Der Test ist keine Entscheidungshilfe

Thomas Meyer

Dr. Wera Hofmann ist medizinisch-wissenschaftliche Leiterin der Firma LifeCodexx in Konstanz, die den PraenaTest in Deutschland vertreibt.

Der PraenaTest kann drei Chromosomenstörungen nachweisen: die Trisomien 21, 18 und 13. Man gewinnt dazu Blut aus der Armvene der Mutter, das bei uns im Labor aufgearbeitet wird. Das dauert etwa zwei Wochen. Sehen wir ein überzähliges Chromosom beim Kind, weist das mit einer Wahrscheinlichkeit von über 99 Prozent auf eine Trisomie hin. Das Ergebnis übermitteln wir dem Arzt, der das weitere Vorgehen mit der Mutter bespricht. Ein auffälliger PraenaTest muss unbedingt mit einer Fruchtwasseruntersuchung bestätigt werden, weil er in sehr seltenen Fällen auch falsch positiv sein kann – also eine Trisomie anzeigt, obwohl ein normaler Chromosomensatz vorliegt.

Der Test ist nicht für jede Frau sinnvoll. Wir empfehlen ihn zum Beispiel für Schwangere über 35 Jahre und solche, bei denen sich im Ersttrimester-Screening eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Trisomie ergeben hat. Er kann nicht bei Mehrlingsschwangerschaften eingesetzt werden und seltene Trisomie-Formen nicht nachweisen.

Ist der PraenaTest unauffällig, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Trisomie 21, 18 oder 13 vor. Es können aber viele andere Entwicklungsstörungen vorkommen, weshalb der weitere Schwangerschaftsverlauf ärztlich engmaschig begleitet werden sollte.

Ich kenne die Kritik, die am PraenaTest geübt wird. Wir haben sie intern ausgiebig diskutiert, allerdings erschließt sich uns nicht, warum der Test dafür ausschlaggebend sein soll, dass weniger Kinder mit Down-Syndrom zur Welt kommen. Es gibt ja bereits Methoden, um eine Trisomie 21 festzustellen. Wir bieten lediglich eine schonendere Behandlung der Mutter und des Ungeborenen an.

Die Hemmschwelle für eine Untersuchung wird durch den PraenaTest herabgesetzt, und das ist auch das Ziel: dass wir eine risikoarme Methode anbieten. Der Test ist aber keine Entscheidungshilfe für oder gegen die Fortsetzung einer Schwangerschaft.

Ich verstehe die Sorge, dass mit dem PraenaTest eines Tages auch alle möglichen anderen Veränderungen im Erbgut nachgewiesen werden könnten. Ich würde auf jeden Fall Grenzen ziehen und kann es auch als Wissenschaftlerin in keiner Weise vertreten, dass man versucht, alles zu entschlüsseln, erst recht nicht, um daraus Entscheidungen herzuleiten für eine schwangere Frau. In Deutschland gibt es da zum Glück eine strikte Begrenzung durch den Gesetzgeber.

Den PraenaTest zwangsläufig aus der allgemeinen Schwangerenvorsorge herauszuhalten, halte ich aber nicht für richtig. Bevor eine solche Untersuchung einem breiteren Personenkreis zugute kommen kann, muss sie sich jedoch als sehr zuverlässig erwiesen haben. Das würde voraussetzen, dass man diskutiert, inwiefern das eine Kassenleistung sein kann. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Einer schwangeren Freundin mit erhöhtem Risiko für eine Trisomie würde ich zum Test raten, wenn ich wüsste, dass es für sie wichtig ist, das abzuklären, weil sie Angst hat, mit dieser Lebenssituation nicht zurecht zu kommen. Eine schwangere Frau, die von sich aus weiß, dass sie mit jeder Situation leben kann und sich einfach freut, schwanger zu sein – die muss diesen Test nicht machen.


Die Lebenshilfe-Vertreterin

Das Hauptproblem ist, dass viele Frauen in den Strudel der Präimplantationsdiagnostik geraten, ohne eine bewusste Entscheidung dafür gefällt zu haben und über das Recht auf Nichtwissen aufgeklärt worden zu sein.

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Der Arzt

"Der PraenaTest sollte nur von Schwangeren mit hohem Risiko angewendet werden dürfen, die sonst auf eine Fruchtwasseruntersuchung angewiesen wären."

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Die Beraterin

"Die Hürde, einen PraenaTest zu machen, ist viel niedriger als bei einer Fruchtwasseruntersuchung. Ich fürchte, dass dadurch der Druck wächst, alle diagnostischen Mittel zu nutzen."

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