Hauptsache getestet?

Aller Wahrscheinlichkeit nach werden Bluttests wie der PaenaTest, mit denen sich früh und risikoarm genetische Veränderungen bei Embryonen nachweisen lassen, bald zu den Regelleistungen der Krankenkassen gehören. Fluch oder Segen? Als der Test 2012 in Deutschland auf den Markt kam, hat MENSCHEN. das magazin vier Fachleute und nach Ihrer Haltung zum PraenaTest befragt.


 

Text und Protokolle Sarah Schelp

Kaum ein Wunsch ist unter werdenden Eltern so verbreitet wie der, ein gesundes Kind zu bekommen. So ist die Pränataldiagnostik in einer Dynamik aus Angebot und Nachfrage längst Teil der Schwangerenvorsorge geworden, seit August 2012 erweitert um eine umstrittene Blutuntersuchung: den PraenaTest. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird dieser Test in absehbarer Zeit in den Leistungskatalog der gesetzlichen krankenkassen aufgenommen werden. Das Gremium, das darüber entscheidet, der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, bereitet derzeit eine Studie vor, die bei einem positivem Ergebnis - mit dem alle Experten rechnen - die Kasseneinführung des PraenaTests nach sich zieht. Wäre das der erste Schritt hin zu einer Gesellschaft ohne Menschen mit angeborener Behinderung?

Sehr begrüßenswert, sagen die einen über den Test, weil sich damit Fruchtwasseruntersuchungen vermeiden ließen, die zur Fehlgeburt führen können. Eine „Rasterfahndung" mit dem Ziel des Schwangerschaftsabbruchs, kritisieren die anderen, welche die genetische und informationelle Selbstbestimmung des Kindes schon gefährde, bevor es geboren worden sei.
Die Wellen schlagen hoch in einer ethischen Debatte, in der es auch um das Recht auf Nichtwissen geht, um Grenzsetzung in einer Zeit zunehmender Machbarkeit. Sie wird geführt im Spannungsfeld sich überschlagender Entwicklungen in der Humangenetik, mit denen der gesellschaftliche Diskurs schon lange nicht mehr Schritt halten kann.
„Umfänglicher und niederschwelliger" werde die Pränataldiagnostik durch den PraenaTest, gibt auch der Deutsche Ethikrat in seiner Stellungnahme zur Gendiagnostik vom April 2013 zu bedenken. Und empfiehlt, eine Testung nur bei erhöhtem Risiko für eine genetische Störung zu erlauben, verknüpft mit differenzierter Ultraschalldiagnostik und umfassender Beratung – damit werdende Eltern so genau wie möglich einschätzen könnten, wofür und wogegen sie sich entscheiden. Schließlich sei davon meist noch ein Dritter betroffen: das Ungeborene.

Die Pharma-Vertreterin

Dr. Wera Hofmann, LifeCodexx

"Die Hemmschwelle für eine Untersuchung wird durch den Test herabgesetzt, und das ist auch das Ziel: dass wir eine risikoarme Methode anbieten. Der Test ist aber keine Entscheidungshilfe für oder gegen die Fortsetzung einer Schwangerschaft."

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Die Lebenshilfe-Vertreterin

Prof. Jean Nicklas-Faust, Lebenshilfe Bundesverband

"Was ich bitter finde, ist, dass der Test sich mit dem Down-Syndrom zurzeit hauptsächlich auf eine Behinderung auswirkt, mit der sowohl diejenigen, die das Syndrom haben, als auch ihre Familien das Leben in der Regel als positiv wahrnehmen."

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Der Arzt

Dr. Andreas Hagen, Arzt in einem Zentrum für Pränataldiagnostik und Humangenetik in Berlin

"Der PraenaTest sollte nur von Schwangeren mit hohem Risiko angewendet werden dürfen, die sonst auf eine Fruchtwasseruntersuchung angewiesen wären. Außerdem sollte er nur mit obligatorischer Beratung vor und nach dem Test und nur von Praxen mit weitreichender Erfahrung in der Pränataldiagnostik durchgeführt werden."

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Die Beraterin

Christina Schirmer, Mutter eines Sohns mit Down-Syndrom und Schwangerschaftskonfliktberaterin

"Die Hürde, einen PraenaTest zu machen, ist viel niedriger als bei einer Fruchtwasseruntersuchung. Ich fürchte, dass unter dem Deckmäntelchen, die Eltern zu entlasten, der Druck wächst, alle diagnostischen Mittel zu nutzen und sich im Zweifel gegen eine Schwangerschaft zu entscheiden."

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