele, vor allem junge Menschen, die noch bei ihren Familien leben, nicht bedürftig genug. Also müssen sie wegen ihrer Behinderung darauf verzichten, Badminton, Basketball oder Eishockey zu spielen, Ski oder 400 Meter zu laufen. Oder sie müssen Spenden sammeln.

Letzten Endes ist daher zu hoffen, dass sich die Gesetze ändern. Die Möglichkeit, Sport zu treiben, ist nämlich ein wichtiger Aspekt der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und damit ein Menschenrecht. So sieht es auch Artikel 30 der UN-Behindertenrechtskonvention, die in Deutschland längst Gesetz geworden ist. Die wohl beste Lösung, dem Taten und einen konkreten gesetzlichen Anspruch folgen zu lassen, wäre ein Bundesteilhabegesetz zu schaffen, das allen Menschen mit Behinderungen Teilhabemöglichkeiten sichert, nicht nur denen, die Anspruch auf Sozialhilfe haben.


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