„Ich will zeigen, was die Menschen ertragen müssen“

Seine Recherchereisen führen Till Mayer regelmäßig zu Menschen mit Behinderung aus aller Welt, die Tag für Tag mit den Folgen von Krieg und Vertreibung zu kämpfen haben. Im Interview verrät er, was ihn antreibt.
 

Till Mayer

Wie sind Sie dazu gekommen, solche Reisen zu unternehmen?

Meine erste Reportage über einen Konflikt habe ich 1993 geschrieben. Ich bin damals auf einen Hilfsgütertransport nach Mostar "aufgesprungen". Danach hat mich das Thema "Krieg und seine Folgen" nicht mehr losgelassen. Mittlerweile habe ich aus fast 20 Konflikt- und Krisengebieten berichtet. Ich will zeigen, was die Menschen vor Ort ertragen müssen. Frieden bleibt immer eine zarte Pflanze, die man schützen muss.

 

Was ist Ihnen wichtig, wenn Sie ein Interview führen?

Ich sehe es immer auch als eine Art Auszeichnung, als Geschenk, wenn mir jemand seine Geschichte erzählt. Für meine Gesprächspartner ist das ja wahnsinnig schwer, weil sie beim Erzählen alles Leid noch einmal durchleben.  Dazu müssen Sie mir absolut vertrauen. Sie müssen von am Anfang an spüren, dass ich sie respektiere, dass ich mich für sie als Menschen interessiere, nicht nur für ihre Geschichte. Das habe ich im Lokaljournalismus gelernt: Schnell eine Vertrauensbasis herzustellen.

 

Wie schwer fällt es, nach einem Auslandseinsatz zum Arbeitsalltag in der Lokalredaktion zurück zu kehren?

Ich komme mittlerweile recht schnell wieder im Alltag an. Vorgestern bin ich aus der Ukraine zurückgekommen, gestern saß ich schon wieder am Schreibtisch.  Ich bin ein bodenständiger Mensch, ich brauche das Lokale dann auch, um wieder zur Ruhe zu kommen. Du musst in der Lage sein, nach einem Einsatz die Tür hinter dir zuzumachen und dein Leben weiter zu leben. Sonst gehst du kaputt.

Till Mayer

Impressionen aus Gaza

Mehr als 20 Jahre Berichterstattung aus Kriegs- und Krisengebieten - wie verändert das einen Menschen?

Mit 20 war die Welt eher schwarz und weiß für mich, unterteilt in gut und böse. Mittlerweile weiß ich: Es gibt immer verschiedene Sichtweisen auf eine Sache, immer zwei Seiten. Ich habe gelernt, zuzuhören, wenn Menschen ihr Handeln und ihre Sichtweisen erklären. Meiner Meinung nach ist genau das ein verbreitetes Problem in der Medienwelt: Die Berichterstattung geht zu selten in die Tiefe, nach Ursachen und Gründen wird viel zu selten gefragt. Aber genau dort muss man ansetzen, wenn man Probleme lösen will. Aktuelles Beispiel: der mediale Umgang mit der Flüchtlingskrise.

 

Aus einigen Ihrer Geschichten sind Hilfsprojekte hervorgegangen, in denen Sie sich auch selbst ehrenamtlich engagieren. Macht Sie das stolz?

Es ist natürlich immer schön, wenn man etwas bewirkt, wenn man ein kleines Stückchen Welt verändert. Stolz bin ich zum Beispiel auf den Erfolg unseres Projekts für bedürftige Senioren in der Ukraine: Durch Spenden konnten schon Medikamente gekauft werden, die Menschen dort das Leben retten. Übrigens profitiere ich ja auch als Journalist von meiner ehrenamtlichen Arbeit: Ich lerne dabei Menschen und Geschichten kennen, auf die ich sonst nie gestoßen wäre. Spannende Geschichten erleben, bewundernswerte Menschen kennenlernen und dabei immer wieder helfen können - gibt es etwas Schöneres?


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