App ins Paradies

Flirt-Apps fürs Handy sind das ganz große Ding. Besonders beliebt ist im Moment Tinder, eine App, mit der man Leute aus der näheren Umgebung kennenlernen kann. Ist das eine gute Möglichkeit, den Traummann oder die Traumfrau kennenzulernen? Oder ist es nur ein oberflächlicher Zeitvertreib? Kübra und Christian, die Moderatoren von JAM!, dem jungen Onlineangebot der Aktion Mensch, haben die App ausprobiert.

Christian studiert Germanistik und Philosophie in Bonn. Nebenbei moderiert er beim Uni-Radio – und bei JAM!.

 

 

Das Flirten nimmt die App einem nicht ab

Text Christian Loß

Vor dem Start: In meinem Freundeskreis ist Tinder schon lange ein Thema, allerdings nicht für mich. Denn ich habe die wundervollste Frau schon gefunden und bin in festen Händen. Klar, dass der App-Test nur nach einem Okay von ihrer Seite läuft. Das Gefühl, auf einmal wieder auf Flirtkurs zu sein, ist ganz schön seltsam.

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Los geht’s: Die App ist installiert, und die ersten Bilder erscheinen auf meinem Smartphone. Am Anfang betrachte ich sie noch sehr genau. Finde ich die Frau attraktiv? Was hat sie für Hobbys? Je länger ich mich aber durch die Fotos wühle, desto härter werden meine Urteile. Unscharfes Bild? Weg. Selfie im Badezimmer? Weg. Pferdemädchen? Weg. Nach so einer Tinder-Session erschrecke ich vor mir selbst. Bin ich wirklich so oberflächlich? Vielleicht sind das ja superliebe Menschen, und das Foto ist einfach nicht so der Brüller. Und andersherum? Bin ich vielen Frauen im Umkehrschluss nicht gut, attraktiv oder interessant genug?

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Das erste Match: „Du und Janine stehen aufeinander“ – yeah! Mein erstes Match! Ich feiere es als Erfolg und fühle, wie mein Ego sich auf die Schulter klopft. Und jetzt? Nach einem Match muss man selbst die Initiative ergreifen. Also unterhalte ich mich mit Janine, versuche, witzig und cool zu wirken, was nur so halb klappt. Aber es entwickelt sich ein nettes Gespräch über Musik, Reisen und Lebensträume. Mit anderen Matches chatte ich auch, aber das Meiste verläuft nach kurzer Zeit im Sand.

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Der Spaßfaktor: Die App nimmt einem nicht das Flirten ab. Habe ich ein Match, heißt das, dass ich die Frau gut finde und sie mich auch. Ich muss also keine Angst haben, von vornherein abgewiesen zu werden. Das schafft Selbstbewusstsein und macht es einfacher, locker ins Gespräch zu kommen.

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Fazit: Nett, aber doch sehr oberflächlich. Für einen ersten Kontakt ist die App hilfreich. Ob das Interesse dann bestehen bleibt, ist offen.

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Kübra studiert Heilpädagogik in Bochum und spielt leidenschaftlich gern Theater. Auch bei JAM! schlüpft sie in unterschiedlichste Rollen.

Der Unterhaltungswert ist hoch

Text Kübra Sekin

Vor dem Start: Partnerbörsen haben mich noch nie angesprochen – viel zu oberflächlich, fand ich. Dass ich jetzt ausgerechnet eine Flirt-App testen soll, ist die perfekte Gelegenheit, mich mal vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Mal sehen, was passiert.

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Los geht’s: Wie komme ich wohl bei den Herren an, wenn man gleich sieht, dass ich eine Behinderung habe? Das will ich testen und lade erst mal Fotos von mir hoch, auf denen der Rollstuhl ganz offensichtlich ist. Ergebnis: zwei Matches in zwei Tagen. Im Vergleich zu meinen Freundinnen erscheint mir das doch recht wenig. Also nehme ich die Rollifotos wieder raus und setze stattdessen Bilder ein, auf denen nur mein Gesicht zu erkennen ist. Und zack: In den nächsten fünf Tagen habe ich fünfzehn Matches.

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Das erste Match: Ich warte erst mal ab, ob sich jemand zum Chatten meldet. Selbst schreibe ich kein Match als Erste an – ich finde, dass der Mann den ersten Schritt machen sollte. Tatsächlich kontaktieren mich zwei Männer. Sehr tiefgründig sind die Gespräche nicht, eher eine Art Small Talk. Schnell stelle ich fest, dass beide Herren wohl nur auf der Suche nach Spaß im Bett sind. Was nicht heißen soll, dass alle Nutzer diese Intention haben!

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Der Spaßfaktor: Unterhaltsam ist die App auf jeden Fall! Auch meine Freunde hängen an meinem Smartphone und sind herrlich damit beschäftigt, mir bei der Suche zu helfen. Vielleicht melden sich manche Nutzer ja einfach wegen des Spaßfaktors an. Das unverbindliche Flirten gibt Bestätigung, verpflichtet aber zu nichts.

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Fazit: Meine Meinung über Partnerbörsen hat Tinder nicht geändert. Mir ist es lieber, jemanden live kennenzulernen. So kann man am besten herausfinden, ob es passt.

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