Glück kennt keinen Bedarf

Sandra Olbrich ist ist Moderatorin der Sendung „Menschen – das Magazin“ im ZDF und von Geburt an gehbehindert. Ein Kommentar zum Thema "Glück und Behinderung".
 

Sandra Olbrich

„Sie strahlen ja immer“, höre ich andere sagen und blicke in ungläubige Gesichter. Eine Frau mit Behinderung, die glücklich ist? Das kann irritieren. Mehr noch. Es erregt Misstrauen, bei Amtspersonen zum Beispiel. „So fröhlich wie die ist — die braucht keine Unterstützung!“

Ob diese Vor- oder Fehlurteile Einfluss haben auf die Bewilligung von Anträgen, überlasse ich der Fantasie. Fakt dagegen ist: Krankheit und Behinderung setzen uns zu. Aber entscheiden sie darüber, ob wir Glück empfinden? So unterschiedlich die Behinderungen, so verschieden sind auch die Menschen, die mit ihnen auf die Welt kommen oder sie erst später im Laufe des Lebens erwerben. Glücklich-sein-Können ist eine höchst individuelle Angelegenheit, die tief in unserem Innersten verortet ist und mit den äußeren Umständen nur bedingt zu tun hat, denke ich. Und trotzdem: Natürlich bin ich unglücklich, wenn mir meine Einschränkungen wieder mal ein Bein stellen oder neue Malessen anklopfen, denen es sich zu stellen gilt. Ich zähle mich nicht zu den Handicap-Heroes, bei denen stets alles supi ist. Ich sehe die Dinge, wie sie sind, und gestatte mir hin und wieder die Klage über Entbehrungen. Mit meinem Mann und den Kindern Schwarzwaldberge erklimmen und Flusstäler durchwandern zum Beispiel ...

Und trotz solcher (und anderer) Mängel ist mein Leben gleichzeitig recht privilegiert: Familie, toller Job, sinnvolle Projekte, Dach über dem Kopf. Klingt abgedroschen, aber stimmt! Und mein Lächeln? Das gehört genauso zu mir wie meine Behinderung. Also nehme ich es mit aufs Amt und beantrage endlich diesen E-Scooter. Vielleicht habe ich ja Glück.


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