Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands, Friedhelm Julius Beucher, erzählt, wie die Paralympics-Begeisterung nach Deutschland kam und was sie hierzulande bewirkt hat.
 

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Einzug der deutschen Paralympics-Mannschaft in London 2012

© Ralf Kuckuck / DBS-Akademie, MENSCHEN. das magazin

Friedhelm Julius Beucher (70), Pädagoge und Politiker, war vom 20. Dezember 1990 bis 2002 SPD-Bundestagsabgeordneter, davon vier Jahre lang Vorsitzender des Sportausschusses. Seit 2009 ist er ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Behindertensportverbands (DBS).

„Barcelona 1992 waren die ersten Paralympischen Spiele, die ich miterlebt habe, damals noch als Bundestagsabgeordneter“, erzählt Friedhelm Julius Beucher. „Sie haben meine Vorstellung, Behindertensport sei Reha- und Versehrtensport, völlig gesprengt. In Barcelona erlebte ich perfekte Organisation, volle Stadien, riesiges Medieninteresse, tolle Leistungen. Als ich nach Haus kam, sagte mir meine Frau dann aber, sie habe in den Medien von den Paralympics nichts mitbekommen.“ Seitdem hat sich für den Behindertensport in Deutschland viel getan, stellt Beucher fest. In erster Linie sei das das Verdienst herausragender DBS-Sportler. „Ausnahmeathleten wie Marianne Buggenhagen, Verena Bentele, Martin Braxenthaler, Gerd Schönfelder, Markus Rehm oder Heinrich Popow haben der Politik, den Medien und der Wirtschaft gezeigt: Behindertenleistungssport ist ein Feld, in das es sich lohnt zu investieren.“

Als Vorbilder haben Spitzensportler offenkundig auch viele andere Menschen mit Behinderung dazu bewegt, ebenfalls Sport zu treiben. Allein seit 2009 ist die Mitgliederzahl des DBS von 440.000 auf 650.000 gestiegen. Mittlerweile ist der DBS der neuntgrößte Sportverband in Deutschland.  Gleichzeitig hat sich die Leistungssportarbeit des DBS deutlich professionalisiert. „Wer heutzutage international an der Spitze erfolgreich sein will, braucht professionelle Strukturen“, stellt Beucher klar. „1992 in Barcelona gab es keinen hauptamtlichen Trainer im deutschen Team. Heute haben wir immerhin acht.“ Auch in Hinblick auf die finanzielle Gleichbehandlung von Olympioniken und Paralympioniken hat sich in Deutschland einiges getan. Ein nach wie vor großes Problem für Sportler mit Behinderung ist allerdings, dass sie – mehr noch als Nichtbehinderte –gezwungen sind, Beruf oder Ausbildung mit dem Leistungssport zu verbinden.

Ob der Paralympics-Boom sich auch gesellschaftlich in Deutschland bemerkbar macht? „Sport ist ein Inklusionsmotor“, sagt Beucher und denkt dabei an die vielen Breitensportler mit und ohne Behinderung, die gemeinsam Sport treiben, aber auch an die positive Wirkung, die von den Paralympischen Spielen und ihren Stars in die Gesellschaft hinein ausstrahlt. Das zeigen für Beucher allein schon die guten Einschaltquoten bei der Berichterstattung über die Paralympics in London und die enorm steigenden Nutzerzahlen der Social-Media-Angebote des DBS. Immer mehr Deutsche haben Interesse an Behindertensport. Auch deshalb findet Beucher es so bedauerlich, dass mit dem Nein der Hamburger zur Olympiabewerbung der Traum von Paralympischen Spielen in Deutschland geplatzt ist. „Das hätte einen Inklusionsschub gegeben.“

Auch im deutschen Leistungssport gibt es erste Inklusionsansätze: Schon jetzt trainieren einige Kaderathleten des DBS in ihren Vereinen und an Olympiastützpunkten mit nicht behinderten Sportlern zusammen und haben dieselben Trainer. „Da, wo Leistungen vergleichbar sind“, so Beucher, „kann ich mir gut vorstellen, dass Sportler mit und ohne Behinderung in Zukunft auch öfter in gemeinsamen Wettbewerben starten.“

 

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650.000

Der Deutsche Behindertensportverband hat rund 650.000 Mitglieder, 2009 waren es noch 440.000. Er ist der neuntgrößte von 62 Spitzenverbänden, die im Deutschen Olympischen Sportbund zusammengeschlossen sind.

25

2008 in Peking hatte die deutsche Paralympics-Mannschaft acht Partner aus der Wirtschaft, die sie unterstützten. Heute sind es 25 – genau so viele wie bei der deutschen Olympiamannschaft. Einige Sponsoren fördern beide Teams.

8

Deutschland stand im Medaillenspiegel der Sommer-Paralympics 2012 nach 503 Wettbewerben auf Rang 8, China war Primus. Bei den Olympischen Sommerspielen kurz davor waren die USA Spitze, Deutschland Sechster.

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