Drei gute Beispiele

Wir haben für Sie drei gute Beispiele für Studierende mit Behinderung zusammen gestellt: die Technische Universität Dortmund, die Universität Würzburg und die Universität Hamburg.
 

TU Dortmund/Roland Baege

Technische Universität Dortmund: Behinderung und chronische Erkrankungen
 

Schwerpunkt: Die Technische Universität (TU) Dortmund hat bereits in den 1970er-Jahren einen Beratungsdienst für Studierende mit Behinderung und chronischen Krankheiten eingerichtet. Von Anfang an ging es um die Planung des Studienverlaufs, Prüfungen, die Organisation von Assistenz, Lehrmaterialien und Nachteilsausgleich.

Konkret: Aus der Erkenntnis heraus, dass es weniger persönliche Probleme als strukturelle Hürden sind, die den Studienalltag schwer machen, wurde ein festes Angebot aufgebaut. So bietet das Zentrum für Hochschulbildung – Bereich Behinderung und Studium einen Umsetzungsdienst (UD) für Studienmaterialien. Der UD bereitet Textdokumente, Powerpoint-Präsentationen, PDFs und Videos barrierefrei auf, zum Beispiel durch Blindenschrift, Untertitel oder als digital zugängliche Datei. Aus einem Hilfsmittelpool können sich Studierende unter anderem eine Funkmikrofonanlage, eine Digitalkamera und einen Tafelkopierer ausleihen.

Ein Arbeitsraum ist mit PCs ausgestattet, die über Vergrößerungssoftware und/oder Sprachausgabe, Braillezeile und Screenreader sowie Spezialtastaturen und Software zur Spracheingabe und Sprachsteuerung des Computers verfügen. Außerdem stehen an einigen Arbeitsplätzen Bildschirmlesegeräte.

Trotz der vielen sichtbaren Hilfsmittel wäre es falsch zu vermuten, die TU Dortmund bemühe sich in besonderem Maß um Studierende mit Sinnesbehinderung. Denn einen Schwerpunkt einzurichten, würde der Idee von Inklusion widersprechen.

www.dobus.tu-dortmund.de

UHH/Schell

Universität Hamburg: Psychische Erkrankungen

Schwerpunkt: Die psychologische Beratung gehört an der Universität Hamburg schon sehr lange zu den festen Angeboten für Studierende. Seit einigen Jahren gibt es zudem ein spezielles Angebot für Studierende, die nach einer schweren psychischen Krise (und häufig auch stationärer Behandlung) praktische Unterstützung für die Rückkehr in den Studienalltag brauchen. „Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die wegen psychischer Probleme eine Weile im Job ausgefallen sind, gibt es die berufliche Rehabilitation. Wir fanden es wichtig, Studierenden in dieser Situation vergleichbare Hilfe bieten zu können“, begründet Anja Rieth. Die Psychologin leitet das Angebot HOPES (kurz für: Hilfe und Orientierung für psychisch erkrankte Studierende), das nicht die psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung ersetzt, sondern diese durch Einzelgespräche und durch Gruppentreffen ergänzt.

Konkret: In der Einzelberatung geht es darum, sich mit den nächsten Schritten auseinanderzusetzen, also um Fragen wie: Welche Ziele kann ich mir setzen? Was wird in der Lehrveranstaltung von mir erwartet? Wie organisiere ich mein Lernpensum? Außerdem gehört zur Beratung, die Studierenden über Möglichkeiten wie Nachteilsausgleich und BaföG-Verlängerung zu informieren. Bei Gruppentreffen werden Erfahrungen ausgetauscht. Auch mit den Lehrenden und der Verwaltung steht Rieth in Kontakt. „Ich ermutige Studierende und Hochschulangehörige: Man kann ein Studium trotz psychischer Erkrankung schaffen.“

www.uni-hamburg.de

Universität Würzburg

Universität Würzburg: Legasthenie-freundliche Hochschule

Schwerpunkt: Die Universität Würzburg wurde 2012 vom Bundesverband Legasthenie als „legasthenie-freundliche Hochschule“ ausgezeichnet. Die Würzburger nehmen viel Rücksicht auf die Bedürfnisse von Studierenden mit Lese-Rechtschreib-Schwäche.

Konkret: Die Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung (KIS) unterstützt Studierende mit Legasthenie oder Dyskalkulie dadurch, dass sie über Nachteilsausgleiche bei der Studienorganisation und in Prüfungen aufklärt und die Studierenden in Gesprächen mit Prüfungsamt beziehungsweise -ausschuss unterstützt. Oft geht es dabei um mehr Zeit für Hausarbeiten oder Klausuren, aber auch um individuelle Lösungen. Wenn beispielsweise ein Maschinenbaustudent einen Englischtest schreiben soll, könnte eine mündliche Prüfung die schriftliche ersetzen. „Bei solchen Fragen entscheiden wir im Einzelfall“, sagt ­Sandra Mölter, die KIS leitet.

Außerdem verlangt die Universität für die Anerkennung einer Legasthenie beziehungsweise Dyskalkulie kein aktuelles amtsärztliches Attest, es genügt die Bescheinigung aus der Schulzeit. Eine große Hilfe für Studierende mit Legasthenie ist eine spezielle Software zum Vorlesen von Texten, die sie dank einer Campus-Lizenz nutzen können.

Sandra Mölter liegt viel daran, Aufmerksamkeit für Studierende mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen zu schaffen. Zehn studentische KIS-Mitarbeiter stehen für die Assistenz, wie die Begleitung zu Vorlesungen und Mitschriften, und den Umsetzungsdienst bereit.

www.behindertenbeauftragter.uni-wuerzburg.de/kis


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