An die Arbeit

Eine Arbeitsstelle zu finden, ist eine Herausforderung. Umso mehr, wenn man sich als Mensch mit Behinderung bewirbt. Petra Strack von der Aktion Mensch, gibt praktische Tipps.

Frau hält sich Papiere vor Mund und Nase
Mann im Rollstuhl im Büro

Behinderung angeben?
Das ist die wohl häufigste Frage von Menschen mit Behinderung, die sich bewerben möchten. Ein klares Ja oder Nein gibt es nicht, stattdessen aber die grundsätzliche Empfehlung, die für jede Bewerbung gilt: Schreiben Sie nur das, was relevant ist. Hat die Behinderung Auswirkungen auf die Ausübung der Tätigkeit, die Sie anstreben, sollten Sie von Anfang an mit offenen Karten spielen – zum Beispiel, wenn Sie wegen Ihrer Behinderung nur in Teilzeit arbeiten können. Gibt es keine direkten Auswirkungen oder können diese durch technische Anpassungen ausgeglichen werden, bietet die Angabe der Behinderung in der Bewerbung keinen Mehrwert an Informationen. Man kann sie also ruhig unerwähnt lassen und geht damit auch nicht das Risiko ein, dass zukünftige Arbeitgeber aufgrund von Berührungsängsten eine Absage erteilen.

Qualifikationen in den Vordergrund
Bei einer Bewerbung sollten Sie selbst und Ihre Qualifikationen im Vordergrund stehen. Überzeugen Sie ihr Gegenüber davon, dass die Behinderung eine unbedeutende Nebensache ist, indem Sie sie selbst als solche wahrnehmen und darstellen. Konzentrieren Sie sich auf Ihren Ausbildungshintergrund, Ihre bisherigen beruflichen Stationen und Ihre persönlichen Stärken.

Zeigen Sie Selbstbewusstsein
Listen Sie vor dem Gespräch all Ihre Stärken und Fähigkeiten auf und überzeugen Sie zuerst sich selbst davon, dass Sie die Idealbesetzung sind. Dieses Gefühl können Sie dann auch auf Ihren Gesprächspartner übertragen. Überlegen Sie auch, worin Sie vielleicht gerade wegen Ihrer Behinderung besonders gut sind: zum Beispiel ein besonderes Organisationstalent, weil Sie mit persönlicher Assistenz leben? Erklären Sie Ihrem Gesprächspartner, wie sich diese Stärken herausgebildet haben und warum sie im Job ein Vorteil sind.

Zwei Frauen im Gespräch im Büro, eine davon mit geistiger Behinderung

Berührungsängste nehmen
Ihr Gesprächspartner wird aufgrund von Berührungsängsten oder aus Angst, diskriminierend zu erscheinen, manche Dinge nicht ansprechen. Versuchen Sie, diese Unsicherheiten zu erahnen und vorwegzunehmen, indem Sie an passender Stelle Erläuterungen geben: Was ist zum Beispiel eine Arbeitsassistenz?

Einschränkungen konkret nennen
Werden Sie konkret, wenn es um Einschränkungen geht und darum, wie Sie diese ausgleichen. Je offener Sie mit diesem Thema umgehen, desto mehr Sicherheit gewinnt Ihr Gesprächspartner. Er muss dann nicht befürchten, dass Sie etwas verheimlichen und es nach der Einstellung ungeahnte Schwierigkeiten gibt.

Stärken und Schwächen
Nennen Sie bei der Frage nach Ihren Schwächen nicht Ihre behinderungsbedingten Einschränkungen. Auch hier gilt, dass es um Ihre Persönlichkeit geht, nicht um Ihre Behinderung. Fokussieren Sie daher auf eine Ihrer persönlichen Schwächen, wie zum Beispiel schlechtes Zeitmanagement. Wichtiger als die Schwäche, die Sie nennen, ist sowieso, ob Sie ihrem Gegenüber glaubhaft machen können, dass und wie Sie daran arbeiten.

Fördermöglichkeiten zeigen
Erwähnen Sie Fördermöglichkeiten durch die Agentur für Arbeit oder andere Stellen nur, wenn es nötig ist, um Mehrkosten zu kompensieren. So zum  Beispiel  für technische Arbeitsplatzanpassungen wie elektrische Türöfner oder Rollstuhlrampen. Sie wollen schließlich aufgrund Ihrer Qualifikationen und Ihrer Persönlichkeit eingestellt werden, nicht, weil der Arbeitgeber einen Lohnkostenzuschuss erhält. Bieten Sie auch an, sich um diese Anpassungen im Wesentlichen selbst zu kümmern. So können Sie zeigen, dass Sie eigenverantwortlich agieren und keinen Mehraufwand, sondern einen echten Mehrwert für Ihren Arbeitgeber bedeuten.


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