Apps & Co, die helfen

Technik ist nicht alles. Aber sie kann helfen, Barrieren zu überwinden. Wir stellen einige von vielen interessanten Projekten vor.
 

Björn Schneider, Leiter des Bereichs Marketing bei der Aktion Mensch, hat sich als sehender Helfer bei der App Be My Eyes registriert.

Einen Augenblick, bitte!

Per Videochat vernetzt die AppBe My Eyes“ sehbehinderte Menschen mit Sehenden, die bereit sind, spontan zu helfen. Ein Sehender erzählt von seinem ersten Mal.

Ich hatte von der App gehört und war neugierig“, sagt Björn Schneider. Die Handhabung fand er erfreulich einfach: App installieren, bei der Registrierung ein paar Angaben hinterlegen – beispielsweise zu Sprachkenntnissen, falls jemand aus einem anderen Land eine Frage hat – und fertig. Viel Erfahrung im Kontakt mit blinden Menschen hatte der 43-jährige Bonner nicht, braucht man aber auch nicht. Einige Wochen nach der Installation bekam Björn Schneider den ersten Anruf der App. Er nahm das Gespräch an, und sofort baute sich eine Videoverbindung auf. Am anderen Ende der Leitung war eine Frau aus Marburg. Ob er gerade Zeit habe? Sie habe einige Dosen und Gläser mit Lebensmitteln gekauft, die sie gerne mit Brailleetiketten beschriften würde. Dafür müsste sie wissen, was jeweils drin ist. Los ging’s. „Ich sagte ihr, wie sie die Dosen drehen sollte, damit ich sie gut sehen konnte, und las dann die Aufschriften vor.“ Zwischendurch legte die Frau ihr Smartphone immer wieder zur Seite, während sie die Brailleetiketten stanzte und aufklebte. Als alles beschriftet war, blieb sogar noch Zeit für eine kurze Plauderei über asiatische Gerichte, für die die Zutaten offenkundig bestimmt waren.

Für seine Hilfe bekam Schneider 30 Punkte in seinem Profil gutgeschrieben. Bei 150 Punkten wird er das nächste Level erreichen. „Mir gefällt dieses spielerische Element. Es spornt mich an“, sagt Schneider. Dass er den nächsten Anruf eine Woche später verpasste, hat ihn daher gewurmt.

www.bemyeyes.org


Mika Corbis, MENSCHEN. das magazin

Einfache Prothesen aus 3-D-Druck

Eine individuell angefertigte Hand- oder Beinprothese kostet in der Regel viele Tausend Euro. Die Technik des 3-D-Druckes könnte das ändern – zumindest für Modelle, die Grundfunktionen wie Essengreifen oder Schuhebinden leisten. Auch Rampen für Rollstuhlnutzer, die in jeden Rucksack passen, lassen sich so fertigen.

www.tinyurl.com/rollstuhlrampe


Photoshot/dpa, MENSCHEN. das magazin

Von A nach B mit dem OpenRouteService

Asphalt oder Kopfsteinpflaster, Bordsteinhöhe und Steigung: Im OpenRouteService können Menschen mit Mobilitätseinschränkung planen, auf für sie geeigneten Wegen von einem Ort zum anderen zu kommen. Das Onlinetool basiert auf Daten, die Freiwillige seit 2008 sammeln. Die Arbeitsgruppe Geoinformatik an der Universität Heidelberg entwickelt OpenRouteService weiter, unterstützt unter anderem durch CAP4Access der Europäischen Union. Das Ziel: mehr Daten sammeln – und die Smartphone-Anwendung aus der Testphase bringen.
 
www.openrouteservice.org,
http://cap4navi.geog.uni-heidelberg.de/app
 


equalizent, MENSCHEN. das magazin

SiGame - Gebärden im Spiel lernen

Aller Anfang ist – leicht. Mit der App SiGame kann man seit Anfang 2014 Gebärdensprache lernen und üben, egal ob man hörend oder gehörlos ist, Kind oder Erwachsener. SiGame gibt es in Deutscher und Amerikanischer Gebärdensprache sowie International Sign. Über 33.000-mal wurde die App bereits heruntergeladen. Die Angebote sollen ausgebaut werden, unter anderem mit einer App in Österreichischer Gebärdensprache.

www.sigame-app.com


Die Kraft der Gedanken -
Tangible User Interfaces und Brain Computer Interfaces

In manchen Erlebnismuseen kann man es schon ausprobieren und einen Gegenstand nur mit der Kraft der Hirnströme lenken. Bionikforscher arbeiten an deutlich komplexeren Anwendungen. So haben beispielsweise Forscher an der Medizinischen Universität Wien entsprechende Handprothesen entwickelt und drei Probanden, die ihre Hände nach einem Unfall nicht mehr nutzen konnten, eine interaktive Schnittstelle zwischen Gehirn und  Prothese implantiert. Nun trainieren die Männer ­intensiv.

Die Computernutzung erleichtern können Tangible User Interfaces. Sie ermöglichen Interaktion mithilfe von Gegenständen. So entwickelte etwa PIKSL ein puzzleartiges Steckelement, mit dem eine Videotelefonieverbindung aufgebaut werden kann.

www.piksl.net/projekt-details/articles/84.html
tangible.media.mit.edu


Weitere Artikel

Inklusion durch Technik

Der Designforscher Tom Bieling hat die Lorm Hand entwickelt, mit der taubblinde Menschen über größere Entfernungen kommunizieren können.

Beitrag Lormhand
Darf ich so bleiben, wie ich bin?

Jürgen Wiebicke beschreibt die Auswirkungen der zunehmenden Möglichkeiten zur Selbstoptimierung auf die menschliche Würde.

Der Mensch 2.0
Der App-Versteher

Der blinde Informatiker Jan Blüher, Experte für barrierefreie Anwendungen, programmiert nützliche Apps für blinde und sehbehinderte Menschen.

Porträt Jan Blüher

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

MENSCHEN. das magazin

Autoren MENSCHEN. das magazin im ZDF

Noch kein
Geschenk?