Eifel-Wanderung im Selbsttest

Wanderwege, die zu schmal sind, kaum Orientierung bieten oder plötzlich steil ansteigen sind für Menschen mit Behinderung oft nicht begeh- oder befahrbar. Anders sieht es am Wilden Kermeter im Nationalpark Eifel aus: Ein barrierefreier Weg ermöglicht auch Menschen mit Einschränkungen entspanntes Wandern. Ein Selbstversuch.

Vom Aussichtspunkt Hirschley blickt man auf den Rursee.

Text und Fotos: Ute Mansion

Die Sonne scheint und wärmt sogar ein bisschen, als wüsste sie nicht, dass noch Winter ist und die Wandersaison gerade erst beginnt: Wir testen den barrierefreien Wanderweg am Wilden Kermeter in der Eifel. Nicht nur wir haben uns auf den rund fünf Kilometer langen Rundweg gemacht – es sind auch Familien mit Kinder- und Bollerwagen, junge und ältere Paare unterwegs. Der Weg lockt viele an, die einen längeren Spaziergang ohne große Steigungen einer strammen Wanderung vorziehen.

Holzstämme schützen an Stellen, an denen der Weg steil abfällt, vor unbedachten Schritten. Mit einem Langstock sind sie zu ertasten, ein Rollstuhl könnte sie nicht von allein überfahren.

Startpunkt ist der Parkplatz Kermeter. Laut der Website www.eifel-barrierefrei.de fährt zwar von Schleiden aus der Bus 231 dorthin – ein Anruf beim zuständigen „Regionalverkehr Euregio Maas-Rhein“ ergibt jedoch, dass der Bus am Wochenende nur von Ende März bis Ende Oktober fährt. Laut Fahrplan am Wilden Kermeter fährt eine andere Linie von Anfang April bis Mitte Oktober samstags und sonntags von der Staumauer Urftsee bis zum Parkplatz Kermeter und zurück. Wer nicht im eigenen Auto anreisen kann, sollte von Gemünd-Mitte, einem Ortsteil von Schleiden, ein Taxi nehmen – rollstuhlgeeignete Wagen sind verfügbar. Im Sommer tun das recht viele Wanderer, erklärt ein Taxi-Unternehmen am Telefon. Eine Fahrt kostet rund 22 Euro.

Am Parkplatz gibt es eine „barrierefreie“ Toilette – sie ist dies für Rollstuhlfahrer; Blinde und Sehbehinderte erhalten wichtige Informationen zur Nutzung nicht.

Eine Bronzetafel mit erhobenen Strichen, Symbolen, Linien, Relief- und Brailleschrift macht es auch blinden und sehbehinderten Wanderern möglich, sich über den Verlauf des Weges zu informieren. Standort ist hier die Weggabelung Schwarzes Kreuz.

Bronzetafeln helfen bei der Orientierung

Nahe der Bushaltestelle zeigt eine reliefartige Bronzetafel mit Linien, Symbolen und Text an, wie der Weg verläuft und gibt erste Auskünfte über das Wandergebiet – auch auf Englisch, Niederländisch und Französisch. Die Informationen sind auch in Brailleschrift zu lesen – am Startpunkt und auf allen weiteren Bronzetafeln, die an wichtigen Orientierungspunkten der Wanderung stehen.

Der Weg führt zunächst breit und eben weiter in den Wald hinein. Er ist, wie auch die Wege, die noch vor uns liegen, etwas matschig. Nicht verwunderlich in einer höher gelegenen Region, in der es auch mal schneit. Dennoch dürften auch Rollstuhlfahrer keine Probleme haben voranzukommen. Einige Flächen am Wegesrand sind noch schneebedeckt.

Bald erreichen wir die Weggabelung Schwarzes Kreuz. Verlaufen kann man sich hier kaum: An jeder Kreuzung weisen Schilder die verschiedenen Richtungen, die man wählen kann, und auch die Bronzetafeln helfen bei der Orientierung. Wir nehmen den rechts abzweigenden Weg Richtung Aussichtspunkt Hirschley. Würde uns der Weg zu sehr ermüden, könnten wir ungefähr alle 200 Meter eine Rast auf einer Holzbank einlegen.

