Nicht das Schicksal entscheidet

Rebecca Maskos

Rebecca Maskos

Die freie Journalistin mit Schwerpunkt Behinderung ist in der Behindertenbewegung und in Netzwerken der Disability Studies aktiv.
rebecca-maskos.net

Welche Auswirkungen hat die rasante technologische Entwicklung auf Ihr persönliches Leben?
Technik ist schon ein wichtiger Teil meines Lebens. Allen voran die Hörtechnik: Ich habe die sogenannte Glasknochenkrankheit, und dazu gehört oft auch eine hochgradige Schwerhörigkeit. Ich bin seit dem Alter von sechzehn Jahren schwerhörig und nutze stark verstärkende Hörgeräte, die mit digitaler Technik arbeiten. Die Geräte ermöglichen mir sehr vieles – ich habe bei den meisten Hörsituationen kaum Probleme. Ohne diese Technik und nur mit analogen Geräten versorgt, würde meine Hörbehinderung meinen Alltag wahrscheinlich stark beeinträchtigen. Denn dadurch, dass ich normal hörend aufgewachsen bin, bin ich nicht besonders gut im Lippenlesen. Gebärdensprache zu lernen, steht schon seit vielen Jahren bei mir auf der To-do-Liste, habe ich aber leider immer noch nicht geschafft.
Mein Leichtmetallrollstuhl ist mit modernen Technologien hergestellt worden, und auch mein Auto braucht viele technische Extras, um mir als kleinwüchsigem Menschen das Fahren zu ermöglichen. Und die Metallstäbe, die mir als Kind zur Stabilisierung in die Oberschenkelknochen eingesetzt wurden, machen aus mir fast einen Cyborg.

Wie wird sich unsere Gesellschaft Ihrer Meinung nach in absehbarer Zeit durch technischen und medizinischen Fortschritt verändern?
Technik und Medizin können Menschen zusätzliche Freiheitsgrade ermöglichen. Ich halte nicht viel von einer Ethik oder Religion, in der man „der Natur“ oder „Gott“ immer freien Lauf lassen soll. Eines der Dinge, das uns zu Menschen macht, ist ja, dass wir uns der Natur nicht unterwerfen müssen. Ich bin froh über jedes Antibiotikum, das Lungenentzündungen bei mir verhindert hat. Naturbeherrschung bedeutet jedoch auch, dass es nicht mehr das „Schicksal“ ist, dass unser Leben bestimmt, sondern wir selbst. Das kann auch ein Zuviel an Verantwortung bedeuten. Dadurch, dass technische und medizinische Fortschritte immer geknüpft sind an die jeweilige Gesellschaft, die sie hervorbringt, werden wir wahrscheinlich eine Zunahme an Eigenverantwortung und damit auch Druck auf die Einzelnen erleben. Dinge, die früher noch „einfach so“ passierten, könnten zu einer schwierigen, selbst verantworteten Lebensentscheidung werden. Beispiel „Eizell-Banking“ oder „Social Freezing“: Wenn Schwangerschaft und Familienplanung noch mehr als ohnehin schon an ökonomischen Kriterien von Verwertbarkeit weiblicher Arbeitskräfte ausgerichtet sind, werden diejenigen, die diese Techniken nicht nutzen können oder wollen, möglicherweise Nachteile haben und als Arbeitskräfte zweiter Klasse gelten.

Welche Erwartungen für die Verwirklichung von Inklusion – positive wie negative – knüpfen Sie an die weitere technologische Entwicklung?
Inklusion ist ein gesellschaftliches Konzept, in dem es darum geht, dass alle Menschen je nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten teilhaben können. Das heißt, Barrierefreiheit und Unterstützung sollten allen Menschen ermöglichen, dabei zu sein – egal, ob sie als behindert gelten oder vielleicht einfach nur als alt oder noch ganz jung. Barrieren gehen soziale Entscheidungen voraus – werden Treppen gebaut oder gibt es eine rollstuhlgerechte Lösung? Wie kommunizieren wir miteinander? Wie wirkt das Angebot visuell? Technik kann helfen, diese Barrieren abzubauen, zum Beispiel mithilfe von Fahrstühlen oder akustischen Signalen.
Diejenigen Techniken, die den Körper besser an die Umwelt anpassen – Prothesen, Cochlea-Implantate, Rollstühle –, sind alle wichtig, aber sie haben nichts mit Barrierefreiheit oder Inklusion zu tun. Das wird oft miteinander vermischt. Inklusion sollte eine gesellschaftliche Aufgabe bleiben und nicht zu einem individuell zu lösenden Auftrag an behinderte Menschen werden, ihren Körper zu verbessern. Technik kann wichtig sein, um mit Behinderung umzugehen – aber eine inklusive Technik ist nur eine, die soziale Barrieren abbaut.

Welche Erfindung würden Sie sich für die nächsten zehn Jahre wünschen und welche fürchten Sie?
Ich wünsche mir schon seit vielen Jahren den Beamer aus „Raumschiff Enterprise“! Mich überall materialisieren zu können, würde all meine Mobilitätsprobleme auf einen Schlag lösen. Daran sollten die Damen und Herren aus der Forschung doch mal arbeiten. Abgesehen davon: Es gibt schon vielversprechende Techniken, durch die sich Treppen in Rampen oder Außenlifte verwandeln lassen, und immer mehr Gebäude werden von vorneherein rollstuhlzugänglich gebaut. Leider ist das oft noch eine Geldfrage. Ich wünsche mir, dass Barrierefreiheit bald so wichtig und nachgefragt sein wird, dass sie zum ganz normalen kostengünstigen Standard wird.


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Torheit

Der Kapitalismus hat durchaus eine entwicklung gebracht Stößt aber an Grenzen und ist somit schnellstens Abzulösen mit einem anderen Wirtschaftsmodell z.b. das Bandbreitenmodell oder besser das Vollgeldmodell noch besser wäre das Kooperationsmodell Infomoney von prof. Franz Hörmann und viele andere Modelle die Teilweise sehr gut Überlegt sind. Der Mensch und das menschliche Maß (Kohr. Small is beautyful) als Zukunftsmodell. Der Kapitalismus Stellt Profit Rücksichtslos als erste Priorität an, das ist Menschenverachtend, diese Strucktur der Bürokratie und das damit verbundene übernommene durch dauermanipulation aufrechterhaltene Denken muss Scheitern wenn nicht durch ablösung dann durch Selbstzerstörung von alles und allem Lebendigen. Dieses System ist Frustrierend und so Altbacken es muss weg in den Müllhaufen der geschichte, das geht nur durch ein Umdenken mit Kooperation und Vernunft. Die Verblödung8Medien mainstream TV etc.) die immer weiter fortschreitet durch manipulation bedeutet Zerstörung alles lebendigen und das dürfen wir nicht Zulassen.
Nur Zusammen und im Menschlichen Maß also kleine einheiten von (Kompetenz geographisch Gemeinde Statdteile etc.). Das Wichtigste zum Schluß, Geldschöpfung muß in diesem Zusammenhang in Unabhängige Öffentliche Transparente und dem Gemeinwohl Verpflichtete Regionale Kontrolle. Als Lernvideo im youtube: Das Geheimnis von Oz. Doku- Deutsch, ein Film mit auszeichnung von Bill Still.

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