Was ist Autismus?

Die Medizinerin Christine Preißmann weiß seit ihrem 27. Lebensjahr, dass sie Asperger-Autistin ist. Seither will sie als Doppel-Expertin in der Öffentlichkeit über Autismus aufklären: „Den“ Autismus gibt es eigentlich nicht, sagt sie, sondern sehr viele Erscheinungsformen davon und jeder autistische Mensch zeigt unterschiedliche Besonderheiten - Schwierigkeiten wie auch Fähigkeiten. In der Regel, so Preismann, habe man es mit einer Kombination verschiedener Merkmale zu tun. Die häufigsten hat die Ärztin hier aufgelistet.

Menschen mit Asperger-Syndrom haben häufig das Gefühl, auf dem falschen Planeten gelandet zu sein. Dieses Gefühl hat die Autorin Daniela Schreiter auch als Comic verarbeitet. Auszüge finden Sie hier.

 

Text: Christine Preißmann

 

  • Kontakt- und Kommunikation: Im verbalen Kontakt kommt es immer wieder zu Misverständnissen oder Irritationen, weil beispielsweise zweideutige Äußerungen von Autisten oft nicht verstanden werden. Die eigene Sprache wirkt manchmal merkwürdig „gestelzt“, oft fehlt die Sprachmelodie. Bei der nonverbalen Kommunikation gibt es häufig Probleme mit Mimik, Gestik, Blickkontakt und Körpersprache. Autistische Kinder spielen oft lieber allein und können sich nicht gut auf das Spiel Gleichaltriger einlassen.
  • Gewohnheiten: Viele Autisten haben Schwierigkeiten mit Veränderungen. Sie halten sich gerne an Regeln und Routinen, haben das Bedürfnis nach festen, vorhersehbaren Tagesabläufen etc.
     
  • Sozialverhalten: Die ungeschriebenen Regeln des Miteinanders beherrschen Menschen mit Autismus oft nicht, sondern müssen das, was für andere selbstverständlich erscheint, immer wieder mühsam trainieren. Es ist wichtig, das das Umfeld darauf hinweist, wenn etwas nicht akzeptabel ist. Aber es ist auch wichtig zu erkennen, dass unangemessenes Verhalten nicht als Schikane oder Provokation gemeint ist.
     
  • Wahrnehmungsbesonderheiten im Hinblick auf das Lernen: Menschen mit Autismus haben eine Detailwahrnehmung. Sie können sich oft besonders leicht viele kleine Einzelheiten merken, haben dagegen aber Probleme, übergeordnete Zusammenhänge zu erkennen. Das kann sich z.B. in Schule und Beruf bemerkbar machen, wenn der Sinn von Filmen oder Texten nicht erfasst werden kann, es dagegen kein Problem ist, große Mengen an Fakten zu lernen. Diese Fähigkeit war auch für mich beim Medizinstudium ein großer Glücksfall, ich hatte keine Schwierigkeiten, die vielen Einzelheiten zu lernen. Filme und Romane sind dagegen auch heute noch nichts für mich.
     
  • Wahrnehmungsbesonderheiten im Hinblick auf die Sinne: Viele Menschen mit Autismus sind besonders sensibel auf Sinnesreize. Das, was für andere Menschen kein Problem darstellt, kann ihnen leicht zu viel werden, Schmerzen verursachen oder auch eine Reizüberflutung auslösen. Das liegt daran, dass ihr Gehirn wichtige von unwichtigen Reizen nicht trennen kann, sie deshalb sämtliche Reize ungefiltert wahrnehmen und störende Reize nicht ausschalten können. Das kann sich etwa in der Schule (lärmende Klassenkameraden, während der Lehrer spricht), beim Einkaufen (Geräusche, Gerüche, viele Menschen etc.) oder in der Freizeit bemerkbar machen.
     
  • Manchmal bestehen motorische Probleme, die sich bei der Handschrift, beim Sportunterricht etc. bermerkbar machen.
     
  • Häufig liegen spezielle Interessen vor, mit denen sich Menschen mit Autismus sehr ausführlich beschäftigen, die die anderen aber eher nicht interessieren. Das lässt sie nicht selten sehr skurril und „merkwürdig“ erscheinen, gibt ihnen selbst aber Sicherheit und entspannt sie.

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