Pflastersteine statt Rillen: Sie bieten Blinden mit einem Langstock an wichtigen Stellen Orientierung.

Vor jeder Bank und an allen Orientierungspunkten des Weges ist der Boden für blinde Menschen mit Pflastersteinen markiert: So sind Bänke, Infotafeln und Aussichtspunkte mit dem Langstock zu finden. Dort, wo der Weg zu einer Seite steil abfällt, markieren Holzstämme eine Grenze, die zu sehen und zu erfühlen ist und die man nicht überschreiten sollte. Doch keine Panik: Alle als barrierefrei bezeichneten Wege sind breit und die Gefahr, davon abzukommen, ist äußerst gering.

Natur Natur sein lassen

Zwischendurch informieren uns Tafeln – allerdings nicht in Brailleschrift – über den Baumbestand am Wilden Kermeter, der zum Nationalpark Eifel gehört. Der war lange Zeit durch Fichten geprägt, die hier aber nicht hingehören. Deshalb wird der Wuchs von Buchen, Erlen, Birken und Weiden gefördert.

Am Aussichtspunkt Hirschley haben Familien mit Kindern alle Holzbänke und -tische in Beschlag genommen. Der Ort ist ideal für ein Picknick. Wer kann, genießt den Blick auf den Rursee. Tafeln unter einem Schutzdach informieren über das Vorhaben, die Natur im Nationalpark Eifel langfristig wieder sich selbst zu überlassen. Der Text ist auch in Leichter Sprache zu lesen.

Geschwungene Sinnesliegen aus Holz laden ein, den Waldes mit allen Sinnen zu erleben. Oder zum Nachdenken über das Zitat auf einer Bronzetafel neben der Liege.

Auf Sinnesliegen den Wald spüren

Es könnte sein, dass der folgende Wegabschnitt manchen Menschen ein wenig zu anstrengend ist. Zwar steigt er nicht sehr steil an, aber er zieht sich und könnte für jemanden, der einen Rollstuhl schiebt oder ihn Kraft seiner Arme vorwärts bewegt, etwas mühsam werden. Doch auch hier laden Bänke und Sinnesliegen zur Rast ein. Wer auf einer Sinnesliege Platz nimmt und das Glück hat, dass ein paar Minuten keine anderen Wanderer vorbeikommen, kann mit allen Sinnen den Wald wahrnehmen: das Knacken der Äste im Wind, das Rascheln der Blätter, Vögel, die hoch aufragenden Bäume, die klare Luft.

Wir wandern weiter und werden am Ende der Steigung mit einem Weg belohnt, der von nun an nur noch eben und teilweise sacht bergab zurück zur Gabelung Schwarzes Kreuz führt. Wir hätten auch einen anderen Weg wählen können: Der Wilde Kermeter ist von Wanderwegen durchzogen, doch nicht alle sind durchgehend barrierefrei.

Vom Schwarzen Kreuz aus gehen wir auf einem breiten ebenen Weg zum Aussichtspunkt Vogelsang-Blick. Dort endet der barrierefreie Weg, wie eine Bronzetafel verrät. Zwar könnte man bis zum Urftstausee gehen, doch der Weg wird schmaler und ist an Stellen, an denen es seitlich bergab geht, nicht mit Baumstämmen begrenzt. Wir entscheiden uns für eine Pause auf einer Bank und genießen den Blick auf Berge und Täler, die wärmenden Sonnenstrahlen.

Ein Tipp zum Schluss

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist, muss berücksichtigen, dass die Busse von und zum Bahnhof Kall nur einmal in der Stunde fahren. Von dort aus geht es zum Beispiel weiter nach Köln. Eine genaue Zeitplanung empfiehlt sich.

Wer das einkalkuliert, wird einen schönen Wandertag in der Eifel erleben – mit Glück auch bei sonnigem Wetter.


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