„Deshalb ist Inklusion so wichtig“

Gespräch mit dem Volkswirtschaftler und Glücksforscher Professor Dr. Karlheinz Ruckriegel

 

Interview:  Astrid Eichstedt

 

Herr Professor Ruckriegel, warum interessieren sich Ökonomen wie Sie für die Erforschung des Glücks?
Ben Bernanke, der frühere Chef der US-amerikanischen Zentralbank, hat gesagt, letztlich gehe es in der Ökonomie um Happiness. Wir wollen herausfinden, welche Faktoren die subjektive Zufriedenheit beeinflussen und was wir tun können, um diese Faktoren zu stärken. Die Ökonomie untersucht, wie man mit knappen Ressourcen ein möglichst gutes Ergebnis erzielt. Die knappe Ressource ist unsere Zeit. Das Ergebnis soll ein zufriedenes, glückliches Leben sein. Wir sollten unsere Zeit nicht dafür einsetzen, ein Höchstmaß an Materiellem zu erreichen. Wenn unsere materiellen Grundbedürfnisse abgedeckt sind, führt mehr Materielles nicht zu mehr Zufriedenheit.

Warum bedeutet mehr Geld nicht mehr Glück?
Wir passen unsere Ansprüche und Ziele an die Entwicklung an, denn mit steigendem Einkommen wachsen auch die Ansprüche, sodass es zu keiner Steigerung des Wohlbefindens kommt. Die Werbung will uns einreden, dass ein Mehr an Materiellem glücklich macht. Neurobiologen haben aber festgestellt, dass ein Kauferlebnis ungefähr zehn Sekunden im neuronalen Belohnungssystem vorhält. Gelingende soziale Beziehungen sind dauerhafter und kosten kein Geld.

Menschen mit Behinderung wird oft generell unterstellt, sie seien unglücklich. Was sagen Sie dazu?
Solche Generalisierungen sind völlig falsch. Das subjektive Wohlbefinden hängt ja auch von den Zielen ab, die wir uns setzen. Auf einer Zugfahrt habe ich kürzlich einen jungen Mann getroffen, er ist Tetraplegiker, verursacht durch einen Badeunfall. Er sagte, wenn er sich an sein früheres Leben als Sporttrainer erinnere, gehe es ihm nicht so gut. Aber seit er sich auf neue Ziele konzentriert, auf seine Arbeit, sein Studium und eine bevorstehende Auslandsreise, ist er zufrieden. Deshalb ist Inklusion auch so wichtig: Dass man ­allen Menschen die Möglichkeit gibt, sich einzubringen mit den Fähigkeiten und Interessen, die sie haben.


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