„Ein Familienmythos wird aufgebaut“

Im Interview erklärt Prof. Dr. Peter Kaiser vom Institut für Familienpsychologie Oldenburg den Mechanismus von Familiengeheimnissen.
 

Prof. Dr. Peter Kaiser ist Psychologe ist Professor für Psychologie  und Pädagogik an der Universität Vechta und Leiter des Instituts für Familienpsychologie in Oldenburg.

Herr Professor Kaiser, warum wurde nach dem Ende des Dritten Reiches in vielen Familien nicht über eine Mitschuld an Naziverbrechen gesprochen?

Das Problem ist, dass Väter, die sich schuldig gemacht haben, in einen Rollenkonflikt geraten: Sie glauben, ihre Taten vertuschen zu müssen, damit die eigene familiäre Rolle als Autoritätsperson nicht ins Wanken kommt.

Die eigenen Verfehlungen werden geheim gehalten.

Oder es wird den anderen Familienmitgliedern ein Redeverbot darüber erteilt. In der Regel aber wird ein Familienmythos aufgebaut und mit der Einhaltung der Schweigeregel stabilisiert. Das dient vor allem dazu, das Selbstbild nach innen wie nach außen aufrechtzuerhalten.

Fragen nach der Vergangenheit würden da stören.

Ja, denn sie würden vor allem das emotionale Gleichgewicht treffen. Die Familienloyalität wird daher erzwungen. Wenn die Kinder gar nicht erst nach der Vergangenheit fragen, ist dieser Zwang allerdings auch nicht nötig.

Warum entsteht oft gar nicht erst der Antrieb, diese Fragen zu stellen?

Das hat dann meist mehrere Gründe. Einer davon ist Mitleid mit dem Vater: Hemmungen, ihm zu nahe zu treten. Im Privaten spielt eine wichtige Rolle auch die Angst, dass die Schuld gewissermaßen einen selbst ebenfalls trifft. Denn Kinder – egal welchen Alters – sehen sich meist als ein Teil ihrer Eltern. Es fördert nicht gerade den Selbstwert, wenn man erfährt, dass der Vater während der Nazizeit in Verbrechen verwickelt oder daran beteiligt war – ganz egal, worum es sich dabei genau handelte.


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