Hilfe, mein Kind ist in der Pubertät!

Die Hirnanhangdrüse ist an allem schuld. Wenn sie Hormone losschickt, bricht die Lebenszeit an, die man Pubertät nennt. Dann werden lammfromme Kinder zu Monstern und Eltern zu ratlosen Marionetten. Ein Telefonat zweier Mütter von Teenagern.
 

Bildausschnitt zeigt Achselhöhle einer Jugendlichen, aus dem ein Gräserstrauß wächst

Text Silke Burmester

A: „Hallo Brigitte, gut, dass du anrufst! Diese Pubertät macht mich wahnsinnig! Wie hast du das mit deinen fünf Kindern bloß geschafft? Ich dreh ja schon bei zweien durch!“

B: „Gelassen bleiben, liebes Kind, gelassen bleiben!“

A: „Ich weiß aber nicht, wie ich in diesem Wahnsinn gelassen bleiben soll! Finn verhält sich mit seinen 14 Jahren, als wäre sein Hirn abgeschaltet, und Lea hat nichts als ihren Freund im Kopf. Es heißt nur noch: Jannis, Jannis, Jannis.“

B: „So ist das eben mit der ersten Liebe! Ist Jannis denn nett?“

A: „Gute Frage! Wenn er da ist, verschwinden sie gleich in Leas Zimmer. Ich dachte, am Wochenende könnten wir mal zusammen frühstücken, um ihn näher kennenzulernen.“

B: „Und, hat nicht geklappt?“

A: „Die beiden haben bis zwei Uhr im Bett gelegen. Da hatten wir natürlich längst gefrühstückt. Kannst dir ja vorstellen, wie Christians Laune war. Einen knatschigen, eifersüchtigen Ehemann darf ich dann auch noch aufmuntern!“

B: „Kann ich mir vorstellen. Ich bin froh, dass ich nur eine Tochter habe. Mit den Jungs ist das alles einfacher. Ich erinnere mich noch, als Anna ihren ersten Freund mitbrachte. Da hat sich Rüdiger aufgeführt, als ginge das Abendland unter. Ich hab dann die Jungs losgeschickt, dass sie mit ihrem Vater Squash spielen gehen. Das hat geholfen.“

A: „Klingt super. Würde aber bedeuten, dass Finn sein Handy losließe. Momentan ein Ding der Unmöglichkeit. Ich weiß nicht, wie der das macht. Er bekommt nichts auf die Reihe. Gibt Schulzettel nicht ab, vergisst sein Fahrrad am Bahnhof, geht ohne Klarinette zum Musikunterricht, aber sein Handy hat er immer dabei. Ich glaube manchmal, ich könnte neben ihm sterben und er würde das erst merken, wenn es als WhatsApp-Nachricht erscheint.“

B: „Tut ihr denn nichts dagegen?“

A: „Wir versuchen es. Mit anderen Eltern wollten wir sogar ein Handyverbot an der Schule durchsetzen, aber dafür gab’s keine Mehrheit.“

B: „Unternimmt er denn manchmal noch was mit euch?“

A: „Mit Ach und Krach bekommt man ihn manchmal dazu. Aber auch nur, wenn er sich nicht bewegen muss und es Pommes gibt. Als ich gestern gefragt hab, ob er Lust hat, mit uns ins Kino zu gehen, hat er gesagt: ‚Mama, ich hab Freunde. Ich brauch euch nicht!‘ Und wenn ich ihm sage, ich fände es keine gute Idee, am Abend vor der Mathearbeit bis in die Puppen Playstation zu spielen, sagt er: ‚Atomkraft ist auch keine so gute Idee!‘“

B: „Nimm es mit Humor.“

A: „Humor. Toll. Langsam vergeht mir der Humor. Lea meint, dass sie wegen Jannis doch nicht das Auslandsjahr machen will, und Finn wird von Tag zu Tag unverschämter.“

B: „Lass dir von einer Mutter, die das fünf Mal durchgemacht hat, sagen, man darf die Pubertät nicht so ernst nehmen. Die Kinder sind wie junge Hunde. Die müssen sich ausprobieren, und da machen sie manchmal auch dumme Sachen. Hab ich dir erzählt, was Frederick gebracht hat, als er knapp 15 war? Ich hab nachts ein Geräusch gehört, gehe zu den Zwillingen ins Zimmer und sehe, dass Fredericks Bett leer ist. Statt des Kindes liegt da ein Zettel. ,Liebe Mama‘, steht da, ,mach dir keine Sorgen. Ich bin nur kurz an der Sporthalle Graffiti sprühen.‘“

A: „Und, was hast du gemacht?“

B: „Ich habe gewartet, bis das Kind nach Hause kam, und dann gab es erst mal eine Standpauke. Aber lustig fand ich das schon. Die sind in dieser Zeit schlicht beides: total nervig und anstrengend, aber darin auch wieder niedlich. Die probieren sich halt aus. Aus meiner Erfahrung kann ich dir wirklich sagen: Es ist besser, das Ganze nicht so ernst zu nehmen, sonst ist es nicht zu ertragen. Insofern: Freu dich, dass Lea noch nicht schwanger ist und Finn überhaupt zum Musikunterricht geht, ob mit oder ohne Klarinette. Ist doch alles bestens!“

A: „So gesehen hast du recht. Es tut immer wieder gut, mit dir zu reden! Und sonst so?“


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