Goalball: Das Runde muss ins Eckige

Goalball ist ein Sport für Menschen mit Sehbehinderung und wird auf nationaler Ebene auch von Nichtbehinderten gespielt. Dass es viel mit Fuß- und Handball gemeinsam hat, erfuhr Nachwuchsreporter und Goalball-Neuling Nik am eigenen Leib.
 

Text: Hella Wittenberg 
Fotos: Eran Wolff
 

Die Zuschauer, die sich an diesem Samstag in der Berliner Fanny-Hensel-Grundschule beim internationalen Goalball-Freundschaftsturnier das Spiel Deutschland gegen Schweden ansehen, dürfen allenfalls ganz leise miteinander flüstern. Denn die Spieler der Nationalmannschaften müssen sich völlig auf ihr Gehör verlassen und auf den rasselnden Ball konzentrieren. Sehen können sie ihn nämlich nicht. Allen Athleten, ob mit starker oder weniger starker Sehbehinderung, sind die Augen abgeklebt worden oder sie tragen eine lichtundurchlässige Brille, damit alle die gleichen Voraussetzungen haben.

Niklas Klütsch ging mit ganz normalen Jeans in seine erste Goalball-Partie. Nationalteammitglied Thomas Steiger gab ihm Tipps.

Bevor sie als eines von zehn Teams zu den Paralympics nach Rio de Janeiro reisen, geht die deutsche Goalball-Nationalmannschaft hier zur Vorbereitung aufs Parkett.

Schon seit 1976 ist Goalball eine paralympische Mannschaftssportart für Menschen mit einer Sehbehinderung. Auf nationaler Ebene dürfen auch Sehende teilnehmen. Gespielt wird auf einem 18 Meter langen und neun Meter breiten Feld. Zwei Dreierteams stehen sich gegenüber. Hinter ihnen befindet sich jeweils ein Tor in der Breite des Spielfelds. Goalball wird mit der Hand gespielt und daher von manchen auch Blindenhandball genannt.

Gerade wirft sich ein Spieler dem heranfliegenden Ball entgegen. Er will ihn mit seinen Oberschenkeln stoppen, doch der Ball landet nach dreimaligem Aufsetzen in der rechten Ecke des Tors. Die Spieler strecken die Arme in die Luft, über Lautsprecher ertönt Musik, jetzt darf gegrölt werden. In der Pause des Spiels herrscht Stadionatmosphäre wie beim Fußball.

Premiere für den Fußballfan

Einer, der im Publikum sitzt und ausdauernd mitklatscht, ist Niklas Klütsch, kurz: Nik. Der 24-jährige Sportjournalismusstudent aus Köln liebt es vor allem, Fußball zu spielen. Aber in diesem Sommer begibt er sich auf fremdes Terrain und berichtet mit seinem sehbehinderten Freund Marcel Wienands als #RioMaNiacs-Reporterduo von den Paralympics. Hier in Berlin lernt er Goalball zum ersten Mal kennen. „Wie oft muss der Ball noch mal aufkommen?“ Die Regeln verwirren Nik. „Er muss dreimal aufkommen“, erläutert Johannes Günther, Trainer der deutschen Nationalmannschaft. „Ziel ist es, den Ball nicht ins Tor zu lassen und innerhalb von zehn Sekunden einen eigenen Angriff aufzubauen. Dadurch ist Goalball eine sehr dynamische Sportart.“

Nik in Aktion.

Auf die Theorie folgt die Praxis. Zusammen mit den deutschen Nationalspielern Reno Tiede, Oliver Hörauf und Thomas Steiger wirft und fängt Nik nach Turnierende selbst ein paar Bälle. Dafür muss er die lichtundurchlässige Brille aufsetzen. Die Spieler orientieren sich nur an taktilen Markierungslinien auf dem Boden und am Pfosten.

Eine Partie dauert zwei mal zwölf Minuten – Nik atmet schon nach kurzer Zeit schwer. Immens anstrengend ist das. Im Gegensatz zu den Nationalspielern, die mit Ellenbogen-, Hüft- und Knieschonern ausgestattet sind, trägt Nik nur seine Jeans. Dennoch grinst er nach dem Probespiel. „Das war wirklich eine coole Sache! Der Ball ist viel schwerer, als man denkt. Das Spiel sieht von außen so einfach aus, aber es ist schwierig, Geschwindigkeit in den Wurf zu kriegen.“ Immerhin wiegt der Ball 1,25 Kilogramm. Schaut man jedoch den Goalball-Spielern zu, sieht es so leicht aus, als würden sie lediglich die beiden kleinen Glöckchen werfen, die sich im Inneren befinden.

Am Ende freut sich das deutsche Team über seinen Sieg gegen Schweden. Während sich die deutschen Spieler an den Schultern ihres Vordermanns festhalten und hintereinander die Halle verlassen, sagt Nik: „Das hat extrem Bock gemacht. Es wäre toll, wenn ich das noch mal mit diesen Profis machen könnte!“ Die Sportart hat einen neuen Fan gewonnen.


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