Barrierefreie Medienangebote

Schon jetzt gibt es gute Beispiele für Lösungen, um die Nutzung von Medien und Informationen allen Menschen zugänglich zu machen. Drei wegweisende Innovationen stellen wir Ihnen vor.
 

Text: Anja Schimanke
Illustration: Sebastian Lörscher

 

Deutschlandfunk in Einfacher Sprache
 

Das Wichtigste der Woche, einfach und verständlich zusammengefasst – das ist das Konzept der Internetseite „nachrichtenleicht“. Hier bietet der Deutschlandfunk jede Woche einen Rückblick über die Ereignisse und Entwicklungen in Deutschland und der ganzen Welt. Und das in Einfacher Sprache. Das bedeutet: Es werden ausschließlich kurze Sätze verwendet, schwierige Begriffe wie „Flüchtling“ oder „Kommissar“ werden im Textanhang erklärt.

Jeden Freitag wird der Wochenrückblick mit Nachrichten aus den Bereichen Politik, Kultur, Vermischtes und Sport aktualisiert. Jeder Text ist mit passenden Bildern versehen. Die Nutzer können sich außerdem jede Meldung vorlesen lassen und die Audiodatei abspeichern. Wenn ein Wort für den Leser unklar ist, kann er es im Wörterbuch der Webseite nachschlagen. Per Suchfunktion ist es zudem möglich, die Nachrichten nach bestimmten Begriffen zu filtern.

Seit 2013 gibt es das Angebot des Deutschlandfunks schon. Und seit Neuestem sind die Einfachen Nachrichten nicht nur über das Internet abrufbar. „Am 2. Dezember gab es die erste On-Air-Ausgabe unseres Wochenrückblicks live im Radio“, erklärt Tanja Köhler von „nachrichtenleicht“. Seit Anfang Dezember gibt es jeden Freitag zusätzlich zur regulären Sendung fünf Minuten Nachrichten in Einfacher Sprache – ab 20:05 Uhr. „Unsere Zielgruppe ist viel größer, als wir zunächst dachten. Auch Logopäden, Sonderpädagogen, Demenzkranke und Deutschlernende im In- und Ausland greifen auf unser Angebot zurück. Es gibt einen großen Bedarf“, sagt Tanja Köhler. „Das Feedback auf die Infos in Einfacher Sprache ist überwältigend positiv.“

www.nachrichtenleicht.de

Eine App für alle – der MDR macht’s vor.
 

Apps gibt es viele, für sehende Nutzerinnen und Nutzer und für blinde und sehbeeinträchtigte. Eine App für alle gleichermaßen? Dass dies möglich ist, zeigt der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) mit seiner AppMDR Audio – Das inklusive Hörangebot“.

Sie ist bundesweit die erste inklusive App, die Audioangebote des Senders bündelt und so gestaltet, dass sie von allen mobil nutzbar ist. Sämtliche Livestreams zu Hörfunk- und Webprogrammen findet man hier zusammengefasst, Audios, Podcasts und Tonspuren von Sendungen mit Audiodeskription sind on demand zugänglich, sodass man unterwegs auch Filme aus dem TV-Programm des MDR hören kann. Aktuelle Nachrichten sowie Wetter- und Verkehrsinformationen, auf Wunsch regionalisiert, liefert die kostenlose App ebenfalls. Übersichtlich und einfach zu bedienen ist sie außerdem.

Dafür erhielt der MDR den Sächsischen Inklusionspreis 2016 und das Qualitätssiegel der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig, die an der Entwicklung der App ebenso beteiligt war wie blinde und sehbehinderte Nutzer. 2017 wird es die App auch für Android-Nutzer geben, verspricht Georg Schmolz, Leiter Barrierefreiheit beim MDR. „Ab Januar 2017 bieten wir Nachrichten in Leichter Sprache als Wochenrückblick für Menschen mit Lernschwierigkeiten an. Die Texte werden vorgelesen und Wörter hervorgehoben.“ Die Abspielgeschwindigkeit aller Audios und Videos in der Mediathek lässt sich regulieren. Ist sie langsamer, bleibt mehr Zeit, um das Bild und die Untertitel zu erfassen. „Ein kleiner Service, aber eine ziemlich gute Sache. Perfekt wäre eine Bilderstrecke.“ Daran tüftelt Schmolz derzeit.

zur MDR App

Schöne Aussichten: digitale Technik

Mehr Untertitel in den Mediatheken, angepasst an eigene Bedürfnisse? Und dazu den Fernsehton per Bluetooth übers Smartphone ans Hörgerät? Kein Problem! Mit dem Clean-Audio-Verfahren lassen sich störende Hintergrundgeräusche wie laute Musik aus dem Fernsehton herausfiltern und die Sprachverständlichkeit speziell für hörbeeinträchtigte Zuschauer optimieren.

Sich eine Gebärdensprachbegleitung auf den Fernsehbildschirm holen, sogar in personalisierter Variante? Auch das soll bald Realität sein. Das Institut für Rundfunktechnik (IRT), bekannt für seine innovativen Lösungen wie Videotext, VPS und MPEG-Audiocodierung, entwickelt diese und weitere Technologien. Sie sollen die barrierefreien Angebote der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, Österreichs und der Schweiz im Fernsehen und im Internet weiter verbessern, um gehörlosen, schwerhörigen, blinden und sehbehinderten Menschen den Zugang zum Fernsehen zu erleichtern.

Dank Smart-TVs mit hybrider Technologie (HbbTV) ergeben sich Vorteile wie die personalisierten digitalen DVB-Untertitel in der ARD seit Juni 2016 zeigen: Sie sind einfach bedienbar, haben eine Zoomfunktion und lassen sich teilweise individuell in Größe und Farbe einstellen. „Mit dem Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet ergeben sich vielversprechende Optionen für Nutzerinnen und Nutzer mit Beeinträchtigungen“, sagt Thomas Schierbaum, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des IRT. Verbesserte Teletexte, einstellbare Untertitel und speziell gemischte Tonfassungen sind einige davon.

Infos zu Personalisierbaren Untertiteln

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