Soll mehr als erfüllt

Eine Medaille, das war das Ziel von Anna-Lena Forster bei ihren ersten Paralympics im russischen Sotschi. Am Ende wurden es sogar drei. Mit zwei Silber- und einer Bronzemedaille im Gepäck, ging’s heim nach Deutschland. Rund um gelungene Spiele also – wobei zwischenzeitlich nicht alles nur glatt lief.

Anna-Lena Forster (rechts) mit Anna Schaffelhuber (Mitte) aus Deutschland und Claudia Loesch aus Österreich bei der Medaillien-Zeremonie in Sotschi.

picture alliance

Mit etwas sorgenvoller Mine sitzt Sybille Forster neben ihrem Mann Jürgen auf der Tribüne des Rosa-Chutor Alpin Zentrums. Dort finden die Ski-Alpin Wettbewerbe der Winterparalympics 2014 statt, an denen Tochter Anna-Lena teilnimmt. „Ich war schon bei einigen Weltcups mit dabei, aber ich war noch nie so aufgeregt wie hier. Es passieren teilweise so schwere Stürze, ich kann manchmal gar nicht hinschauen wenn sie fährt.“, sagt die Mutter der 18-jährigen Paralympics-Debütantin. Die Befürchtungen blieben zum Glück unbestätigt. Nur im Super-G rutschte Anna-Lena Forster in einer Linkskurve weg und schied aus. Aber der Sturz verlief glimpflich. In den vier anderen Wettkämpfen erreichte sie stets das Ziel, und das nicht nur irgendwie: Auf Platz vier in der Abfahrt folgte die Goldmedaille im Slalom, oder doch nicht? Die nach dem 1. Lauf führende Anna Schaffelhuber wurde, wegen Protest des österreichischen Teams, disqualifiziert. Videoaufnahmen sollten beweisen, dass sie sich beim Start verbotenerweise zweimal abgestoßen hätte. Da sich aber auch die Jury nicht zu 100 Prozent sicher war, durfte sie den 2. Durchgang, ohne offizielle Startnummer und mit verdeckt gestoppter Zeit, doch noch bestreiten. Über die Disqualifikation würde dann erst am nächsten Tag endgültig entschieden. Als vorläufiges Endergebnis stand Anna-Lena Forster also auf Platz 1.

Siegerehrung mit Hindernissen

Die Siegerehrung fiel aufgrund der unklaren Sachlage jedoch aus. „Das ist schade, weil es ihre erste Teilnahme und ihre erste Medaille ist. Ich habe das Gefühl, dass ihr diese Siegerehrung weggenommen wurde. Das tut mir als Mutter schon auch weh“, sagte Sybille Forster. Ihre Tochter ging mit der Situation erstaunlich entspannt um: „Ich freue mich über jede Medaille. Mir ist es egal ob es nun Gold oder Silber wird. Im Gegenteil, ich habe mir die Aufzeichnungen angeschaut und konnte keinen Regelverstoß erkennen. Es wäre unfair wenn Anna (Schaffelhuber) disqualifiziert werden würde. Außerdem höre ich die deutsche Hymne ja so oder so.“

Am nächsten Tag war dann klar: Anna Schaffelhuber hat keinen Regelverstoß begangen, ihr zweiter Lauf wird gewertet und sie hat Gold gewonnen. Anna-Lena Forster bleibt Silber. Nachdem das hin und her nun beendet war, konnte sich die Newcomerin trotzdem über ihre Medaille freuen. Das Soll war erfüllt, alles Weitere war nun Zugabe. Und die sollte üppig ausfallen: In der Super-Kombination musste sie sicher wieder nur ihrer Freundin und Zimmerkollegin Anna Schaffelhuber geschlagen geben und als dann auch noch Bronze bei ihrer, nach eigenen Aussagen, schwächsten Disziplin, dem Riesenslalom, heraussprang, war ihr Glück perfekt. Mit einer derartigen Ausbeute hatte sie nicht gerechnet, denn im Weltcup war sie nicht derart konstant aufs Podest gefahren.

Beim Empfang im heimischen Stahringen, einem Stadtteil von Radolfzell am Bodensee, legt sich der Nachwuchsstar im Alpin-Team des Deutschen Behindertensportbunds angesichts des frischen Erfolgs die Latte für die Zukunft gleich etwas höher. Sie wolle irgendwann natürlich schon mal eine Goldmedaille gewinnen, gibt Anna-Lena Forster zu Protokoll. Mit gerade 18 Jahren dürfte es dafür noch genügend Gelegenheiten geben. Die größte Konkurrenz kommt, mit der fünffachen Paralympicssiegerin aus Sotschi, Anna Schaffelhuber, ohnehin aus dem eigenen Lager. Bis zu den nächsten Spielen im südkoreanischen Pyeongchang bleibt noch genügend Zeit sich das ein oder andere abzuschauen. Man darf gespannt sein, wie sich das deutsch-deutsche Duell in den nächsten Jahren entwickelt.


Weitere Artikel

Michael Trippel, Aktion Mensch
Fit für Sotschi

Skirennläuferin Anna-Lena Forster ist 2014 erstmals bei den Paralympics dabei. Wir begleiteten sie beim Training.

zum Beitrag
Kim Keibel, Aktion Mensch
Talentscouts

Nachwuchsförderung im Schwimmsport: Ein Blick hinter die Kulissen der Herbstfinals 2013 von Jugend trainiert für Paralympics.

zum Beitrag
MENSCHEN. das magazin, Jonas Wengert
Ein ernstes Thema

Jungreporter Jonas Wengert sammelt in Moskau persönliche Eindrücke zur Situation von Menschen mit Behinderung in Russland.

zum Beitrag

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

MENSCHEN. das magazin

Autoren MENSCHEN. das magazin im ZDF

Noch kein
Geschenk?