Familienpflege

Almut Guercke-Bellinghausen, 45, ist Krankenschwester im Palliativdienst und pflegt mit Unterstützung ihrer Familie und Freunden der Eltern ihre an Demenz erkrankte Mutter.
 

Almut Guercke-Bellinghausen möchte, dass ihre Mutter so lange wie möglich bei sich Zuhause leben kann.

priv., MENSCHEN. das magazin

„Meine Mutter ist mit 65 Jahren an Morbus Pick erkrankt. Trotz ihrer schweren Demenz ist sie immer noch unglaublich lieb, lacht viel und wirkt sehr glücklich. Ich habe das Gefühl, dass sie keine Sorgen mehr hat. Meine Mutter erkennt mich nicht mehr. Dies wird dadurch erträglicher, dass sie mich trotzdem liebt und küsst. Es ist mein großes Glück, dass ich Privatleben mit der Pflege und Betreuung meiner Mutter verbinden kann. Mir liegt sehr am Herzen, dass wir die Pflege meiner Mutter zu Hause gewährleisten, solange wir es schaffen – dies ist der beste Ort für sie, finde ich. Über das Thema hatten wir vorher in der Familie höchstens einmal im Scherz gesprochen. Mittlerweile gibt es bei uns eine recht klare Aufgabenverteilung. Ich organisiere alles und kümmere mich zwei- bis dreimal die Woche um die körperliche und medizinische Versorgung meiner Mutter, erledige Besorgungen, den Haushalt, Arztbesuche und vieles mehr. Bei Bedarf bleibe ich auch über Nacht. Trotzdem habe ich starke Schuldgefühle, wenn es meiner Mutter nicht gut geht und ich meine Eltern alleine lassen muss. Dann denke ich darüber nach, bei ihnen einzuziehen. Einmal die Woche ist sie bei meinem Bruder zu Hause, sodass mein Vater Freiraum hat. Es ist uns wahnsinnig wichtig, dass es ihm gut geht. Am Wochenende kochen wir immer zusammen und machen einen kompletten Familiensonntag. Unterstützung haben wir von unseren Partnern und Kindern. Auch der Freundeskreis meiner Eltern beteiligt sich aktiv. Dieser Zusammenhalt gibt mir ein wunderbares Gefühl. Natürlich weine ich manchmal, wenn mir bewusst wird, dass Demenz eine Krankheit ist, die zum Tode führt, und ich keine Kraft mehr habe. Momentan ist meine Work-Life-Balance in eine gewaltige Schräglage geraten – die hohe Belastung in meinem Dienst als Krankenschwester, dazu mein Privatleben, das auch immer ein bisschen wie Work erscheint. Ich hatte mir sehr viel vorgenommen für die Zeit, wenn mein Sohn groß ist: nähen und Russisch lernen, über die Alpen wandern und ganz viel tanzen, dafür habe ich jetzt keine Zeit. Berufstätigkeit und ständige Bereitschaft zu vereinbaren, ist die größte Herausforderung, ebenso der ‚Überpräsenz‘ von Krankheit und Sterben in meinem Leben einen gesunden Ausgleich gegenüberzustellen, mich selbst nicht zu vergessen – diesen Spagat bekomme ich oft nicht so gut hin. Durch die Krankheit meiner Mutter habe ich aber auch deutlich vor Augen geführt bekommen, was Liebe bewegen kann und möglich macht.“

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