Macht das Recht glücklich?

Das Rechtswesen baut auf Sachlichkeit. Ein Recht auf Glück ist nirgends verankert. So bleibt es häufig bei dem, was man Schadenersatz nennt.

Paragraphenzeichen

Viele Menschen, die in modernen Gesellschaften leben, wünschen sich Erfolg. Und sie glauben an Kontrolle. Ob es um eine ärztliche Behandlung geht oder um die Reparatur eines Autos: Man möchte, dass es gelingt. Grundlage unseres Zusammenlebens sind deswegen Verträge. Jeder kann regeln und festlegen, was und wie er etwas möchte. Das Fahrrad soll strahlend blau schimmern, im Urlaub möchte man ein Zimmer mit Blick zur Sonnenseite. Das lange geplante Kind wünscht man sich ohne Beeinträchtigung – und beschäftigt dafür Humangenetiker, Reproduktionsmedizinerinnen und Gynäkologen.

Ob die Erfüllung der Verträge glücklich macht, ist freilich keine Frage, mit der sich das Recht befasst. Seine Institutionen werden aber bemüht, wenn es zu Störungen kommt, wenn Unvorhergesehenes geschieht. Wird der Vertrag nicht erfüllt oder macht eine der Parteien Fehler und schadet damit anderen, hat das Recht eine einfache Antwort parat: Schadenersatz wird fällig. Doch Geld allein macht nicht glücklich. Der Schmerz beim Unfalltod eines geliebten Menschen wird kaum geringer, wenn der Schädiger die Beerdigungskosten trägt. Überlebende des Conterganskandals können die ihnen durch Gesetz zugesprochene Rente zwar gut gebrauchen. Die Wut darüber, wie sich das Pharmaunternehmen Grünenthal lange Zeit aus der Verantwortung gestohlen hat, verfliegt deswegen nicht.

Reue oder Mitgefühl können den Betroffenen häufig helfen, mit dem Verlust oder der Verletzung zu leben. Erzwingen kann das Recht sie nicht. Recht kann und soll Konflikte zwischen Einzelnen, zwischen Staat und Individuum, zwischen verschiedenen Gruppen regeln. Formale Herangehensweisen und Pragmatismus prägen die Auseinandersetzung. Emotionen sollen außen vor bleiben.

Wer im Recht das Glück sucht, wird selbst in der Erklärung der Menschenrechte nicht fündig. Immerhin nennt die Präambel der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 „das Bestreben nach Glückseligkeit“ als unveräußerliches Menschenrecht. Im internationalen Recht findet sich die UN-Resolution A/RES/66/281, die den 20. März jeden Jahres zum „Tag des Glücks“ erklärt. Das Schweizer Künstlerduo Fischli/Weiss verfolgt deswegen einen anderen, 100 Prozent rechtsfernen Ansatz und fragt so erwartungsvoll wie genügsam: „Findet mich das Glück?“


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