Nur über den Haupteingang!

Kommentar: Sandra Olbrich

S. Hofschlaeger/pixelio.de

Als mein Sohn mit seiner Klasse vom Erdgeschoss in den ersten Stock umzog, traf ich die Entscheidung: Elternabende künftig nur noch nach Tagesform! Die Schule hat keinen Fahrstuhl. „Aber ich und die Eltern können Ihnen doch helfen“, meinte die Lehrerin. Sicher gut gemeint. Doch wohl kaum zu Ende gedacht. Kopfkino dagegen bei mir: Ich am Geländer hängend. Eine Mutter zieht von vorne, eine andere schiebt von hinten. Oder besser noch: Ein Vater, der mir vielleicht unsympathisch ist, packt mich über die Schulter oder schleppt mich im Wiege-Griff wie ein kleines Kind die Stufen hoch und runter. „Bestimmt nicht!“, sage ich. „Ach, springen Sie doch mal über Ihren Schatten!“, entgegnen jene, die meinen, vorübergehende Hilfe ersetze den Abbau von Barrieren. 

Wir Menschen mit Behinderung warten seit Jahren darauf, dass wir uns ungehindert bewegen können. Dabei springe ich übrigens ständig über meinen Schatten, bitte um Hilfe, erkläre meine Situation. Ein-, zwei-, manchmal fünfmal am Tag. Oft wird von völlig Fremden diese gewisse Grenze überschritten: Bei Fragen nach meiner Gesundheit und den Krücken (Was haben Sie denn gemacht?) und nach meiner Lebenseinstellung (Wie kommt man damit klar?), wenn ich ungefragt angefasst werde oder man mir einfach meine Tasche abnehmen will. Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich lasse mir gerne helfen. Dann, wenn ich es möchte. Ansonsten will ich wie alle anderen auch dabei sein. Ganz normal zum Elternabend gehen oder rollen können. Selbstständig und selbstbestimmt. Mit gutem Gefühl. Und übrigens über den Haupteingang.


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