Bleibende Wirkung - die Bilanz der vergangenen Paralympics

Ein Blick auf vier Paralympics-Austragungsorte, die Maßstäbe gesetzt haben.
 

London 2012: Neue Maßstäbe
 

Die Vorbereitung
So viel Einheit war noch nie. Cheforganisator Sebastian Coe nannte die Olympischen Spiele und die Paralympics grundsätzlich in einem Atemzug. Statt auf Perfektion setzten die Macher auf Nähe und Enthusiasmus. Die traditionell sportbegeisterten Briten stürzten sich auf die Eintrittskarten. 70.000 Freiwillige meldeten sich zur Unterstützung.

Die Umsetzung
„Thanks for the warm up.“ Mit diesem an die Olympioniken gerichteten Slogan setzten die Paralympics den Ton für ihre Wettbewerbe: herzlich, humorvoll, ehrgeizig. „Wir wollten die Sicht auf Menschen mit Behinderung ändern“, sagt Katherine Allin vom Britischen Paralympischen Komitee. Wer keine Karten für die vollen Tribünen bekam, sah die ausführliche, hochgelobte Berichterstattung auf Channel 4.

Das Ergebnis
Acht von zehn Menschen mit Behinderung in Großbritannien erwägten nach den Paralympics selbst Sport zu treiben. Drei Viertel der Briten gaben an, sie sähen Menschen mit Behinderung nun positiver. „Bis 2017 wollen wir das Vereinigte Königreich zum Vorreiter im paralympischen Sport machen“, sagt Allin. Viele Experten meinen, dieses Ziel sei schon längst erreicht.

Peking 2008: Die große Wende
 

Die Vorbereitung
Athleten im Rollstuhl die Treppen hochtragen – mit solchen Ideen war Peking in seiner letzten Paralympics-Bewerbung gescheitert. Nun machten sie es besser. Von Anfang an saßen Menschen mit Behinderung im Organisationskomitee, die Infrastruktur der Wettkampfstätten, das paralympische Dorf und viele Touristenattraktionen waren komplett barrierefrei.

Die Umsetzung
„Schon die Eröffnungsfeier war auf höchstem Niveau“, sagt DOSB-Vizepräsidentin Gudrun Doll-Tepper. Hier integrierten die Organisatoren auch Künstler mit Behinderung. Während der Spiele profitierten die Athleten von perfekter Organisation – vom Transport bis zu bestens geschulten Freiwilligen. Die Tribünen waren voll besetzt, auch wenn die Stimmung nicht ganz so überschwänglich war wie in Sydney.

Das Ergebnis
Waren Rollstuhlfahrer in Peking noch in den 1990er-Jahren ein seltener Anblick, gehören sie spätestens seit den Paralympics zum Straßenbild. „An den Hochschulen gibt es mittlerweile Studiengänge rund um Sport für Menschen mit Behinderung“, sagt Doll-Tepper. Außerdem öffnen sich die Unis für ausländische Forscher, um von deren Erfahrungen mit Inklusion zu lernen.

Athen 2004: Aus Ruinen
 

Die Vorbereitung
Für bestmögliche Synergien gingen die Organisationsteams der Olympischen Spiele und der Paralympics ineinander auf – ein Standard, den spätere Ausrichter fortsetzen sollten. Zudem bekamen paralympische Athleten die gleiche staatliche Förderung wie olympische. Neben Bildungsprogrammen warb eine Kampagne mit Bildern paralympischer Athleten in Aktion für die Spiele.

Die Umsetzung
Wenn sogar Athens Taxifahrer strahlen, muss etwas Besonderes passiert sein. Und tatsächlich: Während der Paralympics entwickelte sich eine feierliche Stimmung. „Alle waren stolz“, erinnert sich Sakis Kostaris, der im Team der Sitzvolleyballer teilnahm. Sogar die Akropolis wurde rollstuhlgerecht umgebaut. Und am Paralympic School Day feuerten Kinder und Jugendliche aus dem ganz Land die Athleten an.

Das Ergebnis
In Sydney hatten die Griechen nur an fünf Disziplinen teilgenommen, nun traten sie mit 124 Athleten in 18 Sportarten an. „Das hat unserem paralympischen Sport einen gewaltigen Schub gegeben“, sagt Kostaris. Als die öffentlichen Zuschüsse durch die Wirtschaftskrise knapp wurden, halfen Sponsoren. Auch Athens Infrastruktur hat profitiert: Die U-Bahn gilt als vorbildlich barrierefrei.

Sydney 2000: Das Vorbild
 

Die Vorbereitung
Damit Olympische Spiele und Paralympics enger zusammenrücken konnten, arbeiteten die Organisatoren beider Wettbewerbe unter einem Dach. Paralympische Athleten stellten sich in Schulen vor, die Medien zeigten neben Olympioniken immer auch paralympische Sportler. Eine Werbekampagne konnte ausfallen, weil die Ticketverkäufe alle Erwartungen gesprengt hatten.

Die Umsetzung
Noch Jahre später schwärmten Athleten von der euphorischen Stimmung. „Zuerst kamen die Menschen vielleicht aus moralischen Gründen, aber dann kamen sie wieder, weil sie unser Sport begeistert hatte“, sagt Tim Matthews, der für Australien als Staffelläufer antrat. Im Umfeld der Wettbewerbe fand ein paralympischer Kongress statt – für Sportler, aber auch für Forscher, Journalisten und Pädagogen.

Das Ergebnis
Heute gelten die Paralympics in Sydney als Wendepunkt für die paralympische Bewegung. Auch in Australien sind die Wirkungen noch immer spürbar. „Menschen mit Behinderung sind in die Mitte der Gesellschaft gerückt“, sagt Matthews. In Folge der Spiele verschärfte die Regierung die Bauvorgaben für Barrierefreiheit, ein Programm fördert die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.


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