„Einzigartige Einrichtung“

Zum 50. Jubiläum der Aktion Mensch wünscht sich Philippe Pozzo di Borgo, dass die ­Organisation ihr Modell in alle Länder Europas überträgt.

Von Philippe Pozzo Di Borgo

Die Aktion Mensch hat den unglaublichen Erfolg des Films „Ziemlich beste Freunde“ stets engagiert begleitet. So initiierte sie etwa im Dezember 2012 eine große Diskussionsveranstaltung in der Berliner Columbiahalle, an der Abdel Sellou (im Film Driss) und ich selbst zusammen mit Bettina Eistel und Andy Holzer teilnahmen. Im Publikum saßen Menschen mit und ohne Behinderung, darunter auch zahlreiche Medienvertreter.

Eine ähnlich große, aufmerksamkeitsstarke Veranstaltung wurde von der Aktion Mensch gemeinsam mit unserem Verlag, Hanser Berlin, anlässlich der lit.COLOGNE im März 2013 in Köln durchgeführt. Nicht zu vergessen die Kooperation der Aktion Mensch bei der Ausgabe meines Buchs „Ziemlich verletzlich, ziemlich stark“ so wie die finanzielle Unterstützung für die Übersetzung meiner Auto­biografie „Ziemlich beste Freunde“ in Einfache Sprache. Nie zuvor habe ich eine solche Initiative erlebt, die Menschen mit Lese- und Lernschwierigkeiten einen Zugang zu einem Buch und einer Geschichte, wie der aus dem Film, möglich macht.

Der Film entspricht der Philosophie der Aktion Mensch: Nicht die Behinderung zählt, sondern der Mensch. In einer Welt, die sich immer mehr dem Diktat von Leistung und Normierung unterwirft, bilden Verletzlichkeit und Verschiedenheit die Grundlage für ein besseres Miteinander. Seit 50 Jahren setzt sich die Aktion Mensch unermüdlich dafür ein, diese Botschaft zu verbreiten und Menschen mit Behinderung in die Mitte der Gesellschaft zu holen. In all diesen Jahren hat die Aktion Mensch dazu beigetragen, die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung zu verbessern und die Einstellung ihnen gegenüber zu verändern.

Die Einbindung so vieler Bürger in die Projekte der Aktion Mensch durch die Soziallotterie ist einer der Gründe für den Erfolg des Vereins und erklärt wahrscheinlich auch, warum andere Länder nicht über eine solche Wirksamkeit verfügen. Auch macht ihr vermittelnder und integrativer Charakter die Aktion Mensch zu einer einzigartigen Einrichtung.

In den zahlreichen Begegnungen, die ich mit verschiedenen Vertretern Ihrer Organisation hatte, war ich immer wieder beeindruckt von der Effizienz, der Kompetenz, der Kreativität und dem starken Engagement mei­ner Ansprechpartner. Mit vielen von Ihnen pflege ich noch heute freundschaftliche Beziehungen.

Was bleibt der Aktion Mensch für die nächsten 50 Jahre zu wünschen, außer in sehr egoistischer Weise, dass die Organisation ihr Modell in alle Länder Europas trägt – zum Wohl der dort lebenden Menschen mit Behinderung? Wenn wir endlich alle Menschen in ihrer Verschiedenheit und Verletzlichkeit annehmen, wenn Inklusion einmal verwirklicht ist, werden unsere Gesellschaften lernen, besser miteinander zu leben.


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