Die Deutsche Eva Werthmann vom Internationalen Paralympischen über das wachsende Interesse der Medien und Sponsoren, die Grenzen des Wachstums und das Verhältnis der Paralympics zu den Olympischen Spielen.
 

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© IPC, MENSCHEN. das magazin

Eva Werthmann (32), Sportwissenschaftlerin, arbeitet seit 2008 in der Kommunikationsabteilung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC). Ihr Gänsehauterlebnis hatte sie 2012 in London, als die Zuschauer vor einem 100-Meter-Finale den Namen von Sprinter Jonnie Peacock skandierten.

Mehr Höchstleistung, mehr Glanz, mehr Zuschauer, mehr Selbstbewusstsein – dass die Paralympischen Spiele seit Jahren florieren, hat nach Ansicht von Eva Werthmann vor allem einen Grund: „Man hat erkannt, dass es wirklich um Sport geht. Die Athleten haben zwar gewisse Einschränkungen, arbeiten deshalb aber umso härter.“ Während früher in den Medien oft die Mitleidsschiene bedient worden sei, stehe heute der einzelne Sportler – mit Namen, Leistung und seiner Geschichte – im Zentrum der Berichterstattung.

Eva Werthmann ist sich sicher, dass die Paralympics einen positiven Anstoß für Inklusion in den jeweiligen Gastgeberländern leisten: „1980 hatte sich die Sowjetunion noch geweigert, die Spiele auszurichten, da es dort angeblich keine Menschen mit Behinderung gab. Nach den Winterspielen 2014 ist Sotchi heute die einzige komplett barrierefreie Stadt in Russland.“ Nicht alles ändere sich von heute auf morgen. „Aber der Sport kann einen Grundstein für Veränderungen legen.“ Teil des Rahmenprogramms jeder Paralympics ist beispielsweise Bewusstseinsbildung an Schulen zum Thema Inklusion.

Die weltweite Paralympics-Begeisterung zeigt sich für die Medienfrau auch am Interesse globaler Konzerne, Partner des IPC zu sein. Drei neue sind seit London dazugekommen. Und diese Partner, die oft auch Partner des Internationalen Olympischen Kommitees (IOC) sind, setzen in ihrer Kommunikation zunehmend Sportler mit Behinderung ein. BP beispielsweise präsentiert in seinem „Team USA“ für Rio de Janeiro erstmals mehr Sportler mit als ohne Behinderung.

Größer als jetzt können die Paralympics kaum noch werden. „Auf Grundlage der Vereinbarung zwischen IOC und IPC sehen unsere Statuten momentan maximal 4.350 Athleten und 23 Sportarten vor“, so Werthmann. „Schon jetzt ist es bei uns mit der Medaillenvergabe in all den Klassen stressiger als bei Olympia.“

Dass der Behindertensport immer professioneller wird, bringt auch Schattenseiten. „Doping ist schon länger im Behindertensport angekommen. Nur weil ein Sportler eine Behinderung hat, ist er nicht weniger versucht, bei der Leistung nachzuhelfen“, sagt Werthmann. Mit einem strikten Anti-Doping-Code steuert das IPC gegen. Es gelten dieselben Regeln wie bei Olympischen Spielen. Apropos: Auch wenn inzwischen vereinzelt Sportler mit Behinderung bei Olympischen Spielen starten – an gemeinsame Spiele denkt man im IPC und im IOC nicht. Mit einem solchen Megaevent wären sowohl die Ausrichter als auch die teilnehmenden Verbände überfordert. Außerdem sei zu befürchten, dass sich das Interesse der Medien in erster Linie auf die nicht behinderten Stars richten würde, erklärt Werthmann.

Aber zusammengerückt sind IPC und IOC in den vergangenen 20 Jahren doch. Seit 1988 werden die Paralympischen und die Olympischen Spiele jeweils in derselben Stadt ausgetragen und seit 2001 auch vom selben Organisationskomitee geplant. Wie hieß es 2012 nach den Olympischen und vor den Paralympischen Spielen so schön auf Plakaten in London? „Thank you for the warm-up!“ – „Danke für das Aufwärmprogramm!“

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179

23 Nationen nahmen an den "Weltspielen für Behinderte" 1960 teil. Bei den diesjährigen Paralympics in Rio sind es 156 mehr, nämlich 179. Alleine in den Jahren zwischen 1989 und 2016 sind dem Weltverband IPC 98 neue nationale Mitgliedsverbände beigetreten.

240 Mio.

Die Olympischen und die Paralympischen Spiele 2012 in London kosteten zusammen 13,5 Milliarden Euro, 240 Millionen Euro davon waren Zusatzkosten für die Paralympics. Tickets für die Paralympics brachten 57 Millionen Euro, Merchandising-Produkte 100 Millionen Euro.

22

In Rom 1960 wurden Wettkämpfe in acht Sportarten ausgetragen, in Rio sind 22 Sportarten paralympisch, erstmal auch Kanu und Triathlon. Mehr als 23 Sportarten lassen die Statuten des IPC aus organisatorischen Gründen nicht zu - wohl aber deren Austausch.

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