Gemeinsam unterwegs

Wer im Urlaub Unterstützung braucht, kann sich auf spezialisierte Reiseassistenten verlassen.
 

Für ihren Aktivurlaub in den Bergen nimmt Elke Paul (rechts) die Hilfe der Reiseassistentin Janina Klauck (links) in Anspruch.

Text Karin Vogelsberg

Foto Stephan Gawlik und Karolina Koprek

 

Elke Paul reist gern. Sie hat schon Wanderurlaube auf Kreta, Elba, Lesbos und Madeira verlebt. „Als Nächstes steht Norwegen auf dem Programm“, erzählt die 50-jährige Mannheimerin. Elke Paul ist blind, ihr Mann Ralf Kräft stark sehbehindert. Dass steinige Pfade und wacklige Brücken für sie nicht zu unüberwindlichen Hindernissen werden, liegt daran, dass sich das Paar einer Reiseassistenz anvertraut.

Reiseassistenten sorgen dafür, dass Menschen mit Behinderung unterwegs genau die Hilfe bekommen, die sie brauchen – sei es im Urlaub, auf Geschäftsreise oder beim Verwandtenbesuch in einer anderen Stadt. Man kann die Begleiter über Assistenzbörsen, Vermittler oder Reiseanbieter buchen. Gerade im Tourismussektor gibt es inzwischen zahlreiche Veranstalter, die assistierte Reisen anbieten. Elke Paul und ihr Mann sind beispielsweise schon mehrmals mit „VisionOutdoor e. V.“ in die Ferien gefahren, einem Verein, der Naturreisen für blinde und sehbehinderte Menschen organisiert. Andere Veranstalter haben sich auf Menschen mit Körper- oder Lernbehinderung spezialisiert.

Unterschiede gibt es nicht nur, was die Zielgruppe betrifft: Manche Reiseunternehmen arbeiten mit Begleitern zusammen, die eine pflegerische Ausbildung haben. Andere rekrutieren ihre Mitarbeiter aus unterschiedlichen Berufsbereichen und schulen sie selbst. Auch das Kennenlernen zwischen Assistenten und Reisenden verläuft je nach Anbieter und Reiseart unterschiedlich. Bei Gruppenreisen ist es üblich, dass man sich erst am Flughafen oder am Urlaubsort trifft. Reisen Gast und Assistent allein, ist das vorherige Kennenlernen sinnvoll, um abzuchecken, ob die Chemie stimmt. In der Regel sind assistierte Fahrten teurer als ein konventioneller Urlaub, weil die Gäste die Reise für die Begleiter zumindest anteilig mitbezahlen müssen. Immerhin gibt es Möglichkeiten, einen gewissen Prozentsatz der Kosten erstattet zu bekommen, etwa indem man sie steuerlich geltend macht. „Die Mehrkosten für eine Reiseassistenz lohnen sich aber auf jeden Fall, vor allem bei Reisen ins Ausland“, meint Elke Paul. „Als Blinder sieht man die Umgebung nicht und kann die Menschen schwer einschätzen. Bei einer organisierten Tour erleben mein Mann und ich viel mehr und haben die Möglichkeit, fremde Kulturen kennenzulernen.“

 Die Ansprüche der Reisenden an die Begleitung sind sehr verschieden. In einem Punkt sind sich aber alle einig: Assistentin oder Assistent müssen hundertprozentig zuverlässig sein. „Fingerspitzengefühl, Ausdauer, Kommunikationsstärke, Dienstleistungsorientierung und Flexibilität“, listet Ralf Zimmerbeutel von der Agentur „Die Reisebegleiter“ weitere entscheidende Fähigkeiten auf. „Bei jeder Reise geschieht Unvorhersehbares. Damit muss ein guter Reisebegleiter umgehen können.“ Das sieht auch Janina Klauck so. Die Studentin hat vier Reisen für blinde Menschen begleitet und dabei gelernt, sich auf unterschiedliche Charaktere und Bedürfnisse einzustellen: „Der eine will selbst in den Speisesaal gehen, der andere abgeholt werden. Einige preschen bei den Wanderungen unerschrocken vor, andere halten sich eng an mich“, erzählt die 23-Jährige. Inzwischen kann sie einschätzen, wie sie jedem am besten gerecht wird.

Elke Paul etwa schätzt es, wenn sie klare Ansagen bekommt, damit sie nicht über Hindernisse stolpert. Und wenn die Begleiter anschaulich beschreiben, was sie sehen. Es muss genügend Zeit sein, Obst, das am Weg wächst, auch mal in die Hand zu nehmen und zu probieren oder im Museum Ausstellungsstücke zu ertasten. Die Sozialpädagogin erwartet, dass sie dort Hilfe bekommt, wo sie nötig ist – „aber gegen eine Betreuung würde ich mich wehren. Die Assistenten sollen mich begleiten, nicht bevormunden“.


Weitere Beiträge

Unterwegs am Berg helfen Freunde weiter, wo der Rollstuhl streikt.
Urlaub ohne Eltern

Für Kinder und Jugendliche mit Behinderung, die Ferien ohne Mama und Papa wollen, gibt es noch wenige, aber immer mehr Angebote.

Zum Beitrag
In der Welt der Stille

Zwei Deutsche, die in Washington D.C. an der weltweit einzigen Universität für Gehörlose studieren, fühlen sich dort gut sehr wohl.

Beitrag Gehörlosenuni
Roland, Stefan und Oswald Utz (von links) bringen so manches ins Rollen
Die Wegbereiter

Drei Brüder führen ein umtriebiges Leben. Sie engagieren sich im Sport, im Beruf und im Privatleben. Alle drei haben Glasknochen.

Utz-Brüder

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

MENSCHEN. das magazin

Autoren MENSCHEN. das magazin im ZDF

Noch kein
Geschenk?