Die Radrennfahrerin Denise Schindler über ihre Situation als Leistungssportlerin mit Behinderung in Deutschland und warum der Sport und sie lange keine Freunde waren.
 

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Denise Schindler bei den Paralympics 2012 in London

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Denise Schindler (30) holte bei den Paralympics 2012 die Silbermedaille im Straßenrennen. Sie ist Bahnweltmeisterin über 3.000 Meter Verfolgung und vielfache Weltcup- und Vizeweltmeisterin. Die Eventmanagerin gründete „EISs auf Rädern“, das integrative Sportangebote für Kinder unterstützt.

Großbritannien, die USA, Australien, die Niederlande, Spanien: Denise Schindler kann viele Länder nennen, in denen Leistungssportler mit Behinderung nach ihrer Einschätzung finanziell besser ausgestattet sind als in Deutschland. „Da wir normalerweise nicht bei Bundeswehr oder Polizei verbeamtet werden wie nicht behinderte Spitzensportler, müssen wir schauen, wie wir uns finanzieren“, sagt sie. „Allein das Rad kostet bis 10.000 Euro. Ich brauche drei: eins für Straßenrennen, eins für das Zeitfahren und eins für die Bahn.“ Selbst für ihren Weltmeistertitel 2015 hat sie keine Prämie bekommen. Immerhin: Erfolg bringt Sponsoren, und seit dem Medaillenerfolg in London 2012 wird sie auch von der Stiftung Deutsche Sporthilfe gefördert.

Der Sport und Denise Schindler, die eine Unterschenkelprothese trägt, waren lange keine Freunde. Zu viele schlechte Erfahrungen im Schulsport, zu viele Operationen bis zum zwölften Lebensjahr. Dann stieg die Abiturientin im Fitnesscenter aufs Spinningrad – und hatte ihren Sport gefunden. Seitdem rast sie von Erfolg zu Erfolg. Groß geworden ist sie im Bayerischen Behinderten- und Radsportverband. Dort ist Inklusion im Training selbstverständlich. „Mit den nicht behinderten Sportlern, auch mit den Männern, kann ich bei den Trainingsfahrten locker mithalten. Wir profitieren alle voneinander.“ Die Nationalteams dagegen trainieren für sich.

Dass behinderte und nicht behinderte Sportler ab und an bei gemeinsamen Veranstaltungen starten, findet sie gut, ebenso, dass sie auf Trainingsfahrten öfter von Passanten angesprochen wird. „Ich sehe uns Leistungssportler als Impulsgeber für Inklusion, aber auch als Motivatoren für alle Menschen. Jeder, ob behindert oder nicht behindert, hat ja seine Probleme. Wir zeigen, dass man durch vieles durchgehen kann.“

Link zur Initiative EISs auf Rädern von Denise Schindler

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4.237

1960 nahmen an den "Weltspielen für Behinderte" in Rom 400 Athleten teil. Bei den Paralympics 2012 in London waren es 4.237, davon 151 Deutsche. Höchstens 4.350 Athleten dürfen an den Spielen teilnehmen. Je mehr Nationen antreten, desto weniger Athleten pro Land.

170

In Deutschland werden 3.800 Sportler pro Jahr von der Stiftung Deutsche Sporthilfe unterstützt, darunter aber nur 170 Athleten mit Behinderung. Über 700 Sportler können sich als freigestellte Berufssoldaten voll auf ihren Sport konzentrieren. Davon haben nur drei eine Behinderung.

20.000

20.000 Euro Prämie wird ein deutscher Goldmedaillengewinner in Rio de Janeiro erhalten, egal, ob Olympionike oder Paralympionike. Noch vor 20 Jahren überstieg die Prämie eines einzelnen Olympiasiegers die Summe der Prämien aller deutschen Paralympics-Teilnehmer zusammen.

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