Gleiches Recht bei der Arbeit

Der erste Arbeitsmarkt bleibt Menschen mit Behinderung oft versperrt. Dabei steht der Inklusion eigentlich nichts im Weg, sagt Dr. Oliver Tolmein. Immerhin erhalten viele Arbeitgeber eine attraktive Förderung.

Paragraphenzeichen

Noch schwieriger als ein inklusives Schulsystem scheint die Schaffung eines inklusiven Arbeitsmarkts. Dabei gibt es neben der Beschäftigungspflicht viele Fördermöglichkeiten, die eine Anstellung von Menschen mit Behinderung attraktiv machen sollen. Dazu gehören Zuschüsse zu den Lohnkosten, finanzielle Hilfen, um Arbeitsplätze an die besonderen Bedürfnisse anzupassen, und die Übernahme der Kosten für einen Assistenten.

Ein Mensch mit Lernschwierigkeiten kann zum Beispiel Anspruch darauf haben, dass das Integrationsamt einen Coach bezahlt, der ihm zeigt, wie er als Bürobote die Post zuverlässig verteilt. Gebärdensprachdolmetscher können gehörlosen Mitarbeitern als Arbeitsassistenten die Kommunikation mit Kollegen und Kunden erleichtern. Und wenn die berufliche Weiterqualifizierung einer behinderten Mitarbeiterin von der Agentur für Arbeit gefördert wird, ist das auch ein Gewinn für den Arbeitgeber. Oftmals wissen aber gerade kleine Unternehmen gar nicht, welche Chancen sich ihnen durch die Beschäftigung von Rollstuhlfahrern, Blinden oder Menschen mit Lernschwierigkeiten bieten.

Was aber tun, wenn Unternehmen weder durch ihr Interesse an Diversity, noch durch eine resolute Schwerbehindertenvertretung oder die Aussicht auf hochqualifizierte, motivierte Mitarbeiter davon zu überzeugen sind, Menschen mit Behinderung einzustellen? Dann bietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen. Die Benachteiligung wegen der Behinderung ist gesetzlich in der Regel verboten. Ausnahmen gelten für Berufe mit besonderen körperlichen, geistigen oder psychischen Anforderungen: Strafrichter dürfen nicht blind sein, Dachdecker müssen klettern können.

Allerdings ist es nicht einfach, zu beweisen, dass man wegen der Behinderung benachteiligt worden ist. Dass man ein paar Dutzend Bewerbungsverfahren erfolglos durchlaufen hat, reicht dafür jedenfalls nicht aus. Hat die Personalabteilung allerdings kritische Bemerkungen zur Behinderung gemacht, fand das Bewerbungsgespräch mit der Rollifahrerin in einem nur über Treppen zugänglichen Raum statt oder gab es für den gehörlosen Bewerber keinen Gebärdensprachdolmetscher, sieht die Lage rechtlich besser aus. Einen Arbeitsvertrag erzwingen kann man aber nicht, bestenfalls gibt es ein paar Tausend Euro Schadenersatz und die Hoffnung, dass der verklagte Arbeitgeber aus dem Prozess lernt.


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