Verändern Emojis unsere Sprache?

Werden Emojis unser Sprechen beeinflussen? Sprachwissenschaftler Michael Beißwenger ist Experte für digitale Kommunikation und bleibt ganz entspannt.
 

Michael Beißwenger (43) arbeitet seit Februar 2016 an der Universität Duisburg-Essen. Ihn beschäftigt, wie sich unsere Sprache entwickelt.

Professor Beißwenger, welchen Zweck erfüllen Emojis aus der Sicht eines Sprachwissenschaftlers?

Wenn wir uns unterhalten, nutzen wir alle Sinne, um die Signale des Gegenübers zu erfassen. In der Schriftlichkeit fällt das weg. Emojis helfen uns, das zu kompensieren.

Wie werden Emojis verwendet?

Emojis werden selten in einen Satz integriert. Im Gegensatz zu Wörtern können sie nicht gebeugt und damit nur sehr begrenzt in Sätze eingepasst werden. Die Möglichkeit der Kombination mit Wörtern ist auch eingeschränkt, weil Emojis als Bildzeichen oft mehrere Deutungen zulassen. Im Einzelfall kommen solche Verwendungen aber vor. Letztens habe ich zum Beispiel meiner Frau eine WhatsApp geschickt, nachdem ich an einem Flughafen gelandet war. Da nutzte ich ein Flugzeug-Emoji und danach die Worte „ist gelandet“. Ich habe ein Emoji also syntaktisch integriert.

Warum gibt es immer neue, vielfältigere Motive?

Die Entwicklung ist am Bedarf orientiert. Weil die Nutzer Emojis hochfrequent verwenden, werden die Emoji-Inventare, die Nutzern in Anwendungen wie WhatsApp zur Verfügung stehen, sukzessive um weitere Zeichen erweitert.

Gibt es Bedenken gegen Emojis?

Man begegnet bisweilen Befürchtungen, dass die schriftliche digitale Kommunikation insgesamt zu einem Verlust an Ausdrucksmöglichkeiten führen könnte oder dass Jugendliche an Sprachfertigkeit verlieren. Allerdings ist digitale Kommunikation nicht zu vergleichen mit dem Schreiben längerer, monologischer Texte. In Unterhaltungen per WhatsApp oder Ähnlichem werden Botschaften als Dialoge verfasst. Sie sind ähnlich spontan wie familiäre Gespräche. Die Gefahr, dass Emojis in monologische Texte einfließen, sehe ich nicht.

Bedrohen die Bildzeichen die Vielfalt unserer Sprache?

Nein, das denke ich nicht. Emojis sind eine praktische Erweiterung unserer schriftlichen Mittel für Zwecke der privaten dialogischen Kommunikation. Es gibt Versuche, Geschichten nur mit Emojis zu erzählen, zum Beispiel bei „Emoji Dick“. Die Geschichte kann man aber nur verstehen, wenn man das Original danebenlegt und Satz für Satz vergleicht. Den Gedanken, dass wir irgendwann nur noch mit Emojis sprechen, halte ich für Quatsch. Denn mit der Sprache steht uns ein viel differenzierteres Instrument zur Verfügung.

Was ist Ihr Lieblingsemoji?

Ich habe sogar drei: die Hand mit dem gereckten Daumen, das grinsende Gesicht mit Sonnenbrille und der auf dem Kopf stehende lächelnde Emoji.


Weitere Artikel

Zeig`s mir!

Manche Zeichen des Fingeralphabets werden von gehörlosen wie von hörenden Menschen benutzt. Was sie bedeuten? Raten Sie mit! Wir haben die Auflösung.

Sprechende Hände
Das Lachen der Anderen

In der Sendung „Das Lachen der Anderen – Comedy im Grenzbereich“ werden Gags über und für Minderheiten gemacht. Sinnvoll oder grenzwertig?

Comedy im Grenzbereich
Trendhobby Cosplay

Elfen, Monster, Superhelden, Feen oder Roboter: Beim Trendhobby Cosplay zählt nur das phantasievolle Kostüm, nicht die Behinderung.

Besuch bei den Spielern

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

MENSCHEN. das magazin

Autoren MENSCHEN. das magazin im ZDF

Noch kein
Geschenk?