Wenn einer stirbt ...

Ihr Mann war erst 48 Jahre alt, als er starb. 30 Jahre lang waren die beiden ein Paar. Jutta Gillner erzählt, was sein Tod für sie und ihre drei Kinder bedeutete und wie sie die Zeit danach erlebten.
 

Jutta Gillner

priv., MENSCHEN. das magazin

„Am Tag seiner Beerdigung wäre mein Mann Harald 49 Jahre alt geworden. Dass er sterben würde, wussten wir, aber nicht, wie schnell. Ein Jahr hatten wir noch zusammen nach der Diagnose. In der Zeit haben wir viel mit unseren Kindern gesprochen. Nicht so sehr über den Tod, sondern über unser Leben, wie wir uns kennengelernt haben, unsere Liebe: Mit 16 habe ich Harald kennengelernt und mich in sein Lachen verliebt. Wir haben geheiratet, und dann kamen unsere drei Kinder, die beiden älteren sind über 20, das jüngste ist 13. Wir waren 30 Jahre lang sehr glücklich miteinander. Alleinerziehend wollte ich nie sein! Ich war sicher, dass ich das nie schaffen würde. Ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen, war immer eine Prinzessin und habe mir so manches gerne abnehmen lassen. Seit mein Mann tot ist, musste ich schlagartig erwachsen werden. Meine Tochter hat sich an seinem Todestag ins Bett verkrochen und sich zusammengerollt wie ein Fötus. Der Älteste tat an dem Tag so, als wäre nichts passiert. Bis heute spricht er nicht darüber und lehnt alles ab. Ich fürchte, er wird dadurch irgendwann krank werden. Beim Jüngsten hat es elf Monate gedauert, bis er sagen konnte, dass sein Papa tot ist. Er war wie ein angefahrenes Tier, was sich verkriechen musste – es tut zu weh, darüber mit anderen zu sprechen. Ich selbst war in der Zeit danach so befangen, musste mich selbst sortieren – ohne die Unterstützung von Familie und Freunden wäre das unmöglich gewesen! Wir sind gut aufgefangen worden, haben eine große Familie, die parat stand, für uns gekocht und gesorgt hat. ‚Die Kühltruhe war noch nie so voll!’, hat der Große damals festgestellt. A) wollen alle helfen! B) ist jeder insgeheim froh, dass sein eigenes Leben unbeschadet weitergeht. Und während sie ihr Leben weiterleben, hat sich unseres verändert. Gerettet hat uns die Trauergruppe Sternenland. Besser geht es uns erst seit ein paar Monaten. Wenn einer stirbt, wollen wir Hoffnung, dass es weitergeht und die Seelen sich wiedertreffen. Mein Mann hat gehofft, dass wir uns wiedersehen. Ich glaube das auch und sehe uns beide auf einer Wolke sitzen.“

